Film
Die Deneuve im Trainingsanzug: Ein Hingucker? Und wie!

Ja, sie sind wieder da – Catherine Deneuve (67) und Gérard Depardieu (62): Die französischen Altstars halten in «Potiche» Händchen, tanzen eng umschlungen im Nachtklub, einmal trabt La Deneuve gar im roten Trainingsanzug. Ein Hingucker? Und wie!

Hans Jürg Zinsli
Drucken
«Potiche» ist ein komödiantisches Kammerspiel mit einem gesellschaftskritischen Ansatz. Filmcoopi
15 Bilder
Catherine Deneuve im Jahre 2011
Udo Jürgens mit Wein, die Deneueve mit Wasser bei «Wetten dass..?»
Deneuve 2010
Die Actrice im Jahr 2010
Und nochmals im Jahr 2010
Ganz privat im Jahr 2007
Deneuve aus dem Jahr 2006
Rauchend im Jahr 2005
Und 1998
Zusammen mit Tochter Chiara Mastroianni 1996
Mit Paloma Picasso und Yves Saint Laurent im Jahr 1971
Catherine2002
Deneuve mit Yves Saint Laurent und Patricia Casta 2002
Catherine Deneuve: Die Schauspielerin glänzt in neuer Filmrolle

«Potiche» ist ein komödiantisches Kammerspiel mit einem gesellschaftskritischen Ansatz. Filmcoopi

Ja, sie sind wieder da – Catherine Deneuve (67) und Gérard Depardieu (62): Die französischen Altstars halten in «Potiche» Händchen, tanzen eng umschlungen im Nachtklub, einmal trabt La Deneuve gar im roten Trainingsanzug durch den Wald, um sich mit Reh und Has zu unterhalten. Ein Hingucker? Und wie!

Dasselbe gilt für den einst als Regie-Wunderknaben gefeierten François Ozon (43). Dank Filmen wie «8 Femmes» (2002) oder «Swimming Pool» (2003) hatte sich Ozon als Erneuerer des französischen Kinos etabliert, der mit frischen Themen und musikalischem Schwung verblassenden Stars wie Charlotte Rampling neues Leben einhauchte. Doch dann verschwand der «Frauenregisseur» mehr und mehr von der Bildfläche, seine Filme wurden sperriger, verbissener, der Lack blätterte ab. Ozons letztes Œuvre, das Junkiedrama «Le refuge», lockte in der Schweiz gerade noch 2000 Zuschauer in die Kinos.

Launige Siebzigerjahre

Doch jetzt ist Schluss mit Schmalspurkino, Ozon schöpft wieder aus dem Vollen: «Potiche», der Titel bezeichnet eine zur Zierde degradierte Ehefrau, gefällt als launige Siebzigerjahre-Komödie mit gesellschaftskritischem Ansatz.

Die Geschichte beginnt, als ein cholerischer Schirmfabrikant (Fabrice Luchini) seiner Frau Suzanne (Deneuve) erklärt, wo sie überall nicht hingehöre – nicht in die Küche, da habe es Personal, nicht in die Fabrik, da sei er Patron, und nicht ins Puff, da wolle er sich amüsieren. Als dann aber im Betrieb ein Streik ausbricht und der Chef in Geiselhaft gerät, muss die scheinbar nutzlose Gattin den Laden schmeissen. Suzanne tut dies bravourös – auch dank des kommunistischen Bürgermeisters (Depardieu), der ihr, wie schon Jahre zuvor, den Hof macht.

Überstilisierung mit Methode

Frauenemanzipation, Streiks, politische Grabenkämpfe – das klingt schwer nach Retrostoff. Und ja, «Potiche» spielt im Jahr 1977. Angestaubt wirkt das aber nicht im Geringsten, denn die Überstilisierung hat Methode. Die Idee zu dieser Komödie, sagt Regisseur Ozon, sei ihm gekommen, als Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal im Kampf um die französische Präsidentschaft vor vier Jahren gegeneinander antraten. Im Film verläuft es ähnlich: Deneuve verliert zunächst den Machtkampf um die Firma, macht dann aber auf politischem Parkett Karriere.

Mit «Potiche» ist auch Ozon zurück im Geschäft. Er lässt seine Stars Depardieu und Deneuve sexy aussehen, beweist ein Händchen für Mode, Interieurs, Songauswahl und Nebenfiguren. Und er stellt die familiäre Ordnung auf den Kopf. Vor allem aber: Ozon zieht mit «Potiche» das behäbige französische Kino augenzwinkernd durch den Kakao und sich selbst aus dem Sumpf. Das war höchste Zeit.

Potiche (F 2010) 100 Min. Regie: François Ozon. Mit: Gérard Depardieu, Catherine Deneuve u.a.

Aktuelle Nachrichten