Baden

Das Animationsfilmfestival «Fantoche» steht vor der Tür und trotzt Corona

Diagramme in der Hauptrolle in «Average Happiness».

Diagramme in der Hauptrolle in «Average Happiness».

Zurückhaltende Zuversicht beim «Fantoche» in Baden: Was erwartet die Zuschauer des Animationsfilmfestivals?

Die Filmwelt steht still. Die ganze? Nein. Eine kleine helvetische Stadt trotzt der Pandemie und führt zum 18. Mal das Animationsfilmfestival durch, Fan­toche, mit internationaler Ausstrahlung. Vom 1. bis 6. September treffen sich Freunde des Animationsfilms, Filmemacherinnen und Kritiker wieder in Baden. Und das, ehe etwas weiter der Limmat aufwärts das Zurich Film Festival startet.

Die Leitung mit Festivaldirektorin Annette Schindler an der Spitze ist fest in Frauenhand. Die Frauen waren mutig, als sie Anfang Juni verkündeten: Die diesjährige Ausgabe, 25 Jahre nach der ersten Ausgabe eine Jubiläumsnummer, findet statt. Mit einem strengen Schutzkonzept zwar und voller Unsicherheiten, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.

Zurückhaltende Freude: Was, wenn Corona doch noch die Pläne durchkreuzt?

Gestern nun lud Direktorin Schindler in Zürich als Auftakt zur Medienkonferenz. Gezeigt wurden zwei Kurzfilme, einer aus der Schweiz, einer aus Frankreich. Auf die Mitkonkurrenten in den Hauptwettbewerben darf man gespannt sein.

Bei «Average Happiness» von der Schweizerin Maja Gehrig findet man sich in einer Welt voller Statistiken. Nur dass sie nicht starr die Ansteckungs- und Todesziffern abbilden, sondern sich immer wieder neu formieren und bewegen. Kuchen- und Balkendiagramme kriechen entlang von Liniendiagrammen. Gehrig ist damit ein Hingucker gelungen. Das Treiben wird noch bunter und erreicht seinen Höhepunkt, als auf der Leinwand ein Diagrammpaar beim Liebemachen ertappt wird. Irgendwo doch tröstlich: Während wir Abstand wahren, zeigen Gehrigs Diagramme Nähe und Zuneigung.

Bei Festivaldirektorin Schindler mischt sich Respekt unter die Freude über die bevorstehende Ausgabe. Ihr ist klar, dass das diesjährige Programm seine Tücken mit sich bringt. Unklarheiten gibt es zum Beispiel, welche Gäste überhaupt in die Schweiz fliegen können. «Die Überschaubarkeit unseres Festivals ist unser Glück. Wir kennen unser Publikum und die Besucherströme in Baden gut, was uns zuversichtlich stimmt, die Herausforderungen wegen der Pandemie zu meistern», sagte Schindler.

Dabei war es lange unklar, wie viele und welche Filme überhaupt fertig werden fürs Festival. Die Krise hat die Filmindustrie weltweit lahmgelegt, betroffen ist auch die Animationsfilmkunst. «Wir sind startbereit und wollen dazu beitragen, in dieser fremdbestimmten Zeit Kultur zu ermöglichen.»

Filmprogramm mit Frauenfiguren

Eines der Hauptthemen, das die Festivalleitung im Programm ortete: Geschichten über Heldinnen. Gastland ist dieses Jahr Dänemark mit seiner herausragenden Animationsfilmindustrie. Eine Retrospektive widmet sich der deutschen Scherenschneiderin und Animationsfilmerin Lotte Reiniger.

Fantoche findet auch im virtuellen Raum statt. Online einsehbar sind die Wettbewerbe sowie drei Langzeitfilme, allerdings zu vorgegebenen Zeiten.

Fantoche Baden vom 1. bis 6. September, Infos: fantoche.ch

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