Baden
Kusntwerk aus Baden wird Leihgabe im Landesmuseum

Ein Stück Badener Geschichte in Zürich. Das 100jährige Diorama aus Baden kommt leihweise ins Zürcher Landesmuseum.

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Diorama

Diorama

Aargauer Zeitung

Corinne Rufli
Adlige Damen, Männer aus dem Grossbürgertum und Schriftstellerinnen - sie alle hätten wohl vor hundert Jahren bei den Stichworten gesunde Luft und sauberes Wasser, Natur, Erholung und Thermalbäder schnell an die Stadt Baden gedacht. Heute ist das nicht mehr so. Doch was bleibt, ist die Erinnerung. Deshalb machte sich der Kurator der kommenden Ausstellung im Schweizerischen Landesmuseum «Zauber Berge - Die Schweiz als Kraftraum und Sanatorium» auf den Weg nach Baden. Er suchte passende Objekte in der einst strahlenden Kurstadt. Die Ausstellung soll den «Ruf der Schweiz als Gesundheitsparadies ergründen» und durch «überraschende Exponate ein neues Licht auf die Schweizer Gesundheitslandschaft ausserhalb der Operationssäle werfen», heisst es in der Ankündigung.

Fündig wurde der Kurator Felix Graf im Historischen Museum Baden. «Das Diorama stach dem Kurator gleich ins Auge», sagt Barbara Welter, Leiterin des Historischen Museums. Das Werk aus dem Jahr 1900 ist eine 1,5m lange auf Blech bemalte Ansicht der Stadt Baden. Der Schaukasten zeigt im Vordergrund eine Einsicht in die Bäderkultur. Modellartig ist links das Inhalatorium dargestellt und rechts eine Frau, die im Thermalwasser badet. In der Mitte sieht man eine Szene, welche auf die im 19. Jahrhundert entstandene Legende um den keltischen Siegawyn anspielt. Der Jüngling, so heisst es, war mit seiner gelähmten Ethelfrieda auf der Flucht. Er entdeckte die Thermalquellen in Baden und badete seine Geliebte darin, bis sie wieder gesund war.

Öffnungszeiten

Landesmuseum Zürich
Zauber Berge, 26.März-15.August
Historisches Museum Baden
Öffnungszeiten: Di-Fr 13-17 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr
www.museum.baden.ch

Dass gerade diese Szene so prominent platziert ist, sieht die Museumsleiterin als Antwort auf die damals eingetretene Medizinalisierung der Kur. Die Kurgäste wurden zu Patienten. «Man wollte zu dieser Ernüchterung im Bäderbetrieb ein Gegengewicht schaffen», sagt Welter. «Der rasante Wandel mit der Industrialisierung weckte das Bedürfnis nach Romantik und urtümlichen Mythen.»

Die auffälligen Kandelaber auf dem Diorama verweisen auf die moderne Infrastruktur. «Man kann die Lämpchen sogar einstecken und sie leuchten noch», sagt Welter. Der erweiterte Kurbetrieb mit Höhenwanderungen und Spaziergängen ist durch die weite Sicht in die Landschaft mit dem Känzeli und dem Schloss Stein dargestellt. Wofür man dieses heute einzigartige Diorama damals brauchte, sei nicht klar, so Welter. Man vermutet, dass es Werbezwecken diente und in Baden in einem Schaufenster stand. Das kostbare Stück kommt nun nach Zürich. «Zuerst taten wir uns schwer, es auszuleihen. Wir sehen es aber als Chance, das Diorama national zu zeigen», sagt Welter. Im Landesmuseum werde das Exponat prominent platziert, meint sie nicht ohne Stolz.

Wer das Diorama sehen will, aber lieber auf eine Reise nach Zürich verzichtet, kann dem Historischen Museum Baden im Spätsommer wieder einmal einen Besuch abstatten. Dann, wenn das Diorama wieder in der Dauerausstellung des Museums in Baden steht.