Hip-Hop

Der alte Geist wird belebt

Jarobi White und Q-Tip rappen die neuen Songs von A Tribe Called Quest vor einem Poster ihres im März verstorbenen Mitglieds Phife Dawg.Will Heath/NBC/Getty Images

Jarobi White und Q-Tip rappen die neuen Songs von A Tribe Called Quest vor einem Poster ihres im März verstorbenen Mitglieds Phife Dawg.Will Heath/NBC/Getty Images

18 Jahre Funkstille zum Trotz: A Tribe Called Quest bleiben so überraschend wie zu besten Zeiten.

Was sie tun, ist neu. Die Hip-Hop-Crew A Tribe Called Quest aus New York experimentiert Anfang der 1990er-Jahre mit Jazz-Samples, schreibt philosophische, sozialkritische Texte. Man sagt, die Band revolutioniere den Rap.

Mit 26 Jahren Abstand und nach 18 Jahren ohne neues Album der Gruppe darf man festhalten, dass das stimmt. «Bonita Applebum» und «Can I Kick It?» (1990), «Scenario» (1991) oder «Stressed Out» (1996) sind vier von vielen Tribe-Klassikern, die im Club genauso funktionieren wie am Radio. Bis heute.

Es sind aber nicht nur die Jazz-Samples und die einprägsamen Stimmen der Rapper Q-Tip und Phife Dawg, die A Tribe Called Quest stilprägend machen, es sind auch nicht nur die klugen Texte. Da ist noch etwas Grösseres. Immer, wenn man den Herren bei der Arbeit zuhört, denkt man: Okay, jetzt wird es eintönig, okay, jetzt weiss man, was kommt. Und jedes Mal geschieht genau dann etwas Unerwartetes, und es ist spannend, funky und cool. Auch jetzt – wenn man dem neuen, leider letzten Album der Truppe lauscht. «We Got It from Here . . . Thank You 4 Your Service» erscheint ein halbes Jahr nach dem Tod von Phife Dawg. Das Tribe-Gründungsmitglied war im März dieses Jahres 45-jährig an den Folgen seiner Diabetes verstorben. Die Arbeit am Album war da bereits weit fortgeschritten. Und so wird auf der Platte nicht um den verstorbenen Bruder getrauert, sondern der alte Geist belebt.

Beat wie aus einem Videospiel

Q-Tip, Phife Dawg und die hochkarätigen Gäste (Busta Rhymes! Kendrick Lamar! Kanye West! Elton John!) verlieren sich nicht im Versuch, frisch zu klingen. Sie klingen einfach frisch, auf jedem der 16 kleinen Meisterwerke.

Auf «Kids . . .» zum Beispiel, mit André 3000 von Outkast und einem Beat, der auch in ein altes Videospiel passen würde. Oder auf dem wahnwitzigen «Solid Wall of Sound». Oder auf «Black Spasmodic» mit dem schrägen, einlullenden Reggaebeat. In jedem Song geschieht etwas, mit dem man nicht rechnet. Danke für den super Service, kann man da nur sagen.

A Tribe Called Quest: «We Got It from Here . . . Thank You 4 Your Service», Sony.

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