Baden

Kunstvolle Lichtspiele erleuchten das Trudelhaus

«Venti Periodici» von Georgette Maag ist ein aussergewöhnliches Selbstporträt.Georgette Maag

«Venti Periodici» von Georgette Maag ist ein aussergewöhnliches Selbstporträt.Georgette Maag

In «Gastspiel 01» im Trudelhaus Baden haben sich fünf Kunstschaffende den Themen Licht und Video verschrieben. Sie durften selbst die Räume gestalten.

Die Fenster sind verriegelt, das Licht gelöscht. Da sich alle ausgestellten Kunststücke mit Licht beschäftigen, findet man sich im Badener Trudelhaus aber nicht im Dunkeln wieder. Die auf drei Stockwerke verteilten Ausstellungsräume sind von stimmungsvollen, verspielten bis unheimlichen Lichtquellen erleuchtet.

Mit viel Sinn für Feines hat die Kuratorin Sadhyo Niederberger die Ausstellung realisiert. Für das neue Ausstellungsformat «Gastspiel 01» hat sie die vielfach ausgezeichnete Videokünstlerin Georgette Maag dazu eingeladen, gemeinsam mit weiteren Künstlerinnen und Künstlern aus ihrem Umfeld die Räume zu gestalten. Entstanden ist eine ausgesuchte und sehr stimmige Ausstellung, welche die Besucherin an vielen Stellen überrascht, entzückt und verstört.

In warmen Farben leuchtend

Wer vom unteren Eingang in die Ausstellung tritt, dem blitzt ein lachendes Gebiss entgegen. Was von weitem wie ein filigraner Kronleuchter anmutet, sind in Wahrheit zur Form eines Mundes geflochtener Draht und leuchtende Halogenlämpchen, denen menschliche Zähne als Lampenschirmchen dienen. Diese zugleich witzige wie morbide Arbeit von Isabelle Krieg wird von einem Memento mori des Künstlers Pascal Lampert weitererzählt. Vor dem Hintergrund einer filmisch eingefangenen Berglandschaft hat er auf einem Transparent ein altertümliches Stillleben mit Totenkopf und Kronleuchter gemalt.

Zu diesen morbid verspielten Stücken bietet die wunderbar entschleunigte Installation der Basler Künstlerin Christine Camenisch einen Kontrast. Sie hat in warmen Farben leuchtende Kuben an die Wand projiziert, welche durch das Changieren zwischen Schärfe und Unschärfe ihre Farbe, Grösse und Struktur verändern.

Der zweite Stock widmet sich dem Thema Raum. Ein dunkles, kleines Häuschen mit einer Palme lässt die Zuschauerin nähertreten. Was von weitem einen niedlichen Eindruck macht, überrascht bei näherem Betrachten: Die Künstlerin Ursula Palla hat ein Haus aus Lego-Bausteinen in Flammen gelegt. Aus den vielen kleinen, bunten Klötzchen ist eine scheinbar homogene Masse geworden, welche in ihren unterschiedlichen dunklen Farbnuancen wie eine vom Wetter gezeichnete Hausfassade wirkt.

Verlassene Häuser erhellt

Neben diesem Miniaturhäuschen samt verkokelter Plastikpalme führt uns ein gross auf die Wand projiziertes Video in die dunklen, staubigen und ein bisschen unheimlichen Räume einer alten Villa. Im Morse-Rhythmus lässt Pascal Lampert das Gerümpel darin aufleuchten. Etwa die Holzfigur eines Steinbocks, gefolgt von einer grossen Stoffbahn, einem typischen Primarschulstuhl hinter Gittern neben einer vertrockneten Pflanze.

Verlassen sind auch die Räume, die Susanne Hofer in «Aufhellung» auf siebzehn in Holz gerahmten Bildschirmen festhält. Diese meist in Berlin und Osteuropa aufgenommenen Videobilder von verlassenen Hotels und kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Fabriken verfügen über ein grosses narratives Potenzial, sie scheinen die Geschichte ihrer Vergangenheit erzählen zu wollen. Tritt man nun die Treppe hinauf, wird man von einem feinen Schneesturm empfangen.

Oder sind es durch die Gegend flitzende helle Glühwürmchen? Hier lässt die Künstlerin Susanne Hofer den durch die Schritte der Besucher aufgewirbelten Staub als «Elementarteilchen» tanzen. Wegen der Durchlässigkeit der Räume blitzen die heiteren Lichtpunkte vereinzelt auch im unteren und oberen Stockwerk auf. Oder landen auf dem Kopf einer kleinen, herzerweichenden Gans. In «Bird Two» hat Ursula Palla eine Gans filmisch an die Wand projiziert, ihr aber aus Gips dreidimensionale Füsse gebastelt.

Tanzende Staubskulptur

Der oberste Stock schliesslich wird von der im Mittelpunkt der Ausstellung stehenden Künstlerin Georgette Maag gestaltet. Im Zentrum steht «Venti Periodici», eine grosse Videoprojektion, welche die Künstlerin selbst in Form ihres Schattens auf einem schönen, im Bauhausstil errichteten Haus zeigt. Auf der Wiese zeichnet sich der Schatten teilweise tiefschwarz ab, sobald aber die Sonne verschwindet, wird er unsichtbar. Auf lyrische und kluge Weise hat sich die Künstlerin so selbst zur Protagonistin ihrer Kunst gemacht.

Neben dieser sehr unterhaltsamen und mit Liebe zum Detail gestalteten Ausstellung bietet das Trudelhaus am 16. Juni eine Performance des teilnehmenden Künstlers Pascal Lampert mit anschliessender Führung der beteiligten Kunstschaffenden.

Gastspiel 01: Baden, Trudelhaus. Bis 7. Juli. www.trudelhaus-baden.ch

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