Kino
DiCaprio in der Wildnis: «Das war mein härtester Dreh»

Für «The Revenant» ging Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio in der eisigen Wildnis Kanadas an seine Grenzen

Marlène von Arx
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Leonardo DiCaprio spielt im Thriller «The Revenant» einen Pelzjäger, der in der eisigen Wildnis Kanadas auf Rache schwört... Twentieth Century Fox

Leonardo DiCaprio spielt im Thriller «The Revenant» einen Pelzjäger, der in der eisigen Wildnis Kanadas auf Rache schwört... Twentieth Century Fox

KEYSTONE

Leonardo DiCaprio, «The Revenant» erzählt in epischen Bildern die Überlebensgeschichte eines Trappers im frühen 19. Jahrhundert in einer erbarmungslosen Winterlandschaft. Während der Dreharbeiten haben Sie ziemlich gelitten ...

Leonardo DiCaprio: Es war sicher mein bislang härtester Dreh. Was diese Männer in der Wildnis durchmachten und überlebten, war schon unglaublich. Historisch ist nicht viel dokumentiert über diese Zeit, so habe ich mich zur Inspiration ans Tagebuch «The Journal of a Fur Trapper» gehalten. Ich habe schon einige lebensgefährliche Momente erlebt, aber ich weiss nicht, ob ich in jener Zeit hätte überleben können. Ich war jedenfalls froh, konnte ich am Abend jeweils wieder ins Hotel.

Lebensgefährliche Momente? Was für welche denn?

Ach, beim Sporttauchen oder beim Fallschirmspringen zum Beispiel. Da taten sich mal sowohl der erste wie der zweite Schirm bei einem Tandem-Sprung nicht auf. Ich ziehe extreme Situationen offenbar an, aber Ende gut, alles gut.

Wie haben Sie die Kälte vertragen?

Ich wusste, worauf wir uns einliessen und dass es sehr schwierig sein würde. Manchmal war es sogar für Kameras zu kalt und sie stiegen aus. Die Hände waren wohl das Schlimmste. Wir hatten eine Maschine, die ich «Tintenfisch» nannte und aussah wie ein riesiger Föhn mit acht Röhren, in dem wir unsere Hände aufwärmen konnten.

Inwiefern ist «The Revenant» relevant für die heutige Zeit?

Amerika war damals noch ein gesetzloses Gebiet, wo französische und englische Trapper – Pelzjäger – mit den Eingeborenen um wertvolle Rohstoffe, wie zum Beispiel Felle stritten. Das ist heute nicht anders im Amazonas, Papua-Neuguinea oder in den kanadischen Teersand-Gebieten – heute gehts nicht um Felle, sondern um Öl und andere Rohstoffe, für die wir Ur-Einwohner vertreiben und deren Land und Kultur zerstören.

Es hiess, die Dreharbeiten und das Budget liefen aus dem Ruder. Bei aller Authentizität: Hätte man nicht mehr Spezialeffekte verwenden können?

Es war ein schwieriger Drehplan, und ich gebe zu, Alejandro ist ein Perfektionist. Wenn etwas nicht hinhaut, korrigiert er es und bleibt dran, bis es richtig ist. Das ist auch ganz in meinem Sinn. Wir mussten alle am gleichen Strick ziehen – präzise wie eine Schweizer Uhr funktionieren. Aber wir hatten auch unvorhersehbar verrücktes Wetter, wir hatten keinen Schnee in Kanada. Wir unterbrachen deswegen die Dreharbeiten zweimal und schliesslich drehten wir in Argentinien fertig. Da sieht man mal, was nur ein Grad Temperatur-Erwärmung ausmacht!

Atemberaubender Rache-Thriller

«The Revenant», frei übersetzt «Der Auferstandene», ist ein atemberaubend schöner Film über die Brutalität der Natur – jener des Menschen, der Tiere, der Landschaften, der Temperatur. Autor/Regisseur Alejandro Gonzalez Iñárritu (Oscargewinner für «Birdman») setzt auf eine einfache, fiktionalisierte Geschichte um den Pionier Hugh Glass. Der Pelzjäger Glass (Leonardo DiCaprio) überlebt den Angriff eines Bären knapp. Seine Weggefährten hintergehen ihn. Mit dem Tod ringend und den Elementen überlassen, kämpft sich Glass zurück ins Leben, um Rache an jenen zu nehmen, die ihm alles, was ihm lieb ist, genommen haben. Iñárritu inszeniert die Überlebens-Story mit gewaltigen Bildern und poetisch-existenziellen Sequenzen. Und die Bär-Attacke hebt den cleveren Einsatz von Spezialeffekten auf ein neues, viel zu reden gebendes Niveau.
The Revenant (USA 2015) 156 Min.
Regie: Alejandro Gonzalez Iñárritu. Ab Donnerstag im Kino.

Der Klimawandel ist ja ein Thema, mit dem Sie sich seit langem beschäftigen ...

Ja, ich war gleichzeitig an der Arbeit an einem Dokumentarfilm zum Thema, wie sich mit der Klimaerwärmung das Wetter an verschiedenen Orten in der Welt verändert hat. Die Situation ist so beängstigend und katastrophal, dass wirklich jeder Mensch auf der Erde sich damit befassen sollte. Es war das heisseste Jahr seit Messungsbeginn. Wir bewegen uns schneller auf zwei Grad Erwärmung hin als angenommen. Wirklich schade, dass die Million Menschen, die am Pariser Klima-Gipfel auf die Strasse gehen und Veränderungen fordern wollten, es wegen der Terror-Tragödie nicht tun konnten. Denn die Macht der Masse ist nicht zu unterschätzen.

«The Revenant» ist auch eine Vater-Sohn-Geschichte. In welcher Weise hat Ihr Vater Sie beeinflusst?

Mein Vater hatte immer einen grossen Einfluss. Wir sind Partner in verschiedenen Umweltschutz-Projekten. Er war es auch, der mich immer zu Filmen und Rollen mit historischer Bedeutung lenkte. Er ist einer der belesensten und informiertesten Leute, die ich kenne. Von ihm habe ich mindestens so viel gelernt wie in der Schule. Und vor allem auch, früh in meiner Karriere Risiken einzugehen – wie als 17-Jähriger
Arthur Rimbaud zu spielen.

Und was hat er Ihnen als Mann mit auf den Lebensweg gegeben?

Sein Mantra ist: Führe ein interessantes Leben und finde die Einstellung, jeden Morgen froh zu sein, in die Hosen steigen zu können. Ich bin noch nicht ganz da angekommen, aber das sind meine Ambitionen.

Bei Filmpreis-Anlässen sieht man Sie oft mit Ihrer deutschen Mutter auf dem roten Teppich – ist sie Ihr ideales Date?

Meine Mutter wird mit dem Alter immer unverfrorener und ehrlicher. Sehr deutsch, finde ich. Sie erinnert mich immer mehr an meine Grossmutter, was meine Mutter gar nicht gern hört. Diese Offenheit ist eine Art Mutprobe für sie und so habe ich schon öfters hinterher die Leute beruhigen und ihnen erklären müssen, was sie eigentlich meint. Ich finds lustig und werde wohl eines Tages auch so. Unverblümt zu
sagen, was wir denken, ist in unserer DNA. Meine Grossmutter war die Grossmeisterin der Ehrlichkeit.

Also dann Hand aufs Herz: Sie haben nun George Clooney als Hollywoods begehrtester Langzeit-Junggeselle abgelöst. Denken Sie, dass Sie eines Tages doch noch heiraten werden? Vielleicht eine Umweltschutz-Aktivistin?

Ein gewisses Umweltverständnis müsste sicherlich vorhanden sein. Ich könnte bestimmt mit niemandem zusammen sein, der glaubt, der Klimawandel sei ein Hirngespinst, aber ansonsten möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren. Denn es wird immer alles so aufgebauscht. Und wie ich seit Jahren schon sage: Wenn es stimmt, dann stimmts, aber planen kann man das nicht.

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