Comedy

Peach Weber steht seit 40 Jahren auf der Bühne: «Ich kann gar nichts anderes»

Komiker Peach Weber feiert sein 40-Jahr-Bühnenjubiläum und geht mit dem neuen Programm «iPeach» auf Tour.

Peach Weber erhält bald die AHV. Er könnte schon lange aufhören, aber sein Komiker-Dasein macht ihm zu viel Freude. Deshalb macht er einfach weiter. «Im Rahmen der natürlichen Verwesung geht es mir gut», sagt er und hofft, dass es einfach in diesem Rhythmus weitergeht. Bis zum grossen Abschluss im Hallenstadion 2027.

Welches ist Ihr Lieblings-Gag aus 40 Jahren Bühnenkarriere?

Peach Weber: In 15 Programmen habe ich mehrere tausend Gags geschrieben. Da ist es fast unmöglich, das zu sagen. Aber es gibt schon Gags oder Wortspiele, die in Erinnerung geblieben sind. Wie zum Beispiel mein Weihnachtslied «O stille mich, du Fröhliche».

Haben Sie nie Gags wiederholt?

Nein, ein neues Programm von mir ist immer zu hundert Prozent neu. Das Problem ist, dass ich immer alles vergesse. Da kann es tatsächlich sein, dass ich, ohne es zu merken, einen Gag einbaue, den ich vor Jahren schon mal gebracht habe. Es ist möglich, dass ich unbewusst von mir selbst geklaut habe.

Und Gags von anderen Komikern. Wurde Ihnen schon mal Gag-Diebstahl vorgeworfen?

Nein, das gibt es in diesem Genre nicht. Ich lebe im Paradies, in einem rechtsfreien Raum. Witze kann man nicht schützen, einen Gag erst recht nicht. Jeder kann von mir klauen, umgekehrt geniesse ich es, dass ich mich im Gag-Universum bedienen kann.

Sie werden am 14. Oktober 65 Jahre alt und sind so etwas wie der Doyen des Schweizer Humors.

Sie meinen wohl Saurier. Der Doyen der Schweizer Komiker ist Emil.

Stimmt, aber haben Sie nicht das Gefühl, dass Respekt und Anerkennung Ihnen gegenüber mit den Jahren gewachsen sind?

Das kann ich selber schlecht beurteilen, ist auch völlig wurscht. In der Unterhaltung gibt es nur einen legitimen Kritiker, und das ist das Publikum, das dafür bezahlt hat. Sicher nicht irgendwelche Journalistenkritiker.

Haben Sie etwas gegen Kritiker?

Es gibt eigentlich keine Humorkritiker. Es gibt zwar Leute, die eine Wertung machen wollen. Ein jämmerliches Unterfangen. Und es gibt sogar Komiker, die ihren Humor als etwas Besseres darstellen und abgrenzen wollen.

Da kann ich nur lachen. Humor ist Geschmackssache, und im Grunde genommen sind wir alle einfach Pausenclowns, der eine macht den Blocher nach, der andere macht politisches Kabarett. Ich habe Respekt vor jedem, der einen Saal mit 500 Leuten zum Lachen bringt, auch wenn mir sein Humor nicht gefällt.

War die Differenz zwischen der Bühnenfigur und der Privatperson Peach Weber nie ein Problem?

Nein, mein Publikum hatte diese Differenz stets verstanden. Es ist viel intelligenter als die Pseudo-Intellektuellen.

Was war das prägendste, das schönste Erlebnis in Ihrer Karriere?

Das schönste, prägendste Erlebnis in meinem Leben war die Geburt meiner Tochter. Im Vergleich dazu relativiert sich alles, was ich in meiner Bühnenkarriere erlebt habe. Natürlich ist es schön, wenn man den Prix Walo gewinnt, aber die kleinen Dinge waren für mich viel berührender.

Zum Beispiel, wenn mir Eltern berichten, dass ihre Kinder nur mit einer Kassette von Peach Weber einschlafen können. Erst recht, wenn jemand erzählt, dass ihm meine Gags im Spital geholfen haben, optimistisch zu bleiben und wieder auf die Beine zu kommen.

Sie hatten sicher auch Krisen.

Eine echte Krise hatte ich 1990, als ich auf der Bühne plötzlich nicht mehr weiterwusste. Nach zehn Minuten vergass ich den zweiten Teil eines Satzes. Für das Publikum war das zuerst lustig. Sie dachten, das müsse so sein. Als es nicht besser wurde, stand ich auf und erklärte, dass ich aufhören müsse.

Doch die Leute haben nur gelacht und geklatscht, sie dachten, das gehöre zum Programm. Dann ging die Theaterleiterin im Kleintheater Luzern auf die Bühne und informierte das Publikum: Doch die Leute blieben einfach sitzen. Das ist bei mir offenbar so: Selbst wenn ich tot vom Sitz fallen würde, gingen die Leute wohl zuerst von einem Witz aus.

War es ein Burnout?

Man konnte nicht genau sagen, was es war. Man vermutete ein kleines Blutgerinnsel im Sprachzentrum, das von allein wieder verschwand. Ich machte eine einjährige Pause, in der ich mir ernsthaft überlegte, ob ich aufhören solle. Ich habe mich zum Weitermachen entschlossen, aber in einem reduzierten, gemächlicheren Tempo.

Haben Sie es eigentlich je in Deutschland versucht?

Am Anfang meiner Karriere war ich bei Didi Hallervorden in Berlin und bei der Münchner Lach- und Schiessgesellschaft. Es war ein Erfolg, wie auch ein Auftritt bei «Wetten, dass …?», damals noch mit Frank Elstner in Basel.

Aber ich hatte kein hochdeutsches Programm und wusste: Wenn ich ausserhalb der Schweiz Fuss fassen will, muss ich mindestens ein Jahr durch Deutschland tingeln. Das wollte ich nicht. Die Distanzen waren mir zu gross und die Ticketpreise im Vergleich zur Schweiz viel tiefer. Die Deutschschweiz ist einer der besten Märkte für das, was ich mache. Dazu bin ich einer, der gern nach Hause kommt und zuhause übernachtet.

Wie hat sich Ihr Humor im Lauf der Zeit verändert?

Nicht gross. Never change a running system. Ich kann gar nichts anderes.

Gibt es in Ihrem neuen Programm einen thematischen Schwerpunkt?

Nein, gibt es nicht. Das Programm heisst zwar iPeach, es hat aber nicht mehr iPhone-Witze als sonst. Wie immer springe ich von einem Thema zum anderen. Es ist das bewährte Peach-Muster: Gag an Gag. Ich behaupte ja immer noch, dass ich die höchste Gag-Dichte biete. Bis jetzt konnte mir niemand das Gegenteil beweisen.

Und Donald Trump? Kriegt der sein Fett ab?

Der ist schon so abgewetzt, dass ich solche Gags vermeide. Wenn ich ihn einbauen würde, wäre das schon zu viel der Ehre für diesen Armleuchter.

Bauen Sie aktuelle Ereignisse wie zum Beispiel den «Fall Jonas Fricker» in Ihr Programm ein?

Das Problem von Jonas Fricker ist ja, dass ihn vorher fast niemand gekannt hat und spätestens in sieben Tagen völlig vergessen ist.

Ihre Programme sind nicht politisch, umso mehr Ihre Kolumnen. Wieso diese Trennung?

Ich habe hohen Respekt vor politischem Kabarett. Ich glaube aber, dass politische Witze in meinem Gag-Programm nur verwirren würden. Deshalb vermeide ich eine Vermischung. Aber ich bin ein politischer Mensch und nehme zu politischen Dingen gern Stellung.

In Ihren Kolumnen nehmen Sie gern die SVP ins Visier.

Nein, höchst selten. Wenn überhaupt, nur einzelne Figuren. Ich bin sogar der Meinung, dass die SVP die wichtigste Partei der letzten 20 Jahre ist. Sie hat Themen auf den Tisch gebracht, die andere verschwiegen haben. Hätte sie das nicht gemacht, hätte es einen «Chlapf» gegeben.

Dann hätten wir eine Schweizer Version der AfD?

Ja, oder einfach etwas Schlimmeres als die SVP. Das Problem der SVP ist, dass in der Folge ihres Erfolgs zum Teil unsägliche Figuren wie Mörgeli zu Wortführern wurden, eine Witzfigur, die man in einem normalen Arbeitsprozess nirgends brauchen könnte. Ich kritisiere gewisse Exponenten der SVP, nicht aber die Partei.

Insofern finde ich die SP viel schlimmer, denn sie hat den Erfolg der SVP erst ermöglicht, weil sie jahrelang Probleme totgeschwiegen hat.

Am 15.10.2027 geben Sie Ihre Abschlussvorstellung im Hallenstadion Zürich. Die Abendvorstellung ist schon ausverkauft. Wie steht es mit dem Nachmittagsauftritt?

Am Abend haben wir 9500 Tickets verkauft und am Nachmittag auch schon 2000. Ich bin überzeugt, dass wir auch den Nachmittag vollkriegen.

Dann haben Sie zehn Jahre vor dem Auftritt schon fast eine halbe Million auf der hohen Kante. Eine Art zweite Säule für den Neo-Rentner Peach Weber?

Überhaupt nicht. Es ist ja ein Benefizauftritt. Ich verdiene dabei keinen Rappen. Dazu kommen Miete und Technik für rund 200 000 Franken. Einen Zugriff auf das Geld habe ich nicht, weil es auf einem Sperrkonto von Ticketcorner liegt. Wenn der Event nicht durchgeführt werden könnte, müssten die Eintrittspreise zurückerstattet werden.

Eine Benefizveranstaltung zugunsten von wem?

Das weiss ich noch nicht. Meine Idee ist: Auf der Bühne würde ich die Leute bitten, noch freiwillig ein Zehner- oder Zwanzigernötli zu spenden. Damit könnte ich dann einen Check mit einer fetten sechsstelligen Zahl darauf übergeben. Das wäre wirklich ein genialer Abschluss meiner Karriere. Dann wäre es mir auch gleich, wenn ich einen Herzinfarkt hätte. Denn steigern könnte man so etwas nicht.

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