Tanz
Der Mensch erblüht im Tanz

Von Silja Walter inspiriert: «Bolero.Tanz der Feuertaube» wird zum 10-Jahr-Jubiläum von Tanz & Kunst Königsfelden in der Klosterkirche gezeigt.

Elisabeth Feller
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Bolero.Tanz der Feuertaube
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Bolero.Tanz der Feuertaube
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Bolero.Tanz der Feuertaube

Alex Spichale

Maurice Ravels «Bolero» ist viele Male choreografiert worden. Jetzt gesellt sich die neue Version von Brigitta Luisa Merki hinzu. Was zunächst klar erscheint, ist es aber nicht, weil im Titel neben «Bolero» der Zusatz «Tanz der Feuertaube» erscheint – eine Anspielung auf das, was die Choreografin zu ihrer jüngsten Schöpfung inspiriert hat: Gedichte von Silja Walter.

Für Brigitta Luisa Merki ist die Poesie der 2011 verstorbenen Klosterfrau wie eine tänzerische Meditation; «eine erotische Kraft, die für das Leben im Sinne einer Ganzheit steht. Man könnte sagen, dass in Silja Walters Poesie der Mensch im Tanz erblüht.» Im Verbund mit den Rhythmen von Ravels «Bolero» und anderen, nur mit Trommeln und Stäben erbrachten, ist im Rahmen von 10 Jahre Tanz & Kunst Königsfelden nun ein Werk zu entdecken, das Brigitta Luisa Merkis persönlichstes ist. Nicht die Illustration der Gedichte interessiert sie, sondern die Suche nach deren Essenz: das Menschsein. Was führt Menschen zusammen? Der Tanz. Und Musik: armenische und arabische Gesänge sowie Kompositionen von Astor Piazzolla, Eugène Ysaÿe, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Robledo.

Als optische Klammer fungiert das Wandbild («Mural») von Maja Hürst, das die gesamte Höhe der Klosterkirche einnimmt. Obgleich von seiner Dimension her spektakulär anmutend, dominiert es nicht, sondern wirkt im Wechselspiel seiner Farben freudig und nobel. Hürsts «Mural» ist genauso wie die Tanzcompagnie Flamencos en route und das Musikensemble Chaarts (Leitung: Andreas Fleck) gleichwertiger Partner in einer Inszenierung, die Brigitta Luisa Merki auf der Höhe ihrer Kunst zeigt.

Vertrauen auf räumliche Leere

Mehr denn je vertraut sie auf räumliche Leere (es darf auch einmal nichts passieren) und Pausen. Da betreten zum Beispiel drei Tänzerinnen die Szene, raffen ihre gebauschten, roten Kleider – und man hört das Rauschen von Taft. Nur das, doch es ist viel. Mehr noch als bei früheren Produktionen lässt Merki diesmal die Zuschauer teilhaben am Prozess des Erkundens. Zur einleitenden, klagenden Flötenweise passt das zögerliche Erproben des Raums durch die Tänzerinnen und Tänzer. Weiter auffallend: die Position des links und rechts in der Höhe spielenden Chaarts-Ensembles; nur die beiden Flamenco-Gitarristen befinden sich auf der Spielfläche. Was auch immer auf der Spielfläche vor den Augen des Zuschauers ausgebreitet wird: Alles atmet gleichsam Behutsamkeit im Hinblick auf die szenische Entwicklung; selbst die Flamenco-Tänzer scheinen – abgesehen von Eloy Aguilars solistischem Feuerwerk wirbelnder Flamenco-Schuhe – wie auf Zehenspitzen zu gehen. Sogar Ravels «Bolero»-Finale wird in den heftigen Verschiebungen des Ensembles zwar als ekstatisch, aber zugleich verinnerlicht erkennbar.

Jede Geste und jeden Schritt versteht die Choreografin als Zeichen des Respekts vor dem Gegenüber. Hochfahrendes hat keinen Platz, dafür kleinere, anrührende Gesten. Beispielhaft hierfür ist das Lösen einer Tänzerin und eines Tänzers aus der Gruppe. Die beiden halten in einer Mischung aus Scheu und Neugier Zwiesprache –mit fliessenden Bewegungen und Hebefiguren, die betören, weil sie in Kostümen (Carmen Perez Mateos) getanzt werden, deren Farbigkeit wunderbar auf Maja Hürsts Wandbild abgestimmt ist. Auch sie sind Teil einer so sehr vom Hinhören und Miteinander bestimmten, mithin kammermusikalisch-filigranen Inszenierung, die – einige wenige Male ergänzt mit kurzen Texteinwürfen von Silja Walter – auch eine fragende ist.

Klosterkirche Königsfelden, Windisch, Vorstellungen bis 18. Juni, jeweils 21 Uhr; www.tanzundkunst.ch

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