Der Kinosommer braucht einen Kick. Der kommt aus England

Ein echt beschissener Sommer wird doch noch gut für Mutter Sue und Sohn Daniel Bagnold in «The Days of the Bagnold Summer». Eine Tragikomödie mit unbekannten Gesichtern, Humor und Wärme.

Regina Grüter
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Mutter-Sohn-Ausflug: Sue und Daniel Bagnold.

Mutter-Sohn-Ausflug: Sue und Daniel Bagnold.

Bild: Ascot Elite

Vor einem Jahr hat Kollege Michael Graber das Album der britischen Band Belle and Sebastian angekündigt: «Eigentlich ist ‹Days Of The Bagnold Summer› ja ein Soundtrack», schrieb er. «Trotzdem ist es die beste Belle-and-Sebastian-Platte seit einiger Zeit. Schöner, feiner Indie-Folk mit grossartigem Gefühl für die kleinen und grossen Melodien, stets mit einem melancholischen Einschlag.» Wie die Platte lohne sich wohl auch der Film, hat er gemutmasst. Und recht behalten.

Es gibt normale Tage. Dann gibt es gute und schlechte Tage. Die «Days Of The Bagnold Summer» beginnen eher besser als normal. Der 15-jährige Daniel kann es kaum erwarten, den Sommer mit seinem Vater in Florida zu verbringen. Und seine 52-jährige Mutter Sue freut sich für ihn. Sie ist unglaublich liebenswert, diese Sue. Als der unverlässliche Vater kurzfristig absagt, zeigt sie Daniel ihre Zuneigung auf ihre Weise: mit Geduld. Sie lässt ihn seine Enttäuschung verarbeiten, rumlungern und sich abkapseln, zu Heavy Metal. Es dauert lange, bis es ihr zu bunt wird. Sie weiss, wer ihr Sohn ist. In diesem Moment vielleicht besser als er selbst.

Underdogs, die nicht ­ an sich (ver-)zweifeln

Sue und Daniel Bagnold werden gespielt von Monica Dolan und Earl Cave (Nick Caves Sohn in seiner ersten Hauptrolle). Beides keine bekannten Gesichter, die viel Wärme und Wahrhaftigkeit in die Interpretation ihrer Figur legen. Sie sind introvertiert und witzig, stark und verletzt, strapaziert und empathisch, gelangweilt, aber nicht langweilig – und eigentlich mit sich im Reinen.

Die vor Langeweile triefende britische Vorstadt, der feine Humor und die grossen Gefühle, die in dieser kleinen Geschichte stecken, finden ihre Umsetzung auch formal: in oft statischen, frontal aufgenommenen Szenen. Stil und langsamer Rhythmus passen, basiert der Film doch auf dem Comicroman von Joff Winterhart.

Wäre das Leben eine Melodie, klänge es wohl wie «Did The Day Go Just Like You Wanted?», der Lieblingssong des Soundsredaktors ab dem Soundtrack. Bittersüss. «Days Of The Bagnold Summer» ist der tragikomische Film über einen kritischen Sommer im Leben einer alleinerziehenden Mutter und ihres Teenager-Sohnes. Die Aussichten für den Winter stehen nicht schlecht für die Bagnolds. Die Tage sind normal bis gut und werden eher noch besser.

«Days Of The Bagnold Summer» (GB 2019, 86 Min.), R: Simon Bird; ab Donnerstag im Kino.

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