Fall Gurlitt

So kommt Kornfelds Rolle in der Gurlitt-Affäre ans Licht

Eberhard W. Kornfeld. Kenneth Nars

Eberhard W. Kornfeld. Kenneth Nars

Sie hatten jahrelang eine Geschäftsbeziehung: Sammler Cornelius Gurlitt und Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld. Mit einem «Focus"-Artikel nahm alles seinen Lauf.

Alles beginnt mit einem Anruf. Anfang November 2013 meldet sich ein Journalist in der Galerie Kornfeld. «Sagt Ihnen der Name Cornelius Gurlitt etwas?» Eberhard W. Kornfeld bejaht die Frage. «Hatten Sie geschäftliche Kontakte mit ihm?» – «Ja», sagt Kornfeld. Der Journalist bedankt sich, und das Gespräch ist beendet.

Tage danach kommt alles ins Rollen. Mit einem Foto. Und einem einzigen Satz, veröffentlicht im deutschen Magazin «Focus» am 4. November. Von Cornelius Gurlitt ist da die Rede, der 2010 von Zollfahndern mit 9000 Euro im Eurocity abgefangen worden ist. «Er nennt die Galerie Kornfeld in Bern als Reiseziel», heisst es im Einstieg des Artikels, der sich über elf Seiten zieht. Ein Foto, nicht eben klein, zeigt den Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld. Ein Bild, das vieles verändert. Kornfeld hat den Magazinbeitrag bis heute aufbewahrt. Als Dokument einer medialen Ursünde.

Der «Focus»-Artikel beendet die Schattenexistenz Gurlitts auf einen Schlag. Und auch Kornfeld steht plötzlich im Mittelpunkt. Er reagiert mit einer Mitteilung: «Gurlitts Aussage gegenüber den Zollbehörden, das Geld stamme aus geschäftlichen Kontakten mit der Galerie Kornfeld in Bern von 2010, stimmt nicht.» Die letzten geschäftlichen Kontakte gingen auf 1990 zurück, so Kornfeld. Damals habe Gurlitt in einer Auktion Arbeiten auf Papier verkauft, die «wohl aus dem Bestand der von der Reichskammer für Kunst 1937 in deutschen Museen beschlagnahmten ‹entarteten Kunst›» stammten.

Das Wort «wohl» lässt aufhorchen. Man fragt sich: Wie sicher ist sich der Berner Kunsthändler in dieser Sache?

Kornfeld beginnt zu schweigen – fast. Ein Interview mit dieser Zeitung wird kurzfristig zurückgezogen und bleibt unveröffentlicht. Dafür erscheint in der «NZZ» ein langer Beitrag von ihm. Titel: «Eine Medienhysterie von seltenem Ausmass». Es ist eine Medienschelte. Aber nicht nur. Kornfeld spricht über die «Janusfigur» Hildebrand Gurlitt. Und er sagt: «Jeder Fall von ‹Raubkunst› oder Zwangsverkauf aus jüdischem Besitz ist einzeln auszuleuchten.» Erleuchtende Fakten in eigener Sache aber legt Kornfeld nie auf den Tisch. Dafür sprechen nun die Dokumente. Geschäftsunterlagen, die in Gurlitts Salzburger Haus gefunden wurden.

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