Von Bojan Stula

Noch immer wirkt die jahrelange Endlos-Diskussion um den «Eurobecher» nach. So auch in gewissen Hinterköpfen im Umkreis des Fussballstadions St. Jakob-Park. Diesem wollten die beiden Basler Parlamente und die Basler Regierung mit aller Macht ein umweltfreundliches Mehrwegbecher-Prinzip für die Fussball-Europameisterschaft 08 aufdrücken; schliesslich kam es kurz vor dem Euro-Ankick zum Kompromiss mit dem Pfand auf Wegwerfbecher. «Und was ist mit dem Basel Tattoo?», fragt man sich nun hinter vorgehaltener Hand in der Brügglinger Ebene: «Die können sich alles erlauben, da kräht kein Hahn nach dem Mehrwegbecher.»

«Richtig», gibt Tattoo-Produzent Erik Julliard unumwunden zu, «ein Mehrwegbecher ist für uns kein Thema». Nicht, dass das Tattoo den Umweltgedanken mit Füssen treten wolle. Im Gegenteil, mit einem speziellen «Tattoo-Becher» könnte man nicht nur ökologisch handeln, sondern sich auch einen Zusatzverdienst durch den Verkauf eines solchen Souvenirartikels sichern, rechnet Julliard vor: «Alleine, uns fehlt der Platz dafür.»

Insgesamt 18 Festbeizen betreiben die Organisatoren auf dem Kasernenareal während der Tattoo-Woche. «Wir haben das Prinzip mit dem Mehrwegbecher intensiv geprüft, aber für die vielen Waschanlagen, die es für die Tausende von Mehrwegbechern pro Abend benötigt, haben wir einfach nicht genügend Platz.» Selbstkritisch gibt Julliard zu, dass man deswegen dem Basel Tattoo durchaus den Vorwurf machen könne, zu wenig für den Umweltschutz zu tun.

Aus dem Amt für Umwelt und Energie kommt die Bestätigung, dass in Basel im Hinblick auf Ökologie bei Grossveranstaltungen grundsätzlich das Prinzip Freiwilligkeit gilt. «Bei der Euro war das anders», sagt Martin Gruber, der Leiter der Fachstelle Abfallvermeidung/Littering beim Kanton. «Da hat der Staat beträchtliche Mittel investiert und wollte deshalb beim Umweltschutz eine Gegenleistung. Dies war auch Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzept für die Euro 08.»

Heute gehe es in erster Linie darum, Veranstalter von der Richtigkeit des Mehrwegkonzepts zu überzeugen, nachdem eine Studie im Auftrag der Umweltministerien Österreich und Schweiz zweifelsfrei ermittelt hat, dass Mehrwegbecher-Systeme während der Euro Einweg-Lösungen ökologisch «deutlich überlegen» waren.

Und Gruber ortet einen Gesinnungswandel: «Obschon die Widerstände bei gewissen Caterern gross sind, nimmt das Verständnis schweizweit zu.» Bereits 15 Veranstalter wenden in Basel das Mehrwegprinzip an - von der Sportnacht bis zum Kulturfloss.

Unterstützend wirkt in dieser Hinsicht, dass seit Dezember 2006 Veranstalter auf Basler Boden in den Genuss von Rabatten auf Allmend- und andere staatliche Gebühren kommen können, sofern sie Massnahmen zur Abfallvermeidung ergreifen.

So gibt es laut Regierungsratbeschluss 20 Prozent Erlass auf sämtliche Gebühren bei der Verwendung des Mehrzweckbechers und sogar 40 Prozent, wenn für Getränke und Esswaren abfallvermeidende Mehrwegsysteme eingesetzt werden. Wobei neben einem Mehrwegbecher auch Porzellangeschirr oder der Pfand auf Pet-Flaschen als ökologisch gilt.

Beim Punkt «Esswaren» hakt Gruber ein: «Das Amt für Umwelt und Energie will neben dem Mehrwegbecher verstärkt das Prinzip ‹Pack's ins Brot› propagieren.» In den Euro-Fanzonen war die in einem aufgeschnittenen Brötchen anstatt auf Pappkarton verkaufte Wurst ein Renner. Mehrere Tonnen Abfall durch Pappgeschirr konnten dadurch vermieden werden, während es von Seiten der Kundschaft laut Gruber ausschliesslich positive Reaktionen gab.

«Pack's ins Brot» wird es aber am Basel Tattoo ebenso wenig geben wie einen Mehrwegbecher. Ist das Militärmusikfestival deshalb ein Umweltsünder? Martin Gruber vom Amt für Umwelt und Energie relativiert: «Bei der gesamten Ökobilanz einer Grossveranstaltung macht der Abfall nur einen relativ geringen Prozentsatz aus. Zwar sind die Auswirkungen beim Littering gross, doch bereiten aus ökologischer Sicht die An- und Abreise der Zuschauer am meisten Probleme. Und da haben alle Veranstaltungen, die in der Stadt Basel stattfinden einen natürlichen Vorteil.»

Wenn die Umweltverträglichkeit von Grossanlässen ohnehin nicht mit dem Mehrweggeschirr steht und fällt - wozu dann der grosse Einsatz seitens der Behörden? «Weil Grossveranstaltungen eine grosse Signal- und Vorbildfunktion ausüben, insbesondere was das Littering angeht», antwortet Martin Gruber.

«Das, was der Veranstalter seinen Besucherinnen und Besuchern in Sachen Abfallmanagement vorlebt, machen diese im Privaten nach. Deshalb müssen Grossanlässe in der Region ökologisch sein - auch bei der Abfallvermeidung.»