Der Zürcher Schriftsteller und Werbetexter Tom Zürcher hielt seine Chancen, es von der Longlist auf die Shortlist des deutschen Buchpreises zu schaffen, selbst für chancenlos. Mit seiner rasanten Satire im Zürcher Bankenmilieu und einer in eine Paranoia abgleitenden Hauptfigur hatte er es als einziger Schweizer zumindest in die erste Runde geschafft. Auf der gestern veröffentlichten Shortlist ist er tatsächlich nicht mehr vertreten.

Von den ursprünglich eingereichten 203 Titeln stehen nun sechs auf der Shortlist. Formal und stilistisch könnten diese nicht unterschiedlicher sein, hält der Jurypräsident, der Literaturkritiker Jürg Magenau, fest. Und doch eine sie ein grosses Thema: «In allen geht es um familiäre Zusammenhänge, um den Ort in der globalen Welt, von dem aus das eigene Dasein zu begreifen ist. Dass dabei vor allem die Identität des Mannes problematisch geworden ist, beschreiben sie mal aus weiblicher, mal aus männlicher Perspektive.» Vielleicht habe das mit einem Generationenwechsel zu tun, fügt Magenau in der Juryerklärung hinzu.

Drei Debüts von Autorinnen und Autoren, die noch keine dreissig Jahre alt sind, stehen auf der Shortlist: Raphaela Edelbauer mit «Das flüssige Land», Miku Sophie Kühmel mit «Kintsugi» und Tonio Schachinger mit «Nicht wie ihr». Hinzu kommen die Romane von Norbert Scheuer («Winterbienen»), Saša Stanišić («Herkunft») und Jackie Thomae («Brüder»). Preisverleihung ist am 14. Oktober. Es winken 25 000 Euro für den Gewinnertext, 2500 Euro für die anderen Finalistentexte. Hansruedi Kugler