Orgelmusik
CD-Vernissage mit Andrea Bischoff und Wolfgang Sieber: «Angelis» oder schwebend wie gemalte Engel

Am Samstagabend spielten die Solo Oboistin Andrea Bischoff und der Organist Wolfgang Sieber eine CD-Neuheit, die quasi ein eigenes Genre repräsentiert.

Gerda Neunhoeffer
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Die CD-Vernissage «Angelis» am Samstagabend in der Luzerner Hofkirche hat viele Besucher angelockt. Und was man da zu hören bekam, konnte man nicht nur in der Erinnerung mit nach Hause nehmen, sondern eben auch auf der neuen CD. Wolfgang Sieber hat mit seinen Arrangements für Oboe und Orgel quasi ein neues Genre geschaffen und mit Andrea Bischoff zusammen schwebende Klangfarben gestaltet.

Die Solo-Oboistin des Luzerner Sinfonieorchesters zeigte sich hier ganz persönlich. Nicht nur zu hören, sondern in der Bildübertragung nah zu sehen, mal mit Sieber zusammen, mal alleine. Und wie sie ihre Töne von himmlisch licht über golden warm bis in jazzig-grouvige Klänge ausspielte, war fantastisch. Mystisch der Klang des Englischhorns in Gustav Mahlers Lied «Ich bin der Welt abhandengekommen», irdisch spielerisch die Oboe in Astor Piazzollas berühmtem «Libertango», den Sieber in bisher ungehörter Weise verarbeitet hat.

Boten zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt

In Piazzollas «Ave Maria» schwangen sich die Töne weihevoll in die Höhe, während der Boden unter den tiefen Orgeltönen zu vibrieren schien. Das machte die Verbindung spürbar, die, wie Hans-Ueli Steinemann in der Laudatio sagte, Engel als Boten zwischen unsichtbarer und sichtbarer Welt herstellen. Engeln ist die CD gewidmet, und dass Andrea Bischoff nicht nur betörend Oboe spielt, sondern auch malt, macht die CD sogar optisch zu etwas Besonderem. Bischoffs Engel sind so vielfarbig, vielgestaltig und einzigartig wie ihr Spiel. In vier Sätzen aus Maurice Ravels «Tombeau de Couperin» verbanden sich die Töne von Oboe und Orgel mühelos virtuos, perlend, fröhlich schwebend wie die gemalten Engel. Und Wolfgang Sieber hat mit «Ondreo» ein Stück für Andrea Bischoff geschrieben, das verdeutlicht, wie gut sich die beiden kennen. Da verband sich Tango mit Blues, da klang die Oboe schon mal wie ein Saxofon, da wurden unterschiedliche Szenen in vielfarbigen Tönen «erzählt». Fast erschreckend klang plötzlich Donnergetöse in der Orgel auf, um dann wieder in glitzernder Helligkeit mit der Oboe um die Wette zu leuchten.

CD «Angelis» unter www.sieberspace.ch und www.musikengel.ch

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