Nabucco

Oper in ungewohnter Umgebung

Oper in ungewohnter Umgebung

Oper in ungewohnter Umgebung

Beim Sommer-Open-Air im buddhistischen Zentrum in Gretzenbach führte der berühmte Gefangenenchor unter freiem Himmel Nabucco auf. Die Verdi-Freunde liessen sich durch die widrigen Wetterverhältnisse nicht beeinflussen und genossen die unwiderstehliche Melodien.

Kurt Heckendorn

Der still vor sich hin dampfende Kühlturm des AKW Gösgen, Hochspannungsleitungen, ruhig grasende Schafe und der buddhistische Tempel bildeten den äusseren, so gegensätzlichen Rahmen für eine Aufführung von Giuseppe Verdis erstem grossen Opernerfolg. Weder verspätet abgefeuerte 1.-August-Raketen noch hupende Autos schienen das erwartungsvolle Publikum zu stören. Nicht einmal das pünktlich einsetzende 20-Uhr-Geläut der nahen Kirchenglocken vermochte von der Ouvertüre gross abzulenken.

Natürlich hätte man sich eine etwas grössere Streicherbesetzung gewünscht, denn die Verstärkung der Klänge – und vor allem die Beimischung von allzu viel Hall – war zumindest am Anfang überraschend. Eine vernünftige Balance zwischen den Instrumentengruppen war für den sonst geschickt koordinierenden Dirigenten nur schwer zu erreichen. Aber bald hatten sich die Ohren an das ungewohnte Klangbild gewöhnt und so konnte man ihm durchaus auch einen gewissen Reiz abgewinnen.

Beschränkter Platz

Das Orchester der Schlesischen Staatsoper Bytom musizierte in einem Zelt neben dem einfach ausgestatteten Bühnenraum. Durch eine abwechslungsreiche Lichtregie wurden die unterschiedlichen Orte der Handlung stimmungsvoll angedeutet. Möglichkeiten für eine sinnvolle Regie waren jedoch bei den beschränkten Platzverhältnissen nur wenige gegeben. Die Arbeit des Regisseurs Lech Hellwig-Górzynski beschränkte sich in der Folge weitgehend auf die Organisation ungestörter Auftritte und Abgänge; Chor und Solisten agierten mit den üblichen konventionellen Operngesten und trafen sich zum Singen immer wieder an der Rampe. Der rund 20-köpfige Chor überraschte immer wieder mit präzisen Einsätzen und rhythmisch prägnantem Singen.

Stimmgewaltiger Nabucco

Am meisten Applaus erhielt die unvergleichliche Chor-Arie «Va, pensiero, sull’ali dorate». Aber auch die Männerstimmen hätten für ihre grosse Szene mit Nabucco in «Porta fatal, oh t’aprirai» ein spezielles Lob verdient. Von den Sängern gefiel vor allem Andrij Shkurhan in der Titelrolle. Eindrücklich, mit markigem Bariton, vorbildlicher Diktion – jedes Wort war zu verstehen – und imposant in der Erscheinung gestaltete er einen Nabucco, der vor allem als gewalttätiger Despot überzeugte. Jedoch fehlten ihm etwas die innigen Töne für den gebrochenen Herrscher. Mit grossem Atem gestaltete er hingegen wieder seine grosse Szene zu Beginn des vierten Teils. Gerne würde man diesem Sänger einmal in einer Aufführung ohne zusätzliche Verstärkung begegnen.

Hohepriester überzeugt

Mit prachtvollen Basstönen vermochte auch der Hohepriester Zaccaria von Damien Konie-czeck zu gefallen, zumal er auch die extrem hoch liegenden Passagen mit viel Geschick meisterte und in der Arie «Del futuro nel buio discerno» mit schönen Legatolinien überraschte. Dagegen wirkte der Isamele von Maciej Komandera verhalten. Seine Stimme tönte in den hohen Lagen recht angestrengt und klang wenig frei.

Trotz wiederholt einsetzendem Regen harrten die Opernfreunde bis zum tragischen Ende aus und spendeten den weit gereisten Interpreten begeisterten Beifall. Die Aufführung in Gretzenbach war zwischen Gastspielen in Tübingen (D) und Brig angesetzt. Den Applaus verdankte der Chor mit der Wiederholung des «Va, pensiero!»- Chores.

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