Bettina Nägeli

Die rechteckige Bühne im Jugendkulturzentrum Dragon in Herzogenbuchsee glühte geradezu. Das Thema der Jahresabschlussparty verdeutlichte indes neben dem Bühnengeschehen auch ein Graffito im Hintergrund mit der leuchtenden Aufschrift «Hip Hop». Im Zentrum der etwa 170 Augenpaare standen sodann die 15 Teilnehmer des «Rap Freestyle Battle», die den Wettstreit - ein Grundgedanke der Hip-Hop-Kultur - aufgriffen.

Mit der Umbenennung des ehemaligen Jugendhauses in das Jugendkulturzentrum und dem heutigen Anlass soll eine neue Ära beginnen, erläutert Stephanie Schär, Leiterin der Offenen Jugendarbeit Herzogenbuchsee und Umgebung. «Das Ziel ist es, in Zukunft den Jugendlichen eine Plattform zu bieten, wo sie ihre Kultur, sei es Musik, Tanz, Gesang, Theater oder Film selbst darstellen und konsumieren können.»

Kontraste gesetzt

Der erste Anlass dieser Art zeugte von Kreativität und Vielseitigkeit der Jugend: 45 kurze Sekunden mussten einem jeden Wortakrobaten genügen, um sowohl das Publikum als auch die jugendliche Jury von ihrer Rap-Tauglichkeit zu überzeugen. Zeile um Zeile drang aus den jungen und allesamt männlichen Kehlen - einmal über weit zurückliegende Erlebnisse, einmal über den aktuellen Abend. Das Publikum zollte beständig jedem Mutigen seinen Respekt, machte aber gleichzeitig deutlich, welche der Freestyle-Rapper in ihrer Gunst ganz oben standen.

Nebst den harten Hip-Hop-Beats verschafften sich auch gegensätzliche Töne Gehör: Regionale und überregionale Showacts machten sich abwechselnd die Bühne zu Eigen und boten Kontrast- und Abwechslungsreiches. So etwa Maryam Hammad aus Niederbipp, die mit einfühlsamer Stimme und ebensolchem Gitarrenspiel selbst die härtesten Rapper zum verstummen brachte.

300 Franken nach Kamerun

Die Mitternachtsstunde näherte sich allmählich, als die beiden besten Freestyle-Rapper des Abends auserkoren waren. Im alles entscheidenden finalen Battle duellierten sich Cheis aus Riedtwil und N.I.C. aus St. Gallen. Vor den Augen des anfeuernden Publikums bekamen die Konkurrenten abwechslungsweise zwei 30-Sekunden-Blöcke zur Gelegenheit, das Gegenüber zu übertrumpfen.

Bewertet wurden Wortakrobatik, Rhythmusgefühl und Publikumskontakt, am Ende setzte sich der 23-jährige Joël Spörri alias Cheis gegen seinen Kontrahenten durch: «Die 300 Franken Preisgeld gehen an eine Augenoptik-Klinik in Kamerun - meinem Geburtsland», sagte der Sieger.

Die Gedanken an die vergangenen Stunden veranlassten indes Stephanie Schär zur Freude: «Alles ging friedlich vonstatten. Zudem kamen viele neue Gesichter ins Jugendkulturzentrum.» Damit sei der Start in die neue Ära des «Dragon» geglückt.