TV-Premiere
Auch bei SF ist Schawinski zu Gast bei Schawinski

Die Sendung «Schawinski» verdient ihren Namen. In der ersten Sendung stand eine Person im Mittelpunkt: Roger Schawinski. Sein Gast Konrad Hummler war bestenfalls eine Randfigur.

Benno Tuchschmid
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Er ist zurück. Und es scheint, als ob alle darauf gewartet haben. Jedenfalls, wenn die mediale Präsenz dafür ein Gradmesser ist. Die letzte Woche hatte gefühlt drei Top-Themen, die alle Schweizer Medien beschäftigten: Den starken Franken, Charlotte Roche, Roger Schawinski.

Beim Franken geht es ums Ganze, bei Roche um Sex (15 Seiten-Oralverkehr) und bei Schawinski... ja, um was eigentlich? Klar, die Affiche ist gut: Medienrebell kehrt zu seinem alten Arbeitgeber zurück, den er jahrelang bekämpft hat. Aber rechtfertigt dies, eine fast schon hysterische Vorberichterstattung für eine halbstündige Sendung, Ausstrahlungstermin 22.55 Uhr?

Klar ist: Die Erwartungshaltung war enorm. Schuld daran war zu einem grossen Teil Schawinski selbst. Er war es, der seine Sendung als «absolut ungewöhnliches Format» (NZZ am Sonntag) beschrieb, einmalig, nicht in der Schweiz, sondern in der deutschsprachigen TV-Welt. Er war es, der sagte «Ein Sender braucht Stars.» (Tele) und damit sich selber und das SF meinte.

Der Antwortenverhinderer

Erfüllt die Sendung diese Erwartungen? Nein, muss man nach der ersten Ausgabe «Schawinski» sagen. Kein Zweifel, Schawinski ist ein guter Talker, wahrscheinlich einer der besten der Schweiz. Seine Waffe ist seine Schnelligkeit. Er denkt schnell und er spricht schnell.

Sein erster Gast, der Banker Konrad Hummler, bekam das zu spüren. Nach einem gemächlichen Vorgeplänkel, das mit der obligaten Frage «Wer sind sie?» begann, steigerte sich Schawinski im zweiten Teil in sein typisches Fragen Stakkato, in seine alte Form. Er setzte seinen Gast unter Druck («Ihr Buch ist toll, es hat nur ein Problem - es stimmt nichts darin») und hetzte ihn zeitweise vor sich her, von Frage zu Frage, mit einem spitzbübischen Lächeln.

Das ist unterhaltsam, zumindest teilweise. Doch sein erklärte Ziel, seinen Gästen Antworten jenseits ihrer üblichen Phrasen entlocken zu wollen, erreichte er damit bei Hummler selten bis nie. Und zwar weil Schawinski seinen Gast regelrecht platt walzte und durch sein Fragen-Sperrfeuer Antworten verhinderte statt sie zu bekommen.

Neu ist das nicht. So interviewte Schawinski seine Gäste schon immer. Und Schawinski machte ja auch nie einen Hehl daraus, welche Rolle er in seiner SF-Sendung zu spielen gedenkt. «Der Zuschauer soll sich nicht mehr nur für den Gast, sondern auch den Interviewer interessieren.» (Tele).

Schawinski bleibt Schawinski

Schawinski will eine Attraktion seiner eigenen Sendung sein. Die Folge davon ist, dass man sich am Schluss ausser an Schawinski, an nichts mehr erinnern kann.

Wenn es nach Schawinski geht, wird sich das auch in Zukunft nicht ändern. So wird er das bleiben, was er heute ist: Eine hochumstrittene Figur, zu der jeder Deutschschweizer eine Meinung hat. Von den einen gehasst, von den anderen geliebt. Eine einmalige Figur in der Schweiz, die mit der Sendung «Schawinski» eine nicht wirklich einmalige Sendung hat.