Interview
Musiker Woodkid: «Ich mag es nicht, wenn alles erklärt wird»

Woodkid ist das musikalisch künstlerische Projekt des Franzosen Yoann Lemoine. Sein Album ist noch gar nicht erschienen, trotzdem ist er schon weltbekannt. Heute spielt der französische Indiepop-Held ein exklusives Konzert in Basel.

Moritz Kaufmann
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Das Visuelle ist bei Woodkid eng mit der Musik verbunden
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Einen Namen hat er sich mit Musikvideos, u. a. für Moby, Lana del Rey und Rihanna, gemacht.
Über seine Musik sagt er selbst: «Das Woodkid-Projekt hat sehr viel Symbolik.»
Der Sound ist wie die Videos: Emotional und episch.

Das Visuelle ist bei Woodkid eng mit der Musik verbunden

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Zur Person

Mit Woodkid ist den Veranstaltern der Kaserne ein Coup gelungen. Seit der Veröffentlichung seiner ersten Single «Iron» letztes Jahr ist der 29-jährige Franzose Woodkid alias Yoann Lemoine das nächste grosse Ding in der Musikszene.

Einen Namen hat er sich aber schon vorher gemacht: Als Videoproduzent für Künstler wie Moby, Lana del Rey oder Rihanna. Seine Musik ist wie seine Videos: episch und grossspurig, gleichzeitig emotional und voller Zwischentöne. Der ausgebildete Grafiker wohnt in Paris und New York. Der Auftritt in der Kaserne heute Abend ist der erste und vorläufig einzige in der Schweiz. (bz)

Yoann Lemoine: Ich bin auf dem Land aufgewachsen, aber immer in der Nähe von grossen Städten. Weshalb?

Wegen ihres Namens. Heissen Sie deshalb Woodkid?

Der Name Woodkid steht eher für die Geschichte, die ich auf meinem Album erzähle. Es geht um ein Kind, das sich seinem natürlichen, emotionalen Umfeld entzieht und in die Stadt geht, wo es sich durchschlagen muss. Ja, man könnte sagen, es gibt einen Zusammenhang mit mir.

Ist Woodkid also nur ein Projekt für ein Album?

Vorläufig ja.

Sie haben das Musikbusiness kennen gelernt, indem Sie Musikvideos drehten. Wann haben Sie entschieden, selber Musik zu machen?

Ich war immer von Musikern und kreativen Leuten umgegeben und habe auch immer Klavier gespielt. Am Schluss sagte ich mir einfach: «Okay, versuchen wir’s.» Ein Freund von mir hatte ein Label, der mich dann unter Vertrag genommen hat. Es war ein sehr natürlicher Prozess. Wir hatten nie so viel Erfolg erwartet.

Sie sind bereits weltweit bekannt, dabei ist Ihr Album noch nicht einmal erschienen.

Ja, das verdanke ich meiner ersten Single «Iron». Es ist uns gelungen, den Sound zu kreieren, den wir wollten. Es war ein Experiment. Letztlich läuft es immer gleich: Man wird berühmt mit einem Song.

«Iron» wurde vor allem auch zum Hit wegen des spektakulären Musikvideos. Wie wichtig ist die Verbindung zwischen der Musik und dem Visuellen?

Es ist ein Kunstprojekt. Ich versuche, meine Gedanken und Gefühle sowohl durch den Sound als auch durch die Bilder auszudrücken. Mit Woodkid will ich ja eine Geschichte erzählen. Dafür sind die Bilder extrem wichtig.

Welche Rolle spielt Mode? Immerhin spielt Topmodel Agyness Deyn im Video mit?

Ich mag Mode nicht wirklich, aber ich mag Kleider. Das Verhältnis zwischen ihnen und dem Körper hat mich immer fasziniert und inspirierend gewirkt. Aber klar: In Paris bin viel von Leuten aus der Fashion-Szene umgegeben.

Sie arbeiten viel mit Symbolen. Was bedeuten zum Beispiel Ihre zwei tätowierten Schlüssel, die auch im Videoclip auftauchen?

Das Woodkid-Projekt hat viel Symbolik. Ich finde es gut, wenn die Leute ihre eigene Bedeutung dazu finden. Deshalb mag ich keine Hollywood-Filme: Es wird immer alles erklärt.

Ihre Musik ist sehr episch. Sie sagten mal, dass sie bewirken soll, dass sich die Leute beim Hören stärker fühlen.

Absolut. Musik hat eine so grosse Wirkung auf die Emotionen. Dass man sich stärker fühlt, kann nur sie.

Wird die Show heute Abend in der Kaserne Basel genauso explosiv wie Ihre berühmten Musikclips?

Die Möglichkeiten bei einem Videoclip sind natürlich ganz anders. Aber wir werden zwölf Leute auf der Bühne sein und wir haben eine Lichtshow. Wir werden definitiv versuchen, visuell einen starken Eindruck zu hinterlassen.

Es wird Ihre erste Schweizer Show. Waren Sie überhaupt schon mal hier?

Ja, mit meinem Vater als Kind. Sonst eigentlich nicht. Ich weiss gar nicht, was man über das Schweizer Publikum sagt. Ist es mehr laut oder eher mild? Man sagt ja, dass Schweizer eher milde seien.

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