Animationsfilm
Für eine Handvoll Schuppen - Ein Chamäleon auf den Spuren von Clint Eastwood

«Rango» von Gore Verbinski ist eine Hommage an den Western, sprüht vor Filmzitaten und schrägen Ideen. Es geht um ein Chamäleon, das aus seinem Terrarium in die Wüste befördert wird.

Birgit Roschy, SDA
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Obwohl die Handlung viel Spielraum für dreidimensionale Effekte bietet, wird auf diesen Geschmacksverstärker verzichtet.

Obwohl die Handlung viel Spielraum für dreidimensionale Effekte bietet, wird auf diesen Geschmacksverstärker verzichtet.

Western sind nicht totzukriegen. Den Beweis liefert neben dem vor einer Woche angelaufenen Remake «True Grit» nun auch die originelle Trickfilmkomödie «Rango», die heute in die Kinos kommt. Darin geht es um ein Chamäleon-Haustier, das bei einem Autounfall unsanft aus seinem Terrarium in die Wüste befördert wird.

Dort strandet das neurotische kleine Reptil in einer Western- Parallelwelt, gegen die das Kaff in «True Grit» wie eine adrette Puppenstube aussieht.

In dem von versifftem Kleingetier bevölkerten Städtchen Dirt ist so ziemlich jedes Klischee unterwegs, das Wildwest-Epen im letzten Jahrhundert illustriert haben. Da gibt es zum Beispiel den korrupten Bürgermeister (eine behäbige Schildkröte), eine mutige junge Maid, die ihr Land nicht verkaufen will (ein Iguana), eine Sippe von Maulwürfen, die Banken ausraubt, und ein schweigsamer Rabe im Poncho als Indianer-Karikatur.

Geritten wird auf Hühnern. Als Mistviecher treten ein Habicht und eine Klapperschlange auf, unschwer als Parodien jener Galgenvögel zu erkennen, die besonders in Italo-Western ihr Unwesen trieben.

Chamäleon sattelt die Hühner

Im örtlichen Saloon trumpft das Chamäleon, das sich seit jeher mit der Frage «Wer bin ich?» quält, mit detailreichen Flunkereien als Revolverheld Rango auf. So wird das vermeintliche Alphatier flugs zum Sheriff gekürt – und soll klären, wo das Wasser geblieben ist, das in dieser Welt Gott und Geld zusammen bedeutet.

Bis Rango das kühle Nass dingfest gemacht hat, sprudelt die Animations-Fabel nur so über von schrägen Ideen, in denen vom erleuchteten Gürteltier über eine Fledermaus-Bomberattacke bis hin zum «Geist des Western» mit einem Clint-Eastwood-Gespenst die Fantasie Purzelbäume schlägt.

Regisseur Gore Verbinski, der sich durch die «Fluch der Karibik»- Spektakel viel Kredit erworben hat, durfte sich hier, scheinbar ungehindert, austoben. Obwohl die Handlung viel Spielraum für dreidimensionale Effekte bietet, verzichtete er auf diesen Geschmacksverstärker. Auch ohne 3D-Augenreiz ist die Animation erstklassig – und so ausdifferenziert, dass Fell, Federn und Schuppen unheimlich echt aussehen.

Das Gespenst von Clint Eastwood

Für Kinder – der Film ist je nach Kanton schon ab 5 Jahren zugelassen – ist «Rango» ungeeignet: Die absonderlichen Kreaturen sind zum Teil recht gruselig. Auch die vielen Filmzitate sind auf erwachsene Connaisseure gemünzt, die an dieser kenntnisreichen Western-Hommage allerdings grossen Spass haben werden.

Das Gleiche gilt für die ironischen Metaebenen, in denen sich etwa das Chamäleon in existenzialistischen Monologen ergeht, oder eine Mariachi-Eulenband, die in der Art eines antiken Chors singend die dramatische Handlung vorwegnimmt.

Rango (USA 2011) 107Min. Regie: Gore Verbinski. Mit (Stimme): Johnny Depp, Abigail Breslin, Isla Fisher u.a.

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