Sonderausstellung

Wann ist ein Mann ein Mann, ist die Frage im Antikenmuseum

Eine neue Sonderausstellung im Antikenmuseum widmet sich dem Mann-Sein im antiken Athen und schlägt den Bogen zum Heute. Parallel dazu beleuchtet die Skulpturhalle die antike Männerdomäne Sport. Zu sehen sind hochkarätige Exponate mehrheitlich aus den Beständen des Museums.

Ein Mann zu sein, sei heute nicht einfach, schreibt Museumsdirektor Andrea Bignasca in einer Broschüre, die den Besuchern beim Eintritt abgegeben wird und sie durch die Ausstellung begleitet: Männer würden heute um ihre Identität und Selbstdarstellung ringen und stellten sich Fragen.

Anders im alten Griechenland: Männerideale und -rollen waren ab der Geburt streng und konsequent normiert, Abweichungen hatten keinen Platz, die Strafe wäre Verbannung oder zumindest Mobbing gewesen. Heute dagegen sei die Gesellschaft komplexer und die Debatte offener, doch alte Muster prägten uns immer noch auf subtile Art.

Von der Kindheit bis zum Tod

In der ab Freitag geöffneten und bis Ende März dauernden Ausstellung "Wann ist man ein Mann?" folgen die Besucher einem imaginären Athener des Altertums auf einem beispielhaften Weg von der Kindheit bis zum Tod. Die homoerotische Beziehung zu einem älteren Mann, Trinkgelage, religiöse Zeremonien, Krieg oder Politik waren normale Stationen einer männlichen Sozialisation.

Beleuchtet wird die - laut dem Museum besonders gut dokumentierte - Zeit des 6. bis 4. Jahrhunderts vor Christus. Zu sehen sind um die 100 Exponate: Vasen, Schalen, Torsi, Teile einer Rüstung, Statuetten und anderes aus den Beständen des Museums. Daneben stellen moderne Gegenstände und Infos den Bezug zur Gegenwart her.

Manches wird durchaus auch mit leichtem Augenzwinkern vermittelt. So findet sich etwa im ersten Raum neben einer Videoproduktion über Männerbilder und anderem gleich auch ein Skelett. Und der kurvige, zuerst nur in einer Rückenansicht zu sehende Torso erweist sich später weder als Frau noch als Mann, sondern als Hermaphrodit.

Sport: Männerdomäne im Altertum

Die Skulpturhalle zeigt derweil in einer grossen Parallelausstellung Gipsabgüsse und antike Originale zum Thema Sport in der Antike; beides spielte im alten Griechenland eine zentrale Rolle im Leben eines Mannes. Neben Originalexponaten aus dem Antikenmuseum sind in der Skulpturhalle auch solche aus einer Privatsammlung zu sehen

Entstanden sind die Ausstellungen nach einer Idee von Kuratorin Ella van der Meijden. Einen Akzent setzt zudem der seit Anfang Jahr als Direktor amtierende Bignasca mit dem Gegenwartsbezug dieser ersten Schau unter seiner Direktion. Zur Ausstellung gehören im übrigen eine Präsentation der niederländischen Fotografin Brigitte Vincken und ein Begleitprogramm samt Boxkampf mit einem Schwergewichts-Profi.

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