Kino
Ein intimer Blick nach Kuba – «Baracoa» ist eine Ode an die Freundschaft

Pablo Briones Film «Baracoa» erzählt die Geschichte zweier kubanischer Kinder, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen.

Stefan Welzel
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Lümmeln sich durch den Tag: Leonel (links) und Antuán.

Lümmeln sich durch den Tag: Leonel (links) und Antuán.

Bild: PD

Zwei Jungs, die durch die Gegend ziehen, Unsinn treiben, in Fabrikruinen oder stillgelegte Schwimmbäder einbrechen, sich im Leben auf dem Lande auch mal etwas langweilen – das gibt es wohl auf der ganzen Welt, nicht nur im wirtschaftlich angeschlagenen, sozialistischen Kuba. Genau hier spielt nun aber die Geschichte der beiden Freunde Leonel und Antuán in Pablo Briones Film «Baracoa», der morgen Donnerstag im Luzerner Stattkino anläuft. Und genau dieser geografische Umstand macht aus einem gewöhnlichen Coming-of-Age-Streifen einen Genremix, der auch als Porträt einer einzigartigen Gesellschaft im Wandel funktioniert.

Doch der Reihe nach. Aus zunächst simplen Alltagsszenen und Konversationen schälen sich zunehmend komplexere Themen heraus. Während lapidaren Rumlümmelns drängen sich plötzlich existenzielle Fragen auf, die das Leben der beiden Protagonisten nachhaltig ändern werden. Entscheidend die Frage, wo man leben möchte: Auf dem Lande oder in der Stadt? Der neunjährige Leonel sagt zunächst einfach nur: «In Kuba.» In der typisch expressiven lateinamerikanischen Filmsprache bleibt hier kaum etwas dem Zufall überlassen – zahlreiche Metaphern (die beiden spielen fast nur in abgewrackter Umgebung, dabei keine Anspielung auf Kubas finanzielle Misere zu sehen, wäre naiv) brechen sich immer wieder an lustigen Situationen. Das besondere Konzept dabei: Leonel und Antuán sind echt, sie spielen sich selbst in einer Art fiktionalisiertem Dokumentarfilm.

Selten naher Blick auf den Alltag in Kuba

Gegen Ende folgt Leonel seinem Kumpel auf einen Besuch in die mittelgrosse Stadt Baracoa, wohin Antuán zu seinem Vater gezogen ist. Dort zeichnet sich in ihren Gesprächen ab, wie die Zukunft der Freunde in etwa aussehen könnte – existenzialistische Diskussionen um Gott inklusive. Wie glaubwürdig es ist, solche Themen in die Münder derart junger Darsteller zu legen, fragt man sich sehr bald. Seltsamerweise kauft man es den Machern wie auch den beiden Kindern mit ihren Dreikäsehoch-Weisheiten aber ab.

«Baracoa» ist eine feinfühlige, intime Ode an die Freundschaft und das Leben, eröffnet aber gleichzeitig einen selten nahen Blick auf den realen kubanischen Alltag. Die Doku-Fiktion-Mischform, das bedächtige Tempo, lange Einstellungen und eigenwillige Dramaturgie sprechen die Sprache des klassischen Arthouse-Kinos, was wohl primär Fans des Genres ansprechen dürfte. Und in diesem Fall auch solche, die sich aus soziologischer Sicht für Kuba interessieren.

Premiere Donnerstag, 16. September um 19 Uhr, anschliessendes Gespräch mit dem Regisseur, Stattkino Luzern.

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