Theater Basel

Kinderoper «Gold!»: Was ist Glück? Vielleicht ein Fisch

Sofia Pavone singt und spielt alle Rollen mit Bravour. Der Schlagzeuger Roberto Maqueda begeistert als ihr Partner.

Sofia Pavone singt und spielt alle Rollen mit Bravour. Der Schlagzeuger Roberto Maqueda begeistert als ihr Partner.

OperAvenir und die Hochschule für Musik Basel führen «Gold!» mit viel Lust an Spiel und Musik auf. Die Geschichte basiert auf dem Grimmschen Märchen «Vom Fischer und seiner Frau» und wird von einer Sängerin und einem Schlagzeuger spannend inszeniert.

«Wer von euch war schon am Meer?» Viele Hände recken sich blitzschnell nach oben. Das ist sehr gut, denn bei der Oper «Gold!» für Theaterbesucher ab fünf Jahren ist deren Mitwirkung gefragt. Die Jungen sorgen in gleich sechs Variationen mit Klatschen und Händereiben für die flüsternde, rauschende oder tosende See, ohne die «Gold!» undenkbar ist, selbst wenn der Titel zunächst mehr an eine Wirtschafts-Schlagzeile als an Wasser denken lässt. Doch die Kinderoper für eine Sängerin (Sofia Pavone) und einen Schlagzeuger (Roberto Maqueda) basiert auf dem berühmten Grimm-Märchen «Der Fischer und seine Frau». Das ist der Stoff aus dem in «Gold!» (Libretto: Flora Verbrugge), die Träume einer dreiköpfigen, mausarmen Familie sind, die kein Dach überm Kopf hat. Deswegen gräbt sie jeden Abend eine Grube, um sich in der Illusion eines weichen, kuscheligen Daunenbetts einzunisten.

Der Fisch wird immer magerer

So hätte es ewig weitergehen können, hätte der kleine Sohn Jacob nicht eines Tages einen Fisch aus dem Wasser gezogen, wie er noch keinen gekannt hat: Dieser hier will ihm nämlich jeden Wunsch erfüllen. Einzige Voraussetzung: Der Fisch will wieder zurück ins Meer. Jacob ist bescheiden; er wünscht sich bloss Schuhe. Doch als er nach Hause kommt, beginnen die Eltern mit einer Wunschliste, die täglich länger wird. Aus dem Häuschen wird eine Villa und aus dieser wiederum ein Schloss. «Mehr, mehr, mehr» lautet das nach Masslosigkeit «stinkende» Motto, dem vor allem die Eltern anheimfallen. Bloss Jacob wird immer beklommener zumute. Mit jedem geäusserten Wunsch wird der Fisch nämlich magerer, bis selbst den unersättlichen Eltern dämmert: Hier stimmt etwas nicht. Dass am Ende alle merken, dass Gold nicht glücklich macht, gehört zu einem Märchen, das im Foyer des Grossen Hauses (Kooperation des Opernstudios «OperAvenir» und der Hochschule für Musik Basel) eine Menge Kurzweil verspricht.

Mag sein, dass die anfängliche Probe für die Kinder, die ganz vorne auf Kissen sitzen, etwas zu lange dauert. Fängt die Oper aber einmal an, flitzen 60 Spielminuten im Nu vorbei. Der 30-jährige Holländer Leonard Evers hat eine pfiffige, gerade für Kinderohren eingängige, mit Jazz-Elementen angereicherte Musik komponiert. Sie macht rundum Spass, weil sie von Roberto Maqueda interpretiert wird, der auch als Schauspieler und Partner der Sängerin Sofia Pavone fungiert.

Sie verkörpert alle Figuren: ein rascher Griff zur Schirmmütze – und sie ist Jacob; ein Aufsetzen der Brille – und sie ist Jacobs Vater. Sie ist aber auch eine Erzählerin, die ohne triefendes Moralin selbst den Kleinsten gewinnend und witzig vermitteln kann, um was es in «Gold!» geht: um Gier. Und diese, wissen die mitfiebernden Eltern und Grosseltern, ist in einer Welt, in der (fast) alle (fast) alles bekommen können, ein interessantes, ja brennendes Thema. Eines auf jeden Fall, das Salomé Im Hof, spielerisch-leicht vor der Treppe im Foyer mit der Schlagzeugbatterie als Blickfang inszeniert.

«Ein Königreich für einen Fisch»

Davor befinden sich links und rechts Requisiten, zum Beispiel ein Kübel, eine Garderobenstange oder ein pinkfarbener Staubwedel. Mehr braucht es nicht, um die Handlung flott voranzutreiben und die Kinder mit Klatschen oder La-Ola-Wellen aktiv ins Geschehen einzubinden. Bleibt am Ende die Frage: Was braucht der Mensch zum Glück? Die Kinder wissen derzeit wohl noch keine Antwort. Halt, wie wäre es damit: ein Fisch. Jacob, vielmehr Sofia Pavone, wirft diesen am Ende in hohem Bogen weg, respektive ins Meer. Er klatscht auf dem Teppichboden auf. Aber in welcher Ecke? Diese Frage beschäftigt die Kinder. Sie drehen die Köpfe, tuscheln miteinander: «Wo ist er?» Frei nach Shakespeares «Richard III.» könnte man an diesem Punkt sagen: «Ein Königreich für einen Fisch.» Klingt das nach Gier? Nein. Nach Glück.

Theater Basel Vorstellungen am 15. und 28. November. www.theater-basel.ch

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