Maurice Steger
Fulminanter Saisonstart

Die neue aargauische Konzertreihe «Chaarts» gab mit dem Blockföten-Star Maurice Steger in Rheinfelden ihren Einstand.

Sibylle Ehrismann
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«Chaarts», das ist das gut klingende Kürzel für «Chamber-Aartists». So nennt sich das Nachfolge-Projekt des in Boswil angesiedelten Konzertmanagers Andreas Fleck für das Kammerorchester Aargau, das sich nicht durchsetzen konnte. Doch ein Orchester oder ein festeres Ensemble, das sind die Chamber-Aartists nicht. Jeder der vier Konzertzyklen dieser Saison fordert ein ganz anderes künstlerisches Profil und eine andere Besetzung: Neben dem Barock gibts auch ein Jazz-Projekt oder einen romantischen Liederzyklus.

Den Anfang machte Maurice Steger, der populäre Wunderknabe auf der Blockflöte. So virtuos wie er beherrscht die Blockflöte keiner. Dieser Name zog, die Kirche St. Martin in Rheinfelden war sehr gut besetzt. Nur leider eignet sie sich eher schlecht für Konzerte, von der Sicht her und akustisch. Maurice Steger spielte an diesem Abend nicht nur Blockflötenkonzerte von Arcangelo Corelli, er hatte die künstlerische Leitung des gesamten Konzerts, welches er unter das Motto «Cover» stellte.

Cover heisst so viel wie «Bearbeitung» oder «Variante»: Der eine barocke Komponist machte aus dem erfolgreichen Hit eines anderen ein neues Stück, das war damals eine gängige Praxis. So orchestrierte etwa Francesco Gemiani einige viel gespielte Violinsonaten von Corelli zu Flötenkonzerten.

Wenn Maurice Steger zum Spielen ansetzt, dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schon im F-Dur-Konzert Nr.4 war das Allegro
so schnell, dass man sich fragte, ob das Vivace überhaupt noch schneller möglich sei – für Maurice Steger kein Problem. Auch für das «Chaarts»-Ensemble unter der Leitung der Primgeigerin Mayumi Hirasaki nicht. Es begleitete hellwach, rhythmisch federleicht und präzise.

Umrahmt wurden die drei Flötenkonzerte Corellis von Bachs Konzert für zwei Violinen BWV 1043, das Hirasaki zusammen mit Daria Zappa agil und in gutem Einvernehmen phrasierten. Beeindruckend war auch die Choral-Meditation «Vor Deinen Thron tret’ ich hiermit» der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina (*1931), eine verinnerlicht schreiende, klanglich dichte Musik von grosser Sprengkraft.

Das Publikum ging auch hier aufmerksam mit und bedachte zum Schluss Maurice Steger und das «Chaarts»-Ensemble mit Standing Ovations.

Weitere Konzerte: Sa, 18. September, 20 Uhr, Konzertsaal Solothurn;
So, 19. September, 16.30 Uhr, Berikon, Kirche St. Mauritius. www.chaarts.ch

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