Performance

Ist das nun Liebe oder Sex?

Das Duo Moschini/Popall zeigt im Roxy Birsfelden seine neuste Produktion «Soft Tissue»

Was tun unsere Körper eigentlich genau, wenn wir Liebe meinen, jedoch Sex haben? Wenn Lust und Verlangen sich verselbstständigen, wenn aus Zärtlichkeit plötzlich Dominanz oder Unterwerfung wird, ohne dass wir diesen Vorgang bewusst steuern?

Solche Fragen stellen Natascha Moschini und Marie Popall in ihrer Performance «Soft Tissue» im Roxy Birsfelden. Oder besser gesagt: Solche Fragen entstehen beim Betrachten dieser 60 Minuten. Die Performerinnen selbst geben an, dass sie «die Darstellungen sexualisierter Gewalt im Spannungsfeld zwischen Erotisierung und Tabu untersuchen».

Zwei Körper, die trotz aller Leidenschaft einsam sind

Moschini und Popall teilen sich nicht nur die Bühne, sondern auch das Kostüm. Die eine trägt Jeans und ist oben ohne. Die andere Jeansjacke, dafür keine Hosen. Popall tritt mit Moschini auf den Schultern in die Arena, um die herum das Publikum sitzt. Sie schleppen einen dicken Ast, eben ihre Natur, mit sich. Sie reden über ihre Vorlieben und Hemmungen beim Sex, später über Fantasien beim Onanieren. Eine Off-Stimme skizziert Liebesszenen.

Der Rest in dieser Performance ist Körper und Raum. Ein karger Raum, in dem ein Teppich die Lustzone markiert. Darauf zwei junge, halbnackte Frauen, die testen, wie sie über- und untereinanderkommen, die sich besteigen und an sich abrutschen, die mit ihren Mündern laut knallende Küsse produzieren, mit ihren Kehlen noch lautere, helle Schreie.

Der intensive Reigen endet zu kitschiger Musik, eng umschlungen und doch schmerz-
erfüllt. Zwei Körper, die trotz aller Leidenschaft einsam sind. Das sind Bilder, die bleiben, weil sie ungeschminkt wahr sind.

«Soft Tissue», 19. Oktober, Roxy Birsfelden.

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