Die Swiss Music Awards sind im Umbruch. Nachdem sie im letzten Jahr von Zürich nach Luzern umgezogen sind, wechselt nun auch die Führung. Der Manager Oliver Rosa, der den Award seit der ersten Ausgabe 2008 leitete, übergibt die Geschäftsleitung in neue Hände. Die veranstaltende Agentur Claim wechselt den Besitzer. Künftig werden die Agenturen Aroma und FS Parker/Activation den wichtigsten Schweizer Musikpreis organisieren. Rosa wird nur noch beratend tätig sein. Umzug und Verkauf, verlässt da der Kapitän etwa noch rechtzeitig das sinkende Schiff? «Sie täuschen sich», sagt Rosa. «Ich habe die Durchführung in Luzern als neues Kapitel der Veranstaltung erlebt.» Der Wechsel sei gut angekommen und ein grosses Stück Arbeit gewesen: «Für mich ist es der ideale Zeitpunkt für die Stabübergabe», so Rosa.

Die Swiss Music Awards hatten auch Gegenwind

Rosa war auch immer das Gesicht des Awards. Und die Swiss Music Awards waren oft etwas dem Gegenwind ausgesetzt. Zu kommerziell, zu branchenhörig und zu dick aufgetragen seien sie. Rosa selber arbeitete lange beim Major-Label Universal und ist heute bei Gadget tätig, dort sind zahlreiche Schweizer Künstler (unter anderem Hecht) unter Vertrag. All diese Verbindungen nährten die Zweifel über die Unabhängigkeit der Swiss Music Awards. Oliver Rosa stellte sich der Kritik aber immer und hielt den Kopf hin. «Ich habe die Aufgabe mit viel Leidenschaft ausgeübt. Da gehört es dazu, öffentlich Verantwortung zu übernehmen», sagt er.

Er machte auch nie einen Hehl daraus, dass auch die Swiss Music Awards mit einem raueren Marktumfeld zu kämpfen haben. Im Hallenstadion betrug das Budget rund 1,5 Millionen Franken. Im letzten Jahr stieg Coop als Hauptsponsor aus – nach nur einem Jahr. Der Sponsoringmarkt ist ausgetrocknet, damit kämpfen auch grössere Musikfestivals. Wohl auch darum erfolgte der Umzug ins günstigere KKL, auch wenn die Macher das offiziell bestreiten. «Der Anlass ist privat finanziert und kostspielig. Die Finanzierung ist Jahr für Jahr herausfordernd, und doch haben wir es jeweils hingekriegt», sagt Rosa. Mit der Finanzierung der Swiss Music Awards habe seine Entscheidung nichts zu tun, sagt er. Natürlich gäbe es rückblickend einiges, was er heute anders machen würde, aber «wenn ich die Relevanz des Formats heute sehe, bin ich glücklich über die Entwicklung und denke, dass wir die Weichen oft richtig gestellt haben».

Wer genau liest, findet aber einige Zeichen, dass der Gegenwind noch nicht ganz abgeflaut ist. «Die 13. SMA finden voraussichtlich am 29. Februar 2020 zum zweiten Mal in Luzern statt», steht in der Pressemitteilung. Ein wichtiger Faktor, um aus dem «Voraussichtlich» ein «Tatsächlich» zu machen, ist, dass das Schweizer Radio und Fernsehen den Event wieder live überträgt. Aus SRF-Kreisen ist zu hören, dass Verhandlungen laufen, es aber alles andere als sicher sei. Auch Rosa lässt sich nicht auf die Äste hinaus: SRF hat sich bei der letzten Durchführung als Co-Producer noch stärker eingebracht und ist im Bereich der Schweizer Musik stark verankert. Ich gehe also davon aus, dass sie die SMA erneut übertragen werden.»

Rosa freue sich jetzt zuerst, dass er über die Wintermonate mehr Zeit für seine Familie habe. Von seiner letzten SMA-Ausgabe besonders in Erinnerung wird ihm der Auftritt von Billie Eilish im KKL bleiben. «Als sie an der Probe im leeren Konzertsaal des KKL zu singen begann, habe ich weiche Knie bekommen», sagt er. Im Fokus seien für ihn aber die jungen Schweizer Musiker und Musikerinnen gestanden: «Die Entwicklung manch junger Talente, die bei den SMA erstmals auftraten oder ausgezeichnet wurden und heute zu den erfolgreichsten Acts der Schweiz gehören, bereitet mir grosse Freude.»