Theater

Tri, tra, trallala: «Chasperli» Jörg Schneider wird heute 80 Jahre alt

Jörg Schneider (l.) im Jahr 1985 als ausgekochter Bigamist mit Paul Bühlmann im Stück «Liebe macht erfinderisch» im Zürcher Bernhard-Theater.

Jörg Schneider (l.) im Jahr 1985 als ausgekochter Bigamist mit Paul Bühlmann im Stück «Liebe macht erfinderisch» im Zürcher Bernhard-Theater.

Über ein halbes Jahrhundert lang hat Jörg Schneider das Publikum reich beschenkt. Nun wird der Schauspieler 80 Jahre alt. Ein Dankesbrief.

Zu seinem 75. Geburtstag hatte er sich, an der Seite des um drei Jahre älteren Vincenzo Biagi, die Rolle des Armin Stämpfli in «Scho wieder Sunntig» geschenkt: Als geistig wendiger Charmeur und schlagfertiges Ekelpaket hielt er in der bittersüssen Komödie die Belegschaft und Mitbewohner einer Seniorenresidenz auf Trab.

Als ausgekochter Bigamist hatte er im Jänner 1985 im Lustspiel «Liebe macht erfinderisch» die Zuschauer im Zürcher Bernhard-Theater, das damals nach vierjährigem Umbau in neuem Glanz erstrahlte, entzückt: Einmal mehr hatte Jörg Schneider also einen runden – damals seinen 50. – Geburtstag auf der Bühne gefeiert. Wo denn sonst?

Jörg Schneider spricht im «TalkTäglich» über seinen Alltag und die Dreharbeiten zum Kinofilm «Usfahrt Oerlike»

«Es geht mir nicht gut, aber ich kämpfe»: Jörg Schneider spricht im «TalkTäglich» über seinen Alltag und darüber, wie er seinen Geburtstag verbringen will.

Überfälliges Dankeschön

Tragischerweise ist es ihm nicht vergönnt, an seinem 80. morgen Samstag auf der Bühne zu stehen. Das ist schmerzlich – auch für uns, sein Publikum. Gleichzeitig aber ist von uns zu seinem grossen runden Geburtstag ein riesengrosses Dankeschön überfällig! 

 

Die Liebe von Jörg Schneider zu Märchen hat sich eins zu eins übertragen auf die kleinen und grossen Besucher, egal, ob er selber auf der Bühne stand, inszeniert oder ein Stück wortwörtlich mundgerecht auf hiesige Verhältnisse übertragen hatte.

Seine Dialektbearbeitungen sind kleine Kunstwerke – farbig, spannend, zum Fürchten ebenso wie zum Giggele, egal ob die Vorlage von Otfried Preussler, Astrid Lindgren oder den Brüdern Grimm stammt. Nicht zu vergessen die wunderbaren Kindermusicals aus seiner eigenen Feder, in denen Schneider eine echte, für Kinder wie für Erwachsene gültige «Moral» vermittelt, ohne moralinsauer oder aufdringlich zu wirken.

Jörg Schneider als Kasperli zum Lose: «Die beide Räuber Joggel und Toggel»

Jörg Schneider als Chasperli zum Lose: «Die beide Räuber Joggel und Toggel»

In «Zauber, Zirkus, Zuckerhut» etwa siegt die mit List gepaarte Güte des Protagonisten (samt dem Bananen schnabulierenden Hund) über die perfide Arglist des Gegenspielers, der meint, sich mit Geld alles kaufen zu können. Oder in der «Zauberorgel», in der die geduldig durchhaltende und heilende Musik über Geldgier triumphiert und Freundschaft über gar so manche Klippen hinweg hilft: «Wie schön, wänn Fründ hesch, wo uf sie baue chasch. Wie schön, wänn Fründ hesch, wo du vertraue chasch.»

Der erkrankte Volksschauspieler Jörg Schneider ist an den Solothurner Filmtagen zur Premiere seines Films

Der erkrankte Volksschauspieler Jörg Schneider ist an den Solothurner Filmtagen zur Premiere seines Films.

«Unser» Volksschauspieler

Ruedi Walter, an dessen Seite er unter anderem 1981 Publikum und Presse als Wladimir in «Warte uf dr Godot» begeisterte, hatte einmal in einem Interview gesagt: «Ein Volksschauspieler ist ein Schauspieler, der dem Volk gehört. Einer, den das Volk akzeptiert als einen der seinen.» So wie Willy Millowitsch den Kölnern, Heidi Kabel den Hamburgern, Gustl Bayrhammer den Münchnern, so gehört Jörg Schneider uns Deutschschweizern. Er vermittelt uns Identifikation – manchmal zu unserer reinen Freude, manchmal, indem er uns zähneknirschend feststellen lässt, dass wir, ach ja, halt schon gerne nörgeln, schimpfen, schwindeln …

Trailer «Usfahrt Oerlike»

Trailer «Usfahrt Oerlike»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1