Auffahrtsumritt Beromünster.
Reiter und Fussgänger pilgern an Wallfahrtsort

Jedes Jahr strömen Tausende Besucher und Pilger zur farbenfrohen «Möischterer Uffert». Auch das Museum Haus zum Dolder widmet seine Sonderausstellung dem 500 Jahre Auffahrtsumritt Beromünster.

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Aargauer Zeitung

Barbara Vogt

Heute noch sei der Auffahrtsumritt ein faszinierender Anlass, schwärmt Helene Büchler, Museumsleiterin des Hauses zum Dolder Beromünster. Die Prozession habe auch in ihrer Familie Tradition, «gemeinsam besuchen wir den Umritt. An diesem Tag nehme ich sogar den Rosenkranz hervor und bete.»

Der Auffahrtsumritt Beromünster ist ein 500 Jahre alter Brauchtum, der farbenfrohe Folklore, vor allem aber tief verwurzelte Volksfrömmigkeit und gelebte Religiosität vereint. Der Umritt war ursprünglich ein so genannter Bannritt, eine religiöse Weihe der Grenze der Pfarrei. Das Volk betete im Beisein von Kirchenräten, Kreuz- und Fahnenträgern um das gute Gedeihen der Feldfrüchte, um Glück in der Familie.

Christenfigur wird aufgezogen

Die bescheidene Wallfahrt wurde im Verlauf der Zeit festlicher, dekorative und malerische Elemente fanden Eingang. So bestand die musikalische Begleitung aus zwei Trompetern, die heutige Reitermusik entstand im vorletzten Jahrhundert. Ein alter Brauch seien der Aufzug der Christenfigur in der Stiftskirche Beromünster und das Herablassen eines Taubenbildes mit Kerzen. «Damit wurde dem Volk die Auffahrt Christi versinnbildlicht. Nicht alle Leute konnten damals lesen», erklärt Helene Büchler.

Heute begeben sich Tausende Besucher frühmorgens auf die lan-ge Prozession. 200 Pferde begleiten den eindrücklichen Tross, dahinter steckt eine generalstabsmässige Organisation. Für viele der bunt gekleideten Geistlichen sei dies der einzige Tag im Jahr, an dem sie sich auf ein Pferd setzten, erzählt Büchler schmunzelnd. Eindrücklich sei der Einzug in den Flecken, das Zentrum von Beromünster.

Liturgische Gegenstände

Das Haus zum Dolder richtet seine Sonderausstellung auf das Jubiläum «500 Jahre Auffahrtsumritt Beromünster» aus. Nicht zuletzt, weil die früheren Bewohner, die Arzt- und Sammlerfamilie Müller-Dolder, sehr mit dem Umritt verbunden waren. Dr. Edmund Müller junior nahm während Jahrzehnten, bekleidet mit dem Mantel eines Ritters vom Heiligen Grab, an der Prozession teil. «Seine Todesstunde 1976 fiel genau mit dem nachmittäglichen Abschluss des Umritts statt», weiss die Museumsleiterin.

Im Monat Mai zeigt das Haus zum Dolder wertvolle liturgische Gegenstände der Prozession: bunte Gewänder, Kreuze, Fahnen, Bilder. An der Auffahrt ist das Museum geschlossen, betont Büchler. «Dann brauchen wir die Gegenstände.» Gleichzeitig hat das Haus zum Dolder die Festschrift «Uffert. 500 Jahre Auffahrtsumritt Beromünster» herausgegeben. Die bebilderten Beiträge beinhalten Dokumente aus dem Blickfeld der Theologie, der Volkskunde, der Geschichte und der Kunstgeschichte.