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12.12.2012: Heute will ein Kalifornier die ganze Welt filmen

Das Projekt ist an Ehrgeiz kaum zu übertreffen: Ein Surfer aus Kalifornien will heute, am 12.12.2012, aus seiner Garage heraus innert 24 Stunden die ganze Welt filmen. Erstaunlicherweise wird ihm dies vermutlich gelingen.

Michael Hugentobler
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Kyle Ruddick.

Kyle Ruddick.

downtown

Kyle Ruddick hatte vor fünf Jahren die Idee, ein globales Gratis-Archiv von Aufnahmen zu erstellen. Dabei kann es sich um die Fahrt in der Ambulanz von Christoph Dennenmoser in Bad Säckingen handeln, oder um die eine Busfahrt des Entwicklungshelfers Dinh Phuong Son Ha in Birtamode, Nepal. Das erste Filmen der Welt fand am 10.10.2010 statt, das zweite am 11.11.2011. Diese 48 Stunden brachten kombiniert 7000 Stunden Dokumaterial in 90 Sprachen zusammen.

Das Projekt, das seither unter dem Namen One Day On Earth läuft, hat eine Online Community von 30‘000 Personen erzeugt. Als das Material aus dem Jahr 2010 zu einem Dokumentarfilm geschnitten war, wurde der Film in 160 Ländern gezeigt - Der Weltrekord für eine Filmpremiere. Dieser Film ist auf der Webseite des Projekts abrufbar und über den Onlinestore von iTunes erhältlich.

In Zusammenarbeit mit Organisationen wie Oxfam, WWF oder dem Roten Kreuz verschickte Ruddick in den letzten Monaten hunderte von Kameras in Entwicklungsländer, um sicherzugehen, dass heute jedes Land der Welt einen Beitrag einreichen kann.

„Ich hoffe, dass die Filme Antworten auf die Frage liefert, was es bedeutet, am heutigen Tag am Leben zu sein", schreibt Ruddick auf seiner Webseite. Antworten liefert jetzt schon das Online-Archiv. In den Anden Kolumbiens, an der Küste Alaskas oder auf der Pazifikinsel Kosrae kann man das Leben der Menschen am Bildschirm verfolgen. Es sind meistens ruhige Momente: Ein Spaziergang durch einen Dschungel; Indios, die auf einem Markt ihre Waren verkaufen, eine Fahrt durch den Hafen von Hongkong. Aber auch eine Militärparade in Nordkorea oder Ansichten von Mekka während Gläubige beten.

Mit seiner Idee blieb Ruddick 2008 nicht lange allein. Der bekannte Regisseur Ridley Scott („Blade Runner", „Alien", „Gladiator") zog ein fast identisches Projekt auf. Im Rücken hatte er die Finanzielle Unterstützung von grossen Firmen wie Youtube und National Geographic Entertainment und das Marketing übernahm die Firma 42West, ein Schwergewicht in Hollywood. Sein Film „Life In A Day" erschien letzten Sommer, hatte aber keine anhaltende Wirkung.

Bis Ruddick sein Material, das heute auf der ganzen Welt entsteht, auf dessen Essenz reduziert hat, dürfte es noch mehrere Monate wenn nicht gar einige Jahre dauern. Denn erst muss er das Material von 2011 noch zusammenschneiden. Ist zu hoffen, dass er uns die Frage beantworten kann: Was machten wir heute genau?

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