Eklat bei Solothurner Filmtagen
Filmtagepräsident Geiser über Anita Hugi: «Sie hat sich mit der gesamten Belegschaft verkracht»

Letzte Woche trennten sich die Solothurner Filmtage von Anita Hugi, der erst zwei Jahre amtierenden Direktorin. Nun geht der Streit in eine neue Runde.

Daniel Fuchs
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Fühlt sich abserviert: Anita Hugi muss die Filmtage verlassen (Archivbild).

Fühlt sich abserviert: Anita Hugi muss die Filmtage verlassen (Archivbild).

Foto: Christian Beutler/Key

Nun scheint klar, weshalb Anita Hugi – erst seit zwei Jahren ist sie Direktorin bei den Solothurner Filmtagen – gehen muss. «Sie hat sich mit der gesamten Belegschaft der Solothurner Filmtage verkracht», sagt Thomas Geiser, Vorstandspräsident der Gesellschaft Solothurner Filmtage. Bei den Filmtagen heisst es auf Anfrage: «Das Team hatte als Kollektiv ein Problem mit Anita Hugis Führungsgestaltung.»

Will heissen: Hugis Führungsstil war mit der «partizipativen Betriebskultur» bei den Filmtagen unvereinbar. Namentlich will kein Teammitglied zitiert werden.

«Autoritär bis chaotisch»: Der Vorstand entschied sich fürs Team

Letztlich habe man die Notbremse ziehen müssen, so Geiser. «Entweder ersetzt man in einer solchen Situation das Team, oder man ersetzt die Direktorin.» Es hätten Kündigungen gedroht und letztlich sei der Betrieb in Gefahr gewesen.

Präsidiert interimistisch den Vorstand der Filmtage: Arbeitsrechtsprofessor Thomas Geiser.

Präsidiert interimistisch den Vorstand der Filmtage: Arbeitsrechtsprofessor Thomas Geiser.

Christian Beutler/ KEYSTONE

«Anita Hugi hatte sehr gute Ideen», betont Geiser, «bei der Umsetzung kam es aber zu Schwierigkeiten, weil sie zu chaotisch handelte und die Leute nicht mitnahm.» Ihr Führungsstil sei zudem autoritär, was die Probleme verschärfte. Geiser weiter:

«Hugis Vorgängerinnen und Vorgänger liessen die Mitarbeitenden arbeiten, ohne ständig zu intervenieren. Bei Hugi war das nicht der Fall.»

Eine Kaskade unglücklicher Umstände habe nun zu der schwierigen Situation diesen Sommer geführt, in der sich Hugi zuerst krankschreiben liess und während ihrer Abwesenheit regelrecht abserviert wurde, wie sie es empfindet.

Hat man Anita Hugi einen «Maulkorb» verpasst?

Warum aber ist es nicht gelungen, die Probleme in Gesprächen zu lösen? Geiser betont, das habe man immer wieder versucht. Mitarbeitende seien aber auf dem Absprung gewesen, Hugi habe Gespräche verweigert, und letztlich habe es auch geeilt. Die 57. Ausgabe der Solothurner Filmtage steht zwar nicht unmittelbar bevor, doch bis Januar bleibt auch nicht mehr viel Zeit zur Vorbereitung eines Filmfestivals.

Hugi wurde 2019 in einem aufwendigen Bewerbungsverfahren als Nachfolgerin von Seraina Rohrer nach Solothurn geholt. Haben sich organisatorische Defizite damals nicht manifestiert? Geiser verneint. Das sei nie zum Vorschein gekommen.

Die noch immer krankgeschriebene Anita Hugi selbst kann keine Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Sie befürchtet eine ihr angedrohte fristlose Kündigung. Diese könnte wirksam werden, wenn ihre Stellungnahme als rufschädigend für das Filmfestival interpretiert würde. Vertreten wird Hugi von der Mediengewerkschafterin Judith Stofer.

Auf Anfrage sagt sie: «Ein Arbeitgeber ist verpflichtet, Mitarbeitende respektvoll und fürsorglich zu behandeln. Dieses Vorgehen des Arbeitgebers entspricht einer seltsamen Auffassung von Fürsorgepflicht. Was rufschädigend ist oder nicht ist Auffassungssache.»

«Unter diesen Umständen hat Anita Hugi ein Redeverbot. Sie kann deshalb selber nicht über die Hintergründe informieren.»

Thomas Geiser vom Vorstand betont, es gebe keinen Maulkorb. Hugi könne Stellung beziehen, solange diese der Wahrheit entspreche.

Führungsjobs werden nun ausgeschrieben, interimistische Leitung

Bei den Solothurner Filmtagen wird die Führung nun neu besetzt, aufgesplittet in einen administrativen und in einen künstlerischen Bereich, wie es etwa beim Filmfestival Locarno oder beim Zürcher Filmfestival der Fall ist. Die Stellen werden öffentlich ausgeschrieben.

Die kommende 57. Ausgabe im Januar 2022 verantworten interimistisch Marianne Wirth sowie David Wegmüller für den künstlerischen Bereich und Veronika Roos für die Organisation, langjährige Angestellte bei den Filmtagen. Geiser hofft, dass die neue Leitung bis dahin zumindest bekannt sein wird und bei den Filmtagen anwesend sein kann.

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