Kabarett
Zwei süss-saure Gurkenköniginnen erhalten den Kabarettpreis

Mit bitterbösen Texten und stimmgewaltigen Liedern überzeugt das Satire-Duo Knuth und Tucek ein breites Publikum. Zum Auftakt der 26. Oltner Kabaretttage wurde ihnen am Mittwoch der traditionsreiche Schweizer Kabarettpreis Cornichon überreicht.

Anna Ospelt
Drucken
Teilen
Knuth und Tucek, bewaffnet mit grossen Stimmen, klugen Pointen und Sprachwitz.Hansruedi Aeschbacher/OT

Knuth und Tucek, bewaffnet mit grossen Stimmen, klugen Pointen und Sprachwitz.Hansruedi Aeschbacher/OT

HR.Aeschbacher

Beim Apéro vor Knuth und Tuceks Auftritt und der anschliessenden Preisverleihung können sich die zahlreich eingeladenen Vertreterinnen und Vertreter der Lokalpolitik nicht sicher sein, ob sie wohl auch hochgenommen werden. Doch in «Freiheit – eine göttliche Misere in fünf Akten» kriegen nur die ganz Grossen ihr Fett weg: eine kleine, dicke Politikerin aus Deutschland oder ein Schweizer Verteidigungsminister im Tarnanzug, das angeknabberte Lebkuchenhaus der Europäischen Union oder der CEO einer Grossbank, der seine Rudolf-Steiner-Schulzeit erfolgreich vergessen hat.

Denn: «Wenn die Satire Format haben soll, muss es auch ihr Objekt haben. Richten Sie Ihre Kanonen auf ’höhere’ Ziele!» Diesen Satz des legendären Mitgründers des Kabarett Cornichon, Walter Lesch, zitiert Nicole Knuth, wenn sie den traditionsreichen Preis in den Händen hält.

Die klassische Sängerin Olga Tucek und die Schauspielerin Nicole Knuth haben per Zufall zusammengefunden. 2004 sollte Olga mit ihrem Akkordeon an einem 80. Geburtstag auftreten. Weil ihr das zu langweilig war, nahm sie Nicole Knuth mit, die sie aus der freien Theaterszene kannte. Sie sangen gemeinsam Lieder und merkten sofort, dass sie harmonierten. Also traten sie weiterhin gemeinsam auf und entwickelten langsam ein eigenes Profil.

Mittlerweile haben Knuth und Tucek sieben Programme auf die Bühne gebracht. Das neueste, «Freiheit – eine Misere in fünf Akten», spielten Sie an ihrem Ehrentag in Olten. Vor einem kitschigen Wolkengemälde nehmen die beiden Damen Platz, bewaffnet mit den obligaten Notenständern, Tuceks Akkordeon, ihren gewaltigen Stimmen – und ihren Handys, für den Fall, dass sich allfällige Sponsoren melden sollten. Ein theatraler Kinnhaken zur vermeintlichen Freiheit in der Kleinkunst.

Zuerst treffen wir die Freiheit im Olymp an, wo sie mit ihren Freundinnen Angst, Humor, Kunst und Kleinkunst zusammensitzt und zum Schluss kommt, dass es die Bewohner des Blauen Planeten zu weit treiben. Also beschliesst die Freiheit, sich auf die Erde hinunterzuzoomen. Dort muss sie innert einer Woche erkannt werden, sonst verschwindet sie ganz aus dem Alltag der Menschen. Doch man sieht in ihr nur eine komische Frau mit einem seltsamen Hut. Erkennen kann sie nämlich nur, wer sie nicht besitzt. Auf ihrer Suche nach Erkennern streift die Freiheit durch lichtdurchflutete Reformhäuser, befreit einen Löwen aus dem Zoo, schüttelt dem CEO einer Grossbank die Hand und findet sich auf einer Freiheitsparade wieder. Nirgends wird sie erkannt. Die Fernsehshow «Die grosse Freiheit» in Eritrea ist ihre letzte Hoffnung ...

Knuth und Tucek, diese wunderbar starken Frauen, die es nicht nötig haben, ihr Geschlecht auf der Bühne auszuspielen, überzeugen mit Stimmgewalt, Grandezza und Humor. Ihr Auftritt ist musikalisch grossartig, sprachlich bis ins kleinste Detail perfektioniert, ihre Pointen sind bitterböse und urkomisch. Die Die Spannung lässt während keiner Sekunde nach.

Olten 26. Oltner Kabaretttage, 22. Mai - 1 Juni. www.kabarett.ch

Aktuelle Nachrichten