Langenthal

Siedlungsumrisse sind sichtbar

Erfolgreiche Suche: Grabungsleiter Urs Liechti und sein Team haben Bruchstücke eines Brunnens gefunden. (Bild: Felix Gerber)

Ausgrabungen

Erfolgreiche Suche: Grabungsleiter Urs Liechti und sein Team haben Bruchstücke eines Brunnens gefunden. (Bild: Felix Gerber)

Bevor es überbaut wird, forscht der Archäologische Dienst des Kantons Bern auf dem Wuhrareal. Und die Gräber haben bereits etwas entdeckt: Gruben.

Jana Fehrensen

Ein grosses weisses Zelt im hinteren Bereich des Wuhrplatzes zieht die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. In naher Zukunft sollen hier neue Wohnungen und Büros entstehen. Doch noch ist es nicht so weit: Noch wird das Gelände vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern untersucht. «Das ist unser gesetzlicher Auftrag», sagt Urs Liechti, Grabungsleiter auf dem Wuhrareal. «Wir müssen die archäologischen Denkmäler durch Schutzmassnahmen vor der Zerstörung bewahren, oder - wo dies wie hier nicht möglich ist - sie umfassend erforschen, dokumentieren und publizieren.»

Mit Staubsauger und Pickel

Obwohl die eigentlichen Ausgrabungsarbeiten erst im August angefangen haben, laufen die Vorbereitungsarbeiten für dieses Projekt bereits seit längerer Zeit. Zunächst galt es, den rechtlichen Weg zu beschreiten und den Grabungsbedarf anzumelden. Im Fall des Wuhrareals war vermutet worden, dass es archäologisches Material geben wird. Erste Sondierungen bestätigten dies. Weitere Sondierungen wurden nötig, um die Grösse des Geländes sowie den Arbeitsaufwand richtig abzuschätzen.

Beim Wuhrplatz beträgt die Ausgrabungsfläche etwa 6000 Quadratmeter und gehört damit zu den grösseren Ausgrabungsprojekten des Kantons Bern. Parallel dazu versucht der Archäologische Dienst die vorhandenen historischen Quellen auszuwerten. Dazu gehören schriftliche Quellen, alte Fotos und alte Stadtpläne - sie alle liefern wichtige Daten, die die Arbeit der Archäologen unterstützen. Die archäologisch interessanten Schichten liegen auf dem Wuhrareal recht tief, bis eineinhalb Meter unter dem heutigen Bodenniveau. «Das könnte etwas mit der Langete zu tun haben, aber sicher ist das noch nicht», sagt Liechti vorsichtig. Nach dem die oberen Bodenschichten durch Bagger abgetragen wurden, arbeiten nun die Archäologen an der ersten archäologischen Schicht. Zuerst mit Schaufel und Pickel, dann mit Staubsauger und Kelle - so wie man es aus dem Fernsehen kennt.

Spuren führen zum Parkplatz

Die am häufigsten gestellte Frage der Passanten sei: «Habt ihr schon etwas gefunden», sagt Liechti und schmunzelt. Es ist die am leichtesten zu beantwortende Frage, denn: Niemand eröffnet eine Ausgrabungsstelle planlos, nur auf Zufall und Glück hoffend. «Wir sind hier, weil wir etwas gefunden haben», sagt Liechti. Doch so bald die Frage nach dem «Was» kommt, wird es mit den Antworten schwieriger. Vieles wird erst aus dem Zusammenhang ersichtlich. «Wenn es manchmal für die Öffentlichkeit auch ärgerlich ist, die Archäologen sind sehr vorsichtig bei einer vorschnellen Interpretation des Gefundenen.» Sicher ist laut Urs Liechti: «Die Ausgrabungsfläche weist Siedlungsspuren auf, die in Richtung Parkplatz immer intensiver werden.» Auf der gesamten Fläche gibt es sowohl Funde als auch Befunde. Bislang wurden auf dem Wuhrareal vier grössere Gruben ausgegraben und dokumentiert. Leider ist aufgrund des Ausgegrabenen eine abschliessende Interpretation noch nicht möglich. Es könnten sowohl Vorrats- oder aber Werkgruben sein.

Mehrere dunkle Flecken im Erdreich weisen auf weitere Befunde, Gruben und Pfostenlöcher hin. Als spannend könnte sich auch der gefundene Brunnen erweisen. Zunächst wird stratografisch sein Zusammenhang mit den archäologischen Schichten abgeklärt, danach wird entschieden, ob auch seine Verfüllung untersucht wird. Aber auch an Kleinfunden mangelt es in Langenthal nicht. Die grösste Gruppe bildet sicherlich die Keramik und Baukeramik, darunter auch einige Fragmente von römischen Ziegeln. Es gibt aber auch Metallbruchstücke und Tierknochen.

«Es gibt neue Erkenntnisse»

Angesprochen auf die Datierung gibt sich Liechti erneut vorsichtig: Es sei noch zu früh, darüber zu sprechen. Erst die Gesamtauswertung könne Annahmen bestätigen oder widerlegen. Die Ausgrabungen werden noch bis im Frühling 2010 dauern, danach beginnt die Auswertungsarbeit. Ob es viele neue Erkenntnisse zu der Geschichte Langenthals gibt? «Es wird sicherlich neue Erkenntnisse geben und einige offene Fragen beantworten. Doch mindestens genau so viele neue Fragen zu der Geschichte Langenthals werden durch die Grabungsarbeiten aufgeworfen», sagt Liechti und kehrt auf die Ausgrabungsstelle zurück. Dort, wo im Boden Zeugnisse unseres kulturellen Erbes schlummern und darauf warten, von den Archäologen ans Tageslicht gebracht zu werden.

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