Landschaft bewusst wahrnehmen

Ulrich Studer zeigt im NäijereHuus Stein(ab)drucke im Massstab 1 zu 1 auf Baumwollvlies. Die Arbeiten sind zur Schärfung des Bewusstseins für die Landschaft und aus der Sorge um unsern ursprünglichen Lebensraum entstanden und vertiefen das Erlebnis der Lichtinstallation im Oberstufenzentrum Subingen.

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Solothurner Zeitung

Hans R. Fröhlich

In den Gesteinsstrukturen sieht Ulrich Studer (Rüttenen) die Analogie der Landschaftsgliederung der jeweiligen Region. In seiner Sorge um die Landschaft stellt er fest, dass sich als Teil der Landschaft wahrzunehmen bei der rural geprägten Bevölkerung durch die Arbeit mit dem Boden gegeben war. Mit der Entfernung von diesem beruflichen Umfeld folgt auch die Entfremdung dieses Bewusstseins, die Zersiedelung und schliesslich die Zerstörung der Landschaft. In seinen Arbeiten geht es Ulrich Studer um Wahrnehmung der Landschaft als unsern Lebensumraum.

Seine These lautet: Ich weiss nur, was ich sehe. Und er nimmt an, dass die andern auch etwas sehen. Was sie genau sehen, interessiert ihn. Wenn er Landschaftsprojekte initiiert, arbeitet Studer mit vielen Leuten zusammen, die in dieser Landschaft tätig sind. Während der Durchführung seiner Projekte in Davos, im Tessin, worüber zum Teil die gezeigten Arbeiten entstanden sind, und wo auch immer, stellt er fest, dass diese Menschen mit dem näheren Hinsehen ein neues Verhältnis zu ihrer Arbeit und der Umgebung gewinnen und sich wieder als Teil davon begreifen.

«Alles im Fluss»

In diesem Sinne hat Ulrich Studer im Sommer 2008 im Wasseramt zur Eröffnung des Oberstufenzentrums oz13 in Subingen die Lichtinstallation realisiert. Die Thematik seiner Landschaftsprojekte stellt der Künstler auch mit bildnerischen Mitteln der Malerei dar. Ein Teil dieser Werke zeigt er unter dem Titel «Dokumente zur Landschaft» im NäijereHuus in Hersiwil. Der Filmer Thomas Batschelet hat eine Videodokumentation zum Projekt «alles im Fluss» gedreht, die während der Ausstellung gezeigt wird.

Darin wird deutlich, wie die Stimmung der Jugendlichen von ursprünglicher Gleichgültigkeit in Begeisterung für die Mitarbeit umgeschlagen hat. In diesem Projekt ging es um die «Brandmarkung» der Untiefen im Lauf der renaturierten Oesch durch Stecken von kurzen Bambusstangen zur Halterung von Kerzen, welche in der Dunkelheit die Abfolge dieser angeschwemmten Untiefen sichtbar machten.

Dreidimensional

In den gezeigten Arbeiten macht Ulrich Studer auf die Homologie der Gesteinsschichten und -strukturen mit jenen der Landschaft aufmerksam. Dies gelingt ihm augenscheinlich allein durch die Steinabdrucke in den Steinbrüchen im Maggiatal, worin selbst die Borlöcher wie weisse Pfähle herausstechen.

In anderen Arbeiten wird der Landschaftscharakter der Abdrucke im wörtlichen Sinne erhöht, indem Studer die Bilder mit feinem Tüll überspannt. Dieser wird punktuell auf Grund geleimt und oder teilweise bemalt, sodass ein Relief und damit eine Dreidimensionalität entsteht. Auf diese Weise gelingt es ihm, als Künstler auf den Aufbau und die geologischen Strukturen unserer Umgebung aufmerksam zu machen. Denn Ulrich Studer weiss, dass die Landschaft den Menschen prägt und unser geistiger Wohlstand ganz entscheidend von ihr abhängig ist.

Die Ausstellung dauert bis So, 26. April 2009. Öffnungszeiten: Mi 15 -18, Fr 18-21 + Sa/So 14 -17 Uhr.

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