Kulturpreis Baselland

Verdiente Ehre für den Pionier: Niggi Messerli wird für sein Lebenswerk geehrt

Mit dem Baselbieter Kulturpreis geehrt: Niggi Messerli.

Mit dem Baselbieter Kulturpreis geehrt: Niggi Messerli.

Der Kanton Baselland würdigt Niggi Messerli für sein Lebenswerk, das Kulturhaus Palazzo, mit dem grossen Kulturpreis.

Wer Niggi Messerli in seinem Büro im ersten Stock des Palazzo im ehemaligen Postgebäude im Bahnhof Liestal besucht, ist beeindruckt von dem hohen, komplett mit Bildern, Plakaten, Büchern, Fotos, Ordnern und Dokumenten vollgestellten Raum. Vorbeifahrende Züge lassen das ganze Arrangement ab und zu leicht erzittern. Seit über 40 Jahren setzt sich hier der umtriebige «Kultur-Impresario» für das von ihm mitbegründete Kulturhaus ein.

Früher mit Wuschelkopf und Schnauz als Markenzeichen, war Messerli bei den Verhandlungen um das Palazzo stets beteiligt – und blieb dabei meist beharrlich. Zeitweise war das Verhältnis zu den Behörden denn auch von Spannungen geprägt: «Als autonomes Kulturhaus wollten wir uns in Sachen Kunst nicht dreinreden lassen.»

Mit dem Baselbieter Kulturpreis hat nun ein engagierter Aktivist eine verdiente Ehrung erhalten – er freut sich darüber. Mit dem Preisgeld von 25000 Franken will er eine Publikation zum Palazzo, fremde und eigene Kulturprojekte sowie junge Kunst unterstützen.

Eine Umnutzung der ersten Stunde

In Liestal war im Mai 1979 der erste alternative Kulturbetrieb der Schweiz eröffnet worden, und zwar im leerstehenden alten Postgebäude des Bundeshaus-Architekten Hans Wilhelm Auer von 1891/92 – eine Umnutzung der ersten Stunde.

«Wir wollten die Kunst dort stattfinden lassen, wo die Menschen arbeiten und wohnen», sagt Messerli. Mit Zwischennutzungen auf Zeit kann er nichts anfangen, da sei das Ende ja schon besiegelt.

Sein eigenes Projekt blieb denn auch dauerhaft: Mit den Kollegen Niggi Lehmann, Christian Schweizer und Peter Jakob kaufte er das Gebäude von der damaligen PTT ab. Finanzielle und moralische Unterstützung erhielt das Quartett zunächst vom Eidgenössischen Departement des Innern und dem Bundesamt für Kultur, später vom Kanton Baselland und der Stadt Liestal.

Anfänge in der Foto- und Videokunst

Mitbesitzer Messerli kümmerte sich vor allem um die Kunsthalle, organisierte Ausstellungen und zog dabei geschickt auch jüngere Fachleute von aussen bei, so den heutigen ETH-Architekturprofessor Philipp Ursprung und die Migros-Kulturprozent-Chefin Hedy Graber.

Ebenso wie andere Gastkuratoren und -kuratorinnen verstanden sie es, dem Palazzo als Ort zeitgenössischer Kunst einen Namen zu verschaffen, auch über die Region hinaus. «Dieses offene Konzept hatte viele Vorteile, wirkte aber manchmal auch so, als ob wir keine Linie hätten», sagt der Preisträger heute.

Niggi Messerli ist jemand, der offen und zugänglich für neue Ideen ist und keine Mühe hat, sich zurückzunehmen. Selber steht er eher ungern im Rampenlicht. Geboren 1950 in Basel als Jüngster von vier Kindern und aufgewachsen auf dem Jakobsberg, wurde er früh von einem künstlerischen Umfeld beeinflusst: Die Mutter war Glasmalerin, der Vater Kunstmaler und Lehrer an der Gewerbeschule.

Niggi verstand sich nach der Lehre zum Reprofotografen als Foto- und Videokünstler, konnte seine Naturfotos im In- und Ausland ausstellen und versuchte sich an einem Filmprojekt. Auf einer Frankreichreise kam er auf die Idee der Umnutzung der alten Post in Liestal, die ihn sofort «fasziniert und absorbiert» habe.

Der Baselbieter Kulturpreis 2020 für Niggi Messerli markiert ein weiteres Kapitel des Palazzo, dessen Zukunft heute gesichert scheint. Mit dem Kunsthistoriker Michael Babics aus Basel ist ein Nachfolger in der Kunsthalle gefunden, auch die Kulturbetriebe Kino und Theater gehen weiter. Ausbaupläne kommen, wie gewohnt, nur in kleinen Schritten voran.

Ein Herz für Natur, Design und Technik

Noch nicht vollständig geregelt ist das Finanzielle, wenn sich Messerli und die anderen Aktionäre einmal zurückziehen werden. Um ihn mag es mit den Jahren wohl etwas ruhiger geworden sein – aktiv bleibt er noch immer, etwa wegen anstehender Bauprojekte, Renovationen und Einbauten.

Lange hingen in Messerlis Wohnzimmer auf dem Seltisberg zwei grosse, breitformatige Fotos aus seiner Künstlerzeit, die je ein TGV-­Bahn­trassee mit und ohne Hochgeschwindigkeitszug zeigen. Denn nicht nur für die Welt der Kunst und Kultur schlägt sein Herz, sondern auch für Design und Technik, für Architektur und «formschöne italienische Autos».

Nach Frankreich, seinen Landschaften und dem dortigen Savoir-vivre zieht es ihn in seiner freien Zeit oft: aufs Land in die Franche-Comté und nach Cannes zum jährlichen Filmfestival oder für Ausflüge ins Hinterland – zu Fuss oder mit faltbarem Tandem.

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