Gelterkinden
Jugend sucht sich eigene Identität

Was bewegte die Jugendlichen früher, was bewegt sie heute? Diese und viele andere Fragen zu Jugendkulturen prägten den Film- und Diskussionsabend im Kino Marabu in Gelterkinden.

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Jugend

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Michael Baumgärtner

Die kurzen Dokumentarfilme, die im Kino Marabu in Gelterkinden gezeigt wurde, spannten einen grossen zeitlichen Bogen. Filmen über Jugendkulturen der 30er- oder der 60er-Jahren folgten solche aus den Jahren 1998 oder 2003. Und auch die Themen in den Beiträgen waren vielfältig und reichten von Musik über Mode bis zu Politik und Religion. Die eingeladenen Experten Marc Krebs und Thomas Jourdan, die sich beide intensiv mit Jugendkultur auseinandersetzen, versuchten mithilfe dieser audiovisuellen Archivperlen ein Bild der Jugend und ihrer Kultur zu skizzieren. Und sie lieferten Antworten auf die Frage, inwiefern sich Jugendkultur(en) im Laufe der Zeit verändert haben.

Motiv Abgrenzung

Abgrenzung von der Welt der Erwachsenen war und ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit Jugendkultur immer wieder genannt wird. Eine Dokumentation aus dem Jahre 1969 zeigte dies augenfällig: Interviewt wurde eine Gruppe Jugendlicher, die sich zu einer Rockerkommune zusammengeschlossen hatte. Die Rocker erklärten in dem rund fünfminütigen Ausschnitt ihre Motive, der Kommune beizutreten. Sie sprachen über ihre zerrütteten Familienverhältnisse, und dass die Rockerkommune für sie wie ein neues Elternhaus sei.

Thomas Jourdan bemerkte in der anschliessenden Diskussion, dass die Scheidungsrate der Eltern damals ein grosses Thema der Jugendlichen gewesen sei. Heute sei es eigentlich nicht anders, wie er anfügte. Aber die Mitglieder der Rockerkommune sprachen in dem Beitrag zudem über die Gesellschaft, über Rocker und Spiesser. Eine Gesellschaft in zwei Teilen. Abgrenzung war das Motiv einer ganzen Bewegung, sich zusammenzuschliessen.

Heute gibts mehr Subkulturen

Doch auch in Musik und Mode spiegelt sich seit jeher ein Generationenkonflikt. Ob nun Rock 'n' Roll, Punk oder Streetparade: Das Unverständnis der Eltern kommt der Jugend einer Bestätigung gleich. «Jugendliche sind nicht auf der Suche nach Verständnis. Was sie suchen, ist ihre eigene Identität», verdeutlichte Marc Krebs. Die Motive seien heute im Grunde nicht anders als früher. Der Unterschied besteht laut Krebs darin, dass es weitaus mehr Subkulturen als früher gebe.

Jugendbewegungen haben es heute schwerer, sich soweit abzugrenzen, um als eigenständige Bewegungen erkannt zu werden. «Jugendkultur», merkte Krebs an, «ist vielfältiger geworden.» Die Jugendkultur als eine Bewegung gibt es nicht.

Die Zuschauer, welche sich selbst aus mehreren Generationen zusammensetzten, diskutierten nach dem offiziellen Teil noch lange untereinander oder mit den Experten.

Der Anlass fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Erlebte Schweiz» statt, in welcher zu verschiedensten Themen Film- und Tonbeiträge aus Schweizer Archiven gezeigt werden. Hinter diesem Projekt steht der Verein Memoriav, der sich für die Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts der Schweiz einsetzt und für jede Veranstaltung jeweils Expertinnen und Experten einlädt, die die gezeigten Dokumente ergänzen und diskutieren. Neben Jugendkultur sind beispielsweise Landwirtschaft oder Wirtschaft Bereiche, in denen Memoriav nach filmischem Archivmaterial sucht.

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