Burt Reynolds grinste alle weg

Männlichkeit, Sex und Selbstironie waren die Zutaten für die Filmkarriere Burt Reynolds. Seinen letzten Film konnte er nicht beenden.

Katja Fischer De Santi
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Was für «Ein ausgekochtes Schlitzohr»: Burt Reynolds 1976 als souveräner Asphalt-Cowboy. (Bild: Interfoto/Keystone)

Was für «Ein ausgekochtes Schlitzohr»: Burt Reynolds 1976 als souveräner Asphalt-Cowboy. (Bild: Interfoto/Keystone)

Burt Reynolds, der am Donnerstag mit 82 Jahren verstorben ist, wurde mit zwei Dingen berühmt: Er hat sich als erster Mann für ein Magazin nackt ausgezogen, und er spielte in den 1970er-Jahren in Filmen, die schon im deutschen Titel auf ihn und sein Männlichkeitsbild zugeschnitten waren. «Der Tiger hetzt die Meute», «Der Mann, der die Katzen tanzen liess», «Ein Supertyp haut auf die Pauke» oder «Ein ausgekochtes Schlitzohr»: In den 1970er-Jahren füllte Reynolds als moderner Strassen-Cowboy die Kinos. Er galt als höchstbezahlter Schauspieler Hollywoods. Sein schelmisches Grinsen rettete jeden noch so schlechten Film.

Er verkörperte perfekt jene selbstsichere, lässige Männlichkeit der 1970er-Jahre, als ein schnelles Auto, ein dicker Schnauz im Gesicht und ein Cowboyhut auf dem Kopf die Insignien von Coolness waren. Ein Macho wie aus dem Bilderbuch, nicht ganz so galant wie James Bond (für dessen Rolle er ein Angebot ausgeschlagen hatte), aber für damalige Verhältnisse sehr, sehr sexy.

Männlichkeit, Sex und Selbstironie

Als sich Reynolds 1972 für die Frauenzeitschrift «Cosmopolitan» nackt und mit schiefem Griesen im Gesicht auf ein Bärenfell legte, war die Auflage von 1,5 Millionen innert Kürze ausverkauft. Das Foto, von dem er später sagte, er hätte es lieber nicht gemacht, hat sein Ruf zementiert. Als Macho, als Sexsymbol mit dieser Mir-doch-egal-Attitüde. Ein Schlitzohr, das stets über sich lachen konnte. Was etwa seine Minirolle in Woody Allens «Was Sie schon immer über Sex wissen wollten» zeigte: Als Spermaoffizier ist er für die Hydraulik im Penis zuständig und meldet den Grad der Erektion und der Erregung. Männlichkeit, Sex, Selbstironie, das sollten für die kommenden Jahr die Zutaten seiner Erfolgsrezeptur sein.

Etwas Unschuldiges umwehte seine Männlichkeit. Selbst der alternde Burt Reynolds gab sich immer noch gerne als strahlender Charmeur mit Schnauzbart, Halstuch, grauem Toupet, gelegentlich auch mit rosa Sonnenbrille.

Er hätte James Bond oder Han Solo spielen können

In den 1980er-Jahren sank sein Stern. Tom Cruise wurde nun das neue Mass der filmischen Männlichkeit. Eine Rolle in «Pretty Woman» hatte Reynolds ausgeschlagen, Han Solo in «Star Wars» wollte er ebenfalls nicht spielen. Mit Loni Anderson lieferte er sich einen Scheidungskrieg, wie ihn die Öffentlichkeit noch nie gesehen hatte. Sein Hang zu selbst ausgeführten Stunts brachte ihm gebrochene Kieferknochen und eine Abhängigkeit von Schmerzmitteln ein. Mit Geld konnte der Lebemann nicht umgehen. In den 1990er-Jahren ging er bankrott, musste sich mit TV-Rollen über Wasser halten. Schönheitsoperationen liessen seine Mimik erstarren.

Dann, 1997, kam das von niemandem mehr erwartete Comeback. Er erspielte sich als Pornoproduzent in «Boogie Nights» eine Oscarnominierung und einen Golden Globe. Leider folgten danach nur noch Nebenrollen in schlechten Filmen. 2019 hätte jedoch sein Jahr werden können, er hätte in Quentin Tarantinos neuem Film «Once Upon A Time in Hollywood» mitspielen sollen. Die Rolle als Hollywood-Veteran hätte er bestimmt gut gemeistert – mit oder ohne Cowboyhut auf dem Kopf und Zigarillo im Mund, das Grinsen hatte er bis zuletzt nicht verlernt.

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