Ausstellung

Was den heiligen Antonius mit LSD verbindet

Das Kunstmuseum Basel widmet Albert Hofmann und halluzinogenen Eindrücken einen Raum in seinen «Basel Short Stories»

Das Kunstmuseum Basel erinnert derzeit an Albert Hofmann und dessen bahnbrechende Entdeckung LSD, deren bewusstseinserweiternde Wirkung Musiker und Künstler gleichermassen inspiriert hat. Man denke nur an die Beatles, an Pink Floyd, an Kunstwerke aus der Hippie-Ära.

Im Rahmen der Sonderausstellung «Basel Short Stories» hat das Kunstmuseum dem Chemiker und Mystiker Albert Hofmann, der für Sandoz forschte und in Burg im Leimental lebte, einen Raum gewidmet voller Kunst, die in Verbindung steht mit seiner Entdeckung sowie halluzinogenen Erfahrungen.

Da liegt in einer Vitrine etwa eine handgeschriebene Labornotiz vom 19. April 1943: Albert Hofmann beschreibt die chemische Synthese und nimmt um 16.20 Uhr die gelöste Substanz auf. Um 17 Uhr setzen Schwindel, Sehstörungen und Lähmungen ein. Danach fährt er mit dem Velo nach Hause und erlebt ab 18 Uhr eine «schwerste Krise». Hofmann nahm eine Dosis ein, die bedeutend höher war als notwendig, um die Bewusstseinserweiterung zu erleben.

Alte Meister und LSD

An die Velofahrt erinnert in der Ausstellung eine Tonplastik der Schweizer Künstler Peter Fischli und David Weiss. Sie zeigt einen Mann mit Hut auf einem Fahrrad: «Dr. Hofmann auf dem ersten LSD-Trip.»

Da hängen an der einen Wand Giganten der Pop-Art, Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Den Siebdruck «Ten-foot Flowers» schuf Warhol 1967/68, also zur Blütezeit der Flower-Power-Ära. Diesen hat das Kunstmuseum Kupferstiche gegenübergestellt, etwa von Zeichnungen des Holländers Pieter Bruegel dem Älteren aus dem 16. Jahrhundert: «Der Alchemist» oder «Die Versuchung des hl. Antonius», letztere enthält surrealistische Elemente. «Mir gefällt diese Kombination aus Werken der alten Meister in Verbindung mit LSD als Phänomen der 60er-Jahre», sagt Museumsdirektor Josef Helfenstein bei einem Rundgang.

Alte Meister? LSD wurde doch erst vor 75 Jahren entdeckt! Stimmt. Doch erfährt man hier auf kunstvolle Weise, dass sich die Menschheit schon seit Jahrhunderten mit der Wirkung des Mutterkornpilzes beschäftigt hat. Denn dieser Pilz gedeiht auf Getreideähren, etwa als Parasit auf Roggen. Durch das Dreschen gelangte er früher unbemerkt ins Mehl, und von da in den Brei und in die gebackenen Brote. Verzehrten die Menschen diese, erlitten sie Vergiftungen. Das konnte von Kopfschmerzen über Wahnvorstellungen bis hin zu Atem- oder Herzstillstand und so zum Tod führen.

Vergiftungen als «Gottesstrafe»

Schon im Jahr 922 sollen europaweit 40 000 Menschen einer Mutterkornepidemie zum Opfer gefallen sein. Dass sie an einer Pilzvergiftung litten, war ihnen nicht bewusst. Für sie handelte es sich um eine Krankheit.

«Es gab Epidemien vergleichbar mit der Pest, ganze Regionen litten darunter, die Leute sprachen von einer Gottesstrafe», erzählt Josef Helfenstein. Das Phänomen erhielt einen Namen: «Antoniusfeuer», in Anlehnung an den Heiligen Antonius. Dieser christliche Eremit musste Versuchungen widerstehen und gegen das Böse, gegen Dämonen ankämpfen.

Dieses Ringen inspirierte im Mittelalter viele Künstler zu Werken. Jörg Schweiger etwa schuf 1662 ein Bild, auf dem der heilige Antonius von Monstern umgeben ist, die ihn fest in ihren Fängen halten und auf ihn eindreschen. Was Schweiger 1662 als «Peinigung des heiligen Antonius durch Dämonen» betitelte, könnte man in diesem neuen Umfeld betrachtet auch als Horrortrip oder Psychose bezeichnen.

Erst im 19. Jahrhundert wurde erkannt, dass es sich beim Antoniusfeuer nicht um eine Krankheit, sondern um eine Vergiftung handelte.

Und vor exakt 100 Jahren erforschte der Chemiker Arthur Stoll in den Labors von Sandoz das Potenzial des Mutterkornpilzes, indem er erstmals reines Mutterkornalkaloid isolierte und beschrieb. Sein Arzneistoff Ergotamin kann therapeutisch gegen Migräne eingesetzt werden. Für weit grösseren Furor sorgte aber 25 Jahre später ein Mitarbeiter von Stoll: Doktor Albert Hofmann.

Basel Short Stories Neubau Kunstmuseum. Die Ausstellung ist noch bis 21. Mai zu sehen.

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