Literaturtage
«Literatur mal von einer vollkommen anderen Seite»

Während der Solothurner Literaturtage gibt es viel zu entdecken und zu ertasten. Der 200. Geburtstag von Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, spielt dabei eine wichtige Rolle.

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Deshalb steht vor der Gewerblich-Industri-ellen Berufsschule (Gibs) das Braille-Mobil des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (SBV).

Jean-Claude Bouille gibt darin den Besuchern Einblicke in den Alltag von Blinden. Er hat verschiedene Apparate zum Schreiben ausgestellt, die man auch ausprobieren darf. «Ein paar sind schon uralt, richtig museumswürdig», erklärt Bouille. Dazu gehören vor allem Schreibmaschinen, die in der Punkteschrift von Braille schreiben. Auch hat Bouille diverse Dokumente, Geräte und Spiele in seinem Mobil. Damit soll gezeigt werden, wie umfangreich die Braille-Schrift angewendet wird und dass Blinde heutzutage kaum noch benachteiligt sind durch ihre Behinderung. «Sogar auf Spielkarten ist Braille-Schrift abgedruckt, so können Blinde zusammen mit Sehenden beispielsweise eine Runde UNO spielen.» Ein weiteres Ziel des Mobils ist, den Zusammenhang zwischen Braille und Informatik aufzuzeigen. «In der heutigen Welt läuft auch für Blinde und Sehbehinderte praktisch alles über den Computer.»

Vor dem Braille-Mobil wartet noch ein kniffliger Wettbewerb. Allerdings nicht, weil die Frage so schwierig ist, sondern, da man den Talon in der Braille-Blindenschrift ausfüllen muss.

Gleich daneben steht das Dunkelzelt, welches bereits zum vierten Mal an den Solothurner Literaturtagen mit dabei ist. Hier gibt es fast stündlich kurze Lesungen von diversen Autorinnen und Autoren. Selbstverständlich in völliger Dunkelheit - was Eindruck macht. «Es hat schon Leute gegeben, die vorzeitig das Zelt verlassen mussten, da es ihnen zu beklemmend wurde», berichtet «Nachbar» Bouille.

Am Freitag veranstaltete zudem die Schweizer Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte (SBS) im Rahmen des Jugend- und Kinderliteraturprogramms ein Blindenschrift-Workshop im Alten Spital. Die Schulkinder konnten ihr Fingerspitzengefühl unter Beweis stellen, indem sie mit verbundenen Augen Memory spielten. Anschliessend gab es die Chance, mit Betroffenen zu reden. Markus Feer und Thomas Moser, Mitarbeiter der SBS und selber blind, gaben Auskunft und stillten die Neugierde der Kinder. «Wir sind zufrieden mit dem Workshop», sagt Feer. Fazit und Botschaft der SBS lauten an diesen Tagen: «Literatur ist nicht nur für Sehende!» (NAG)

Programm

Vorlesungen im Dunkelzelt heute von 10 Uhr bis 16 Uhr im Kreuzackerpark. Eintritt Gratis. Ausstellung zur Blindenschrift im Infobus nebenan.

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