«Ich möchte einfach nur Musik machen»

Komponisten sind gereifte Männer: Der 19-jährige Wettinger Dave Jegerlehner entkräftet dieses Klischee.

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Elisabeth Feller

Wollen die Lautsprecher etwa ihren Geist aufgeben? Oder liegt es an einer fehlerhaften CD? Es knistert wie Seidenpapier; leise zwar, aber doch so konstant, dass die Inspektion der Abspielgeräte dringlich erscheint. Aber man lässt es bleiben, weil man, neugierig geworden, die nächste Nummer wählt.

«The Line»

Laut dem 19-jährigen Komponisten Dave Jegerlehner ist «The Line» ein experimentelles, postmodernes Konzeptalbum der Avantgarde. Thematisch verweist es auf die bekannte Fünf-Elemente-Lehre. Die Titel des Albums lauten: Earth (Erde), Water (Wasser), Air (Luft), Fire (Feuer), Quintessence (Quintessenz). Weitere Informationen sind im Internet zu finden:
www.daveeleanor.com (az)

Ist das dieselbe CD? Kein Seidenpapier-Knistern mehr, dafür ein Geräusch, für das wohl Hämmerchen sorgen. Sie sausen auf Saiten nieder - das aber so wohlerzogen, dass der Klang, den sie verursachen, einer Mischung aus Zirpen und Klopfen gleichkommt. Die Zuhörerin merkt: Hinter dieser CD steckt System. «The Line», so ihr Titel, mutet in ihrer Verbindung von Geräuschen, synthetisch anmutenden Klängen und Musikpartikeln originell, spannend, kurz: experimentell, an. Wer hat dieses jeder Kuschelmusik abholde Werk komponiert? Dave Jegerlehner.

«Alles beeinflusst mich»

Der 19-Jährige ist Schüler der Kantonsschule Wettingen (Schwerpunkt-Fach Musik) und möchte sich gar nicht so ausführlich über sein Interesse an Musik verbreiten, denn: «Sie war und ist einfach da.» Anders gesagt: Sie ist selbstverständlicher Bestandteil seines Lebens. Dergestalt, dass er - der Sänger, Gitarrist, Pianist und Songschreiber - schon früh zu tüfteln begann. Unter seinem Künstlernamen Dave Eleanor experimentiert er (u. a. bei der Acoustic-Band Delusion Trip) mit elektronischer Musik und psychedelischen Klängen, für die als Paten Pink Floyd, The Doors und Jefferson Airplane stehen, sowie mit einfachem Songwriting von Rock bis Reggae.

Seit fünf Jahren produziert der leise formulierende, sympathische junge Mann auf seiner Heimanlage alles selbst. Vorsichtig bringt man das Wort «massenkompatibel» ins Spiel und orakelt, für welche Radiosender sich seine Werke wohl eigneten? Dave Jegerlehner lächelt: Er weiss, dass es sich nicht um Eingängiges handelt, die Avantgarde ist seit jeher in Nischen beheimatet. Behaften auf einzelne Musik-Epochen lässt er sich nicht, denn: «Alles, was ich höre, beeinflusst mich.» So etwa Werke des Polen György Ligeti, der das 20. Jahrhundert massgeblich prägte. Jegerlehner bewundert aber auch den vor zwei Jahren verstorbenen Schweizer Komponisten Robert Suter. Das grundsätzliche Interesse des 19-Jährigen an Geräuschen, Klängen und stilistisch unterschiedlichster Musik führte 2008 folgerichtig ans Künstlerhaus Boswil - und damit an einen Ort, der gleichsam Synonym für Musik ist (siehe links unten).

«Eine Riesenwelt geöffnet»

Was Wunder, versteht sich das Künstlerhaus mit seiner wunderbaren Kirche als Anwältin für junge, komponierende Menschen. Also nahm Jegerlehner auch 2009 am «Young composers project» teil . «Boswil», sagt er, «war eine Horizonterweiterung; dort hat sich für mich eine Riesenwelt geöffnet; an diesem inspirierenden Ort habe ich einen ganz anderen Umgang mit Musik gelernt.»

Hinweis

Kulturlokal Herbert, Baden
Die Präsentation von «The Line» erfolgt am 12. November, 19 Uhr.

Eines ist «sicher» . . .

Stattdessen hält er es lieber mit der Feststellung: «Ich will einfach Musik machen.» Dass er nach der Matur ein Musikstudium in Angriff nimmt, ist zwar «sicher», doch wie es im Detail aussehen wird, noch nicht. Möglicherweise ist es gekoppelt mit dem Klavier- , Kompositions- oder Tonmeister-Studium. Man wird sehen - und von Dave Jegerlehner sicherlich weitere originelle, experimentelle Musik hören.

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