Lesegewohnheiten

Verleger Krüger möchte einen Staubsauger für schlechte Bücher

"Ein Staubsauger für schlechte Bücher": Michael Krüger (Archiv)

"Ein Staubsauger für schlechte Bücher": Michael Krüger (Archiv)

Der scheidende Chef des Münchner Carl Hanser Verlags, Michael Krüger, hat Leser zu einem kritischeren Umgang mit Literatur ermuntert. «Schlechte Bücher sollten Sie nach zehn Seiten sofort weglegen», riet er am Freitagabend bei einer Lesung in Erlangen.

"Das Leben ist mit 70 oder 80 Jahren zu kurz. Lesen Sie nur gute Bücher", sagte er vor mehreren hundert Literaturfreunden. Der 69-Jährige wird Ende des Jahres die Verlagsleitung abgeben.

Weiter sagte Krüger, wenn es nach ihm ginge, sollte es einen Staubsauger geben, "der sich über die ganze Welt legt und alle schlechten Bücher absaugt. Ich kann mir Bibliotheken vorstellen, wo nur drei Bücher übrig bleiben".

Als Verlagsleiter habe er immer nach Literatur gesucht, "die mich interessiert hat, die wirklich etwas ausdrückt". Auf diese Weise habe er Bücher gefunden, die sich Gott sei Dank auch hätten gut verkaufen lassen.

Krüger räumte ein, dass für einen Verlagsleiter die Zusammenarbeit mit Autoren nicht immer einfach sei. "Es ist nun mal so, dass ein Autor, auch ein grosser, nicht nur Meisterwerke schreiben kann", sagte Krüger. "Das gilt auch für Thomas Mann."

Ein Verlagschef müsse daher auch einem Autor mal klar machen, dass "der Anfang seines Romans grauenhaft ist oder in der Mitte durchhängt", sagte Krüger, der selbst als Lyriker und Schriftsteller von sich Reden gemacht hat. "Autoren brauchen auch einen Sinn fürs Scheitern."

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