Tanz im Aargau
Brigitta Luisa Merki nimmt mit ihrem Residenzzentrum neuen Anlauf: «Die Pandemie schweisst uns zusammen»

Das Residenzzentrum tanz+ in Baden ist gestartet. Dort wird derzeit die Produktion «Sei Nacht zu mir» für Tanz & Kunst Königsfelden erarbeitet. Brigitta Luisa Merki hat noch grosse Pläne für ihr Zentrum.

Elisabeth Feller
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Zurzeit probt im Residenzzentrum das Ensemble um den Choreografen Remus Sucheanã – dank Tests auch ohne Maske.

Zurzeit probt im Residenzzentrum das Ensemble um den Choreografen Remus Sucheanã – dank Tests auch ohne Maske.

Bild: Alex Spichale

Das grosse Studio im Oederlin-Areal bei Baden kennt die Besucherin seit langem. Hier hatte einst das von Brigitta Luisa Merki gegründete Ensemble Flamencos en route für seine Tourneen geprobt. Doch seit dem vergangenen Januar wird dieses nicht mehr subventioniert (diese Zeitung berichtete). Verwaist sind die Räumlichkeiten deswegen aber nicht.

Wer sie dieser Tage aufsucht, glaubt, die frische Farbe noch immer riechen zu können, obschon sie doch längst getrocknet ist. Das Altbekannte hat sich gewandelt – und ist unter dem Vereinsdach von Tanz & Kunst Königsfelden zum Residenzzentrum tanz+ geworden. Dieses will das professionelle Tanzschaffen und die Vielfalt unterschiedlicher Tanzsparten sowie die Vernetzung und Vermittlung regionaler, nationaler und internationaler Gruppierungen fördern. Brigitta Luisa Merki, die künstlerische Leiterin, erwähnt den langen Atem, den es für dieses interdisziplinäre Projekt brauche. Sie sagt aber auch:

Brigitta Luisa Merki.

Brigitta Luisa Merki.

Severin Bigler / KUL
«Die Residenzen können je nach Bedürfnis ganz unterschiedlich dauern. Wir gehen aber von einer minimalen Dauer von zwei Wochen aus»

Zwar verweigerte das Aargauer Kuratorium die Unterstützung für das neue Projekt von Brigitta Luisa Merki. Dafür bringen Beiträge von Swisslos Aargau sowie von Stiftungen und Privatpersonen das Residenzzentrum nun zum Fliegen.

Die Residenzen arbeiten über die Sparten hinweg

Aktuell werden Künstlerinnen und Künstler gewonnen – das auch mit dem Gästehaus, das als temporäre Bleibe an zentraler Badener Lage lockt. Derzeit liegen 15 Bewerbungen aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich und Spanien vor. Sie entsprechen in ihrer Vielfalt den Anforderungen des Residenzzentrums, das sich spartenübergreifenden Produktionen in Tanz, Musik und Kunst verschrieben hat. Als Beispiel erwähnt Brigitta Luisa Merki das Wiener Vorhaben, das einen Choreografen mit einer Bildenden Künstlerin zusammenführt. «Die Residenzen für professionelle Tanzschaffende sind ein wichtiger Bestandteil und entscheidend für die in- und ausländische Ausstrahlung der ganzjährigen Wirkungsstätte von Tanz & Kunst Königsfelden», betont Merki.

Die erste Gasttruppe ist das Ensemble von Remus Sucheanã

Das Stichwort ist gefallen: Die erste Residenz gilt dem Erarbeiten eines Stücks für das diesjährige Festival Tanz & Kunst Königsfelden. Das internationale Ensemble von zehn Tänzerinnen und Tänzern, «der Jüngste ist keine 20 Jahre alt», steht unter der Leitung des Choreografen Remus Sucheanã. Merki schätzt die Arbeiten des ehemaligen Direktors des Balletts am Rhein in Düsseldorf. Somit ist es kein Zufall, dass der Rumäne die dreimonatige Residenz mit seinem im Oederlin-Studio entwickelten Stück «Sei Nacht zu mir» bestreiten darf. Von Ende Mai bis Ende Juni soll die auf nächtlicher Liebeslyrik beruhende Kreation in der Klosterkirche aufgeführt werden. Weitere Mitwirkende sind das Kaleidoskope String Quartet und die Tänzerin Marlúcia do Amaral, die 2019 mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet worden ist.

Tanzen ohne Maske – dank regelmässiger Tests

Die Arbeit in einer Zeit, die allen viel abverlangt, ist nicht einfach. «Aber die Pandemie schweisst uns alle zusammen», sagt Brigitta Luisa Merki und verweist auf die Proben. «Dass diese ohne Maske stattfinden können, geht nur, weil sämtliche Mitwirkenden mehrmals pro Woche getestet werden.» Doch wie sieht es aus, wenn die Pandemie wieder strengere Schutzmassnahmen erfordert und es somit keine Vorstellungen oder nur solche mit 50 oder 100 Zuschauerinnen und Zuschauern geben könnte?

Was auch immer passiert, für Brigitta Luisa Merki steht fest: «Wir erarbeiten diese Produktion, weil wir sie unbedingt zeigen wollen. Deshalb haben wir verschiedene Szenarien entworfen. Wir können vor einem ganz kleinen Publikum in der riesigen Klosterkirche tanzen. Aber wir können die Vorstellungen auch streamen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Die Produktion ‹Sei Nacht zu mir› ist auf jeden Fall nicht verloren; sie steht und kann jederzeit abgerufen werden.»

Obschon die erste Tanzresidenz derzeit im Vordergrund steht, beschäftigen Brigitta Luisa Merki noch weitere Vorhaben. So sind ihr pädagogische Projekte ein Herzensanliegen, was sich immer wieder in den Schulproduktionen für Tanz & Kunst Königsfelden manifestierte: Das nächste pädagogische Kunstprojekt für 2022 ist bereits in Planung. Wichtig ist Merki aber auch dies: die Zusammenarbeit mit den Bühnen in Aarau und Baden. So denkt sie an Matineen, wie sie etwa das Ballett Zürich seit Jahren mit Erfolg pflegt, um dem Publikum Einblick in die Arbeit von Tanzschaffenden zu ermöglichen. Ein Raum ist dafür prädestiniert: die neue Probebühne im Kurtheater Baden – die schöne mit den blauen Wänden.

Hinweis
«Sei Nacht zu mir», 28.Mai–27.Juni Klosterkirche Königsfeld

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