Peter Sterk
«Uma Thurman sang für mich»

Als Kind passierte der Badener Kinopatron Peter Sterk auf dem Weg in sein Zimmer täglich den Vorführraum des elterlichen Lichtspieltheaters – die Familie wohnte direkt über dem Kino Sterk am Bahnhof Baden. Heute gilt der 64-jährige Cineast als einer der wichtigsten Förderer des Schweizer Films und des «Event-Kinos».

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Sterk

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Schweiz am Sonntag

Von Barbara Rüfenacht

Der Countdown tickt gleich doppelt. Noch im August läuft im Badener Trafo-Kino einer der meistumstrittenen Filme der Gegenwart an. Der Kultregisseur von «Inglorius Bastards», Quentin Tarantino, machte bereits mit nervenzerreissenden Movies wie «Kill Bill» mit Uma Thurman in der Hauptrolle von sich reden. Sein jüngster Kriegsfilm ist wegen gewalttätiger Szenen für die einen unerträglich, für Tarantino-Fans ein Muss.

«Natürlich überlegen wir uns jedes Mal, ob wir Filme mit brutalem Inhalt vorführen sollen», berichtet der engagierte Kinobetreiber Peter Sterk, der selber rund 10 000 Filme gesehen hat. Andererseits kann sich Baden, das unter den Top Ten der Schweizer Kinostandorte rangiert, eine Filmabsage kaum leisten. «Wir leben mit dem täglichen Druck der Verleiher», ergänzt Tochter Franziska, Nachfolgerin ihrer Tante Sabine Sterk für die Programmation.

Zur Person

Peter Sterk ist 1945 in Baden geboren, wo er heute noch mit seiner Frau lebt und arbeitet. Bereits als Kind kam er mit dem Kinobetrieb seiner Eltern in Berührung und lernte das Metier von der Pike auf. 1965 übernahm er das vom Grossvater gegründete Lichtspieltheater, das er über die Jahre zu einem über die Kantonsgrenze hinaus bekannten Kino-Unternehmen mit 10 Leinwänden ausbaute. Daneben engagierte sich der dreifache Familienvater in verschiedenen Verbänden, Stiftungsräten und politischen Kommissionen auf eidgenössischer Ebene. Er gilt als grosser Förderer des Schweizer Films und ist ein gern gesehener Gast an internationalen Anlässen wie Cannes.

Und schon ist der zweite Countdown in Sicht. «Ende Jahr trete ich die Betriebsleitung definitiv an meine drei Kinder ab», erklärt der Patron. In Locarno ist er dieses Jahr nicht dabei, dafür seine Schwester, die ebenfalls seit Jahrzehnten im Kinogeschäft aktiv ist. Loslassen und vertrauen müsse man, sinniert er und schildert, wie er selber vieles umgekrempelt hat, das ihm sein Vater in den 60er-Jahren anvertraute. «Ich erlebte eine totale Flaute des Lichtspieltheaters und musste umdenken. Weil das neue Medium Fernsehen die Leute in der Stube hielt, sanken die Einnahmen von Eintritten von heute auf morgen um 50 Prozent.» In dieser rauen Startphase kam das sagenhafte Kinotalent des 22-Jährigen zum Tragen: 1969 stellte er in der Bäderstadt den ersten Schweizer Filmball auf die Beine, ein glamouröser gesellschaftlicher Anlass mit grossem Staraufgebot. «Damals konnte man Grössen wie Nadja und Walter Tiller oder Heintje noch mit einer Hotelübernachtung gewinnen.»

Inzwischen sind internationale Schauspieler mit ihrem ganzen Gefolge für Schweizer Filmpremieren unerschwinglich geworden. Zweiter Reanimationsakt des Jungunternehmers vor vier Jahrzehnten war die Einführung des «Filmevents». So servierte er dem Publikum an den ersten «Aargauer Kinowochen» nebst Leckerbissen auf der Leinwand kulinarische Köstlichkeiten und andere Überraschungen. «Ich wollte das Kino wieder ins Gespräch bringen.»

Peter Sterk – in Kürze

Bei meiner Arbeit könnte ich am ehesten verzichten auf . . . gar nichts, meine Arbeit ist gleichzeitig mein Hobby.

Beim meiner Arbeit freut es mich besonders, wenn . . . die Besucher die Kinovorstellung zufrieden verlassen.

Meine Motivation hole ich mir. . . täglich aus meinem spannenden Leben.

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten . . . auf Spaziergängen und bei interessanten Gesprächen im Familien- und Freundeskreis.

Am liebsten esse ich . . . die vielfältigen vorzüglichen Gerichte meiner Frau.

Am liebsten trinke ich . . . Weine aus Sizilien, aber auch Mineralwasser und Bier aus Baden.

Mein Lieblingsfilm ist . . . «Cinema Paradiso», weil mich die Handlung an meine eigene Kindheit erinnert.

Das gelang ihm bald darauf auch mit den schlecht besuchten Schweizer Filmen. In Wettingen führte er eine Woche lang ausschliesslich inländische Filme vor, gleichzeitig lancierte er gemeinsam mit der UBS einen Wettbewerb zur Förderung von einheimischen Amateurfilmen. Noch heute erhält er Dankesschreiben von erfolgreichen Schauspielern und Regisseuren, die er einst mit dem «Prix Objektiv» gefördert hat.

1998 feierte die älteste Schweizer Kinofamilie ihr 100-Jahre-Jubiläum. Mit Freude erlebte die Öffentlichkeit eine Auferstehung des Variété-Theaters aus der Stummfilmzeit. Nebst diversen Darstellern sah man auch die Familie Sterk auf der Bühne. Der engagierte Familienvater hat seiner Jungmannschaft schon früh künstlerische Präsenz abverlangt. «Nur wer selber mit Lampenfieber im Scheinwerferlicht steht, begreift einen Künstler.»

Der umtriebige Patron hat in 44 Jahren aus sechs verstreuten Sälen einen Betrieb mit zehn Leinwänden in drei Häusern und 100 Mitarbeitenden gemacht. «Ohne meine Frau, die seit Jahren an der Kinofront im Einsatz ist, meine Schwester, meine Familie und mein Team hätte ich das nie geschafft», betont er und fügt nachdenklich hinzu, er verstehe sich noch immer als simplen Dienstleister. Jeden Wunsch erfüllt er trotzdem nicht. «3-D-Präsentationen sind ein überflüssiger Gag.» Gäste aus Zürich pilgern dennoch regelmässig in seine Kinos. «Sie schätzen die persönliche Ambiance.» Der Grand Seigneur des Kinos weiss eben, was er will - und was die Filmwelt liebt. Die kühle Uma Thurman etwa liess sich unlängst spontan zu einem Geburtstagsständchen für «Peter from Switzerland» hinreissen.

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