Müllerhaus

Kein Geld für den Müllerhaus-Garten

Der Garten als Kultur im Freiraum findet im Unterschied zur Architektur erst wenig Anerkennung. Das «Müllerhaus» in Lenzburg gilt als «schönstes Bürgerhaus im Aargau» und wurde deshalb mit grossem Aufwand instand gestellt. Doch für den Garten fehlen die finanziellen Mittel.

Roland Beck

Prägende Elemente des ursprünglichen Barockgartens sind die Geländeabstützungen sowie die quer zur Hauptachse verlaufenden oberen und unteren Erschliessungswege. Dazu gehören die mit Kapitell verzierten Portalpfostamente, das Hofhalbrund, die Brunnenanlage und die Terrasse mit doppelläufigem Treppenaufgang. Sowie der architektonisch angeordnete Baumbestand auf der mittleren Terrasse. Auf der untersten Ebene befand sich wie auf alten Kartendarstellungen zu sehen ist ein Barockgärtchen mit Springbrunnen.

Garten für neue Verkehrswege

Durch den häufigen Besitzerwechsel von 1849 bis 1903, den unterschiedlichen gewerblichen Nutzungen und Aufteilung der Gesamtanlage bei Verkäufen wurde der Garten ungünstig verändert.

Noch schlimmere Auswirkungen hatte der Bau von Seonstrasse und Bleicherain sowie der Seetalbahn: ein Teil des Gartens wurde zerstört. Danach versiegte auch die Quelle, die das Wasser für den Springbrunnen im «unteren Garten» lieferte.

Von der ursprünglichen, spätbarocken Gartenanlage, ist heute ausser der monumentalen Freitreppe und den südlichen Portalen mit steinerner Einfriedung nichts erhalten geblieben.

Der Garten wurde ins «Inventar erhaltenswerter Gartenanlagen» aufgenommen und befindet sich unter kantonalem Schutz. Für Reto Nussbaumer, stellvertretender Denkmalpfleger des Kantons Aargau, ist das Müllerhaus ein «hochwertiges Denkmalschutzobjekt und integral auch der Garten». Deshalb werden von der Denkmalpflege Unterhaltsarbeiten finanziell unterstützt.

Garten kommt erst am Schluss

Die Stiftung Müllerhaus verwendete bisher ihre Mittel zur Erhaltung der Grundstruktur des Hauses. Es wurden Bausanierungen am Haus durchgeführt und das Schreibatelier eingerichtet. Für die Umgebung sind jedoch kaum Mittel eingesetzt worden. Es existiert eine Unterhaltsabsicht, das Gartengrundmusters zu erhalten. Dafür werden in diesem Jahr 5000 Franken ausgegeben.

Daniel Mosimann, Stadtrat von Lenzburg und Vizepräsident der Stiftung Müllerhaus, ist sich bewusst, dass Veränderungen in diesem Garten notwendig sind. Für ihn ist klar, dass ein Handlungsbedarf besteht. Und mit einem leisen Lächeln sagt er diplomatisch: «Es stimmt schon, der Garten kommt immer zuletzt, und dann merkt man, dass man kein Geld mehr hat.»

Zerfall der Vegetation

Der Landschaftsarchitekt Kurt Wernli arbeitete schon als Schüler als «Jättbueb» im Müllerhaus-Garten. Und er werkte in den letzten Jahren immer wieder in dieser Anlage. Wernli setzte sich immer für die Erhaltung der Grundstruktur des Gartens ein, «damit diese nicht eines Tages von Amtes wegen ausgeräumt und Rasen angesät wird», wie er sagt.

Zum derzeitigen Zustand des Gartens sagt der Insider: «Aus fachlicher Sicht befindet sich die ganze Anlage jetzt in einem kritischen Zustand, das erkennt man am Zerfall der Vegetation.»

Auf die lange Bank geschoben

Karin Büchli, Geschäftsführerin der Stiftung Müllerhaus überrascht mit der Feststellung, dass es Pläne für eine Erneuerung des Gartens gebe. «Eine Variation wäre die Wiederherstellung des ursprünglichen Gartens. Aber das kostet viel Geld», sagt sie. Wie viel? «Etwa 250 000 Franken.»

Diese Mittel sind nicht vorhanden, «und deshalb kann ein solches Projekt ganz bestimmt in den nächsten Jahren nicht ausgeführt werden». Es liege auch ein Beschluss des Stiftungsrates vor, dieses Projekt auf die lange Bank zu schieben. «Wir prüfen deshalb, ob wir den Garten noch intensiver pflegen könnten», sagt Karin Büchli.

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