Science-Fiction

Gott in der Maschine – Johnny Depp als verrückter Wissenschaftler

Dr. Will Caster (Johnny Depp) spielt Gott – ganz in der Tradition vieler anderer «Mad Scientists».Warner Bros/AP/KEY

Dr. Will Caster (Johnny Depp) spielt Gott – ganz in der Tradition vieler anderer «Mad Scientists».Warner Bros/AP/KEY

Wally Pfister, einer der besten Kameramänner in Hollywood wagte sich mit seinem Regie-Debut «Transcendence» an einen technophoben Hightech-Thriller. Für die Hauptrolle konnte er Johnny Depp gewinnen. Das Resultat ist jedoch mässig überzeugend.

Er gilt in Hollywood als einer der besten Kameramänner, doch seit er 2011 für «Inception» den Oscar gewonnen hat, strebt Wally Pfister nach mehr. Der 52-jährige US-Amerikaner hat fünfzehn Jahre lang die Filme von «The Dark Knight»-Regisseur Christopher Nolan bebildert. Jetzt tauscht er seine Kamera gegen den Regiestuhl ein und legt mit «Transcendence» seinen ersten selbst inszenierten Kinofilm vor.

Was bei Pfisters Regiedebüt sofort ins Auge fällt, ist, wie stark er sich an Lehrmeister Nolan orientiert. Pfister bewegt sich mit seinem Hightech-Thriller im selben Genre und setzt in den Nebenrollen mit Morgan Freeman, Cillian Murphy und Rebecca Hall auf Nolan-erprobte Darsteller. Auch inhaltlich rührt Pfister mit der grossen Kelle an und erzählt eine klassische Hybrisgeschichte vom Menschen, der sich anmasst, Gott zu spielen.

Sein Filmheld Dr. Will Caster (Johnny Depp) tut das, indem er im Bereich der künstlichen Intelligenz forscht. Kühn verkündet Dr. Caster, dass seine empfindungsfähige Maschine bald die Grenzen der Natur überwinden könne. Sein Superrechner sei intelligenter als alle jemals geborenen Menschen zusammen und werde Not und Armut den Garaus machen.

Doch die Rede ruft militante Technikfeinde auf den Plan. Nachdem diese einen Anschlag auf Dr. Caster ausüben, lädt er sein Bewusstsein in seinen Computer hoch, um zu überleben. Im Zuge seines unstillbaren Wissensdurstes mutiert Dr. Caster zum machthungrigen Maschinenmonster, das das Weltgeschehen per Internet steuern will.

(Quelle: Youtube / KinoCheck)

TRANSCENDENCE Offizieller Trailer Deutsch German | 2014 Johnny Depp [HD]

In der Tradition der Mad Scientists

Pfister entwickelt seinen Dr. Caster ganz in der Tradition des «Mad Scientist», eines der beliebtesten Versatzstücke der Science-Fiction. Schon Mary Shelley erzählte in «Frankenstein» (1818) vom Wissenschafter, der sich anmasst, künstliches Leben zu erschaffen – nur um dann die Kontrolle über seine eigene Schöpfung zu verlieren.

In «Metropolis» (1927) brachte Fritz Lang den «Mad Scientist» in Form des Erfinders Rotwang erstmals ins Kino, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er dort zum Dauergast. Josef Mengele mit seinen grausamen Menschenversuchen und Edward Teller mit der Erfindung der Wasserstoffbombe standen Pate für Schurken wie Bond-Gegenspieler Dr. No und Stanley Kubriks Dr. Strangelove. In ihnen spiegelt sich die Angst vor der destruktiven Kraft der Wissenschaft und dem Missbrauch von Technologie.

Technophober Hightech-Thriller

Wally Pfister erkundet mit seinem nach Weltherrschaft strebenden Dr. Caster also bei weitem kein Neuland. «Transcendence» aber verurteilt nicht bloss den gefährlichen Kontrollverlust über Technologie, sondern stellt die Wissenschaft ganz grundsätzlich der gesunden Moral gegenüber. Diese radikale Technophobie erstaunt umso mehr, wenn man bedenkt, dass der Film ohne aufwendige Computereffekte nie hätte entstehen können.

Wally Pfister ist kein Fritz Lang und kein Stanley Kubrik, und auch vom Handwerk eines Chris Nolan ist der Regieneuling noch weit entfernt. Zu unsauber geht er mit seinen Themen um, zu blass bleiben die Figuren, zu unspektakulär ist das Finale.

Nolan als Regisseur und Pfister als Kameramann – das war eine unschlagbare Kombination. Doch Neo-Regisseur Pfister hat bereits angekündigt, seine alte Arbeit nie mehr aufnehmen zu wollen. Schon bei «Transcendence» überliess er den Platz hinter der Linse dem weitaus weniger begabten Jess Hall. Das Ergebnis ist die schlechteste aller Möglichkeiten: ein Hightech-Thriller à la Chris Nolan – aber ohne dessen dramaturgischen Kniff und ohne die bahnbrechenden Blockbuster-Bilder, die Wally Pfister zu seinem Markenzeichen gemacht hat.

Transcendence USA/UK 2014, 120 Min. R: Wally Pfister. Mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Morgan Freeman u. a.
Ab Donnerstag im Kino.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1