Interview

«Es ist krass, neben ‹Game of Thrones› eingereiht zu sein!»

Die Zürcher Regisseurin Lisa Brühlmann ist im Rennen um die diesjährigen Emmys für die beste Regie nominiert.

Die Zürcher Regisseurin Lisa Brühlmann ist im Rennen um die diesjährigen Emmys für die beste Regie nominiert.

Grosse Ehre: Die Schweizer Regisseurin Lisa Brühlmann wurde für den Emmy nominiert. Sie realisierte eine Episode der BBC-Serie «Killing Eve» – und darf jetzt gegen die Weltbesten antreten.

Ihr Pubertätsdrama «Blue My Mind» wurde 2018 mit drei Schweizer Filmpreisen ausgezeichnet.

Jetzt darf die Zürcher Regisseurin Lisa Brühlmann auf ihren ersten grossen internationalen Preis hoffen: Im Rennen um die diesjährigen Emmys, den wichtigsten Fernsehpreis der Welt, ist sie für die beste Regie nominiert.

Und misst sich dort unter anderem mit «Game of Thrones».

Sie wurden für einen Emmy nominiert. Für die beste Regie einer einzelnen Serienfolge. Wie geht es Ihnen?

Lisa Brühlmann: Ich bin natürlich einfach sehr glücklich, sehr stolz, es ist schon krass, jetzt mit meiner Folge aus «Killing Eve» neben Folgen aus «Game of Thrones» oder «The Handmaid’s Tale» eingereiht zu sein, neben Serien also, die ich grossartig finde.

Die BBC-Serie «Killing Eve» erzählt die Hassliebe zwischen der glamourösen Auftragskillerin Villanelle (Jodie Comer) und ihrer Kontrahentin, der MI5-Agentin Eve Polastri (Sandra Oh). Hatten Sie irgendeine Ahnung, wie gross das alles wird?

Überhaupt nicht! Als ich vor genau einem Jahr die Anfrage erhielt, kannte ich die Serie nicht, aber ich kannte natürlich Sandra Oh. Und als ich alle Folgen gesehen hatte, sagte ich, ja cool, das ist queer, das ist Comedy, das ist frisch. Ich spürte, dass ich da mit meinen Mitteln einen Platz finde.

Wie brachten Sie Ihre eigene Kreativität in eine bereits bestehende internationale Produktion ein?

Das war ganz leicht. «Killing Eve» wird auf Locations gedreht, da kommst du nicht in ein Studio, in dem alles schon zu Ende gebaut ist und du nur noch «abschiessen» musst. Ich konnte viele Locations selbst aussuchen und manchmal auch anregen, dass das Drehbuch umgeschrieben wird.

Haben Sie ein Beispiel?

Ja! In der Folge, die jetzt für einen Emmy nominiert ist, gibt’s ja diesen Mord in Amsterdam ...

Die Auftragskillerin Villanelle schneidet im Schaufenster eines Bordells einen nackt von der Decke hängenden Mann auf und lässt ihn verbluten. Die?

Genau. Ursprünglich hätte der Mord anders aussehen sollen, aber ich hatte mich so ins Rjiksmuseum verliebt und wollte dort drehen. Deshalb machten wir uns im Museum auf die Suche nach einem Bild, das Villanelle inspirieren könnte. Und da war dieses historische Gemälde über den Doppelmord an den De-Witt-Brüdern, zwei Politiker, die 1672 von ihren Gegnern grausam hingerichtet wurden. So entstand die Szene.

Sie haben zwei Folgen gedreht, und in beiden hat man das Gefühl, dass Hauptdarstellerin Jodie Comer ungeheuren Spass daran hatte, Ihre Ideen zu verwirklichen, sie schien noch lockerer und draufgängerischer als sonst.

Ich hoffe sehr, dass sie Spass hatte! Die Zusammenarbeit mit ihr bestand vor allem darin, sie zu bestaunen. Ich habe ihr eine Rutschbahn angeboten, und sie hat sie genommen. Ein Megatalent.

Als Ihre Produzenten die Folge zur Vornomination einreichten, hatten Sie da schon eine heimliche Hoffnung, in den Reigen der ganz Grossen aufgenommen zu werden?

Nein. Ich dachte: Schauen wir mal. Und dann hatte ich es völlig vergessen. Bis mich die Produzentin Sally Gentle am 16. Juli anrief und sagte: Gerade habe ich die Pressemeldung gelesen!

Gibt’s eine Kampagne wie bei den Oscars und Sie müssen alle Jurymitglieder von sich überzeugen?

Keine Ahnung! Ich lass mich jetzt einfach mal in die Dinge hineintreiben. Aber zuerst muss ich nach Boston, um eine Folge von «Castle Rock» zu drehen.

Bitte?

Ja, das Staffelfinale.

Das sagen Sie jetzt so.

Und Anfang Jahr habe ich eine Folge für «The Servant» gedreht. Und im Winter stehen mir noch zwei Folgen «Dickinson» über die Dichterin Emily Dickinson bevor.

Das heisst, Ihr Ehemann, der Regisseur Dominik Locher, kümmert sich jetzt immer um die Kinder?

Der ist gerade in Paris und schreibt an einem Theaterstück. Wir wechseln uns ab. Und dann entwickeln wir auch noch ein gemeinsames Serienprojekt. Aber nach Boston kommt die ganze Familie mit, und wir haben eine Nanny.

Autorin

Simone Meier

Simone Meier

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