Hätte es dieses Buch früher gegeben, Anatomie wäre glatt mein Lieblingsfach geworden. Oder haben Sie schon mal ein Sachbuch gesehen, in dem das zu untersuchende Forschungsobjekt – très chic – ab und zu Beret trägt? Auch sonst ist der Bildband «Anatomie» mit einer gehörigen Portion Humor gezeichnet – und geschnitten. Schliesslich gehört die hohe Kunst des Schneidens so untrennbar zur Anatomie wie der Eiffelturm zu Paris oder das berühmte Tüpfelchen zum i. Es soll ja eine Innenperspektive unseres Lebens ermöglichen. Bloss: Wer an Anatomie denkt, denkt an Skalpell und Gewebeschichten und wohl zuletzt an Scherenschnitte – ausser er oder sie heisst Hélène Druvert.

Die Französin hat sich einen Namen gemacht als Illustratorin und Scherenschnittkünstlerin. Und tatsächlich hat sie für diesen Bildband den menschlichen Körper in Scherenschnitten eingefangen: In filigran durchbrochenen Farbtafeln, die übereinander gelegt den gesamten menschlichen Organismus abbilden. Muskulatur, Verdauungsapparat, Blutkreislauf und Skelett sind genauso vertreten wie Informationen zum jeweiligen Gebiet oder aufklappbare Seiten zu den Themen Sinne oder Fortpflanzung. Ob mit Beret oder ohne, es bleibt nur zu sagen: Chapeau!