Paul Riniker

«Jungfilmer» aus Aarau

Ist in Aarau aufgewachsen: Der Filmer Paul Riniker.

Paul Riniker

Ist in Aarau aufgewachsen: Der Filmer Paul Riniker.

Paul Riniker, Regisseur des Spielfilms «Sommervögel», hat sich mit seiner alten Heimat versöhnt und kommt mit seinem Erstling in die Kantonshauptstadt.

«Meine wichtigsten Jugendträume habe ich mir verwirklicht, einige habe ich begraben, ein paar wenigen hänge ich immer noch nach», bekennt Filmemacher Paul Riniker. Die Wurzeln dieser Visionen liegen in der Stadt Aarau. Hier wurde Riniker 1946 geboren. Den ersten Teil der Jugend verbrachte er im Scheibenschachenquartier. «Damals entstand im Umfeld der Aare meine Liebe zum Wasser», erinnert sich Paul Riniker, der später zusammen mit den Eltern, zwei Schwestern und einem jüngeren Bruder an die Hans-Hässig-Strasse im Binzenhof dislozierte.

Als Teenager kickte er als Stürmer beim FC Süd 7, besuchte die Bezirksschule und schaffte an der Kantonsschule die Matura Typus B. Obwohl er den «offenen und liberalen Geist» an der Kanti unter dem damaligen Rektor Hans Ramser und den anregenden Unterricht schätzte, hiess die Devise 1967 «Nichts wie weg!» aus der kleinstädtischen Idylle. Im Umfeld der 68er-Bewegung, von der er fasziniert war, bildete Zürich das geeignetere Pflaster. Nach dem Studienabschluss als lic. iur. folgten Tätigkeiten als Lehrer und als Journalist, die ihn bis in die Redaktionsstube des «Blicks» führten. Vom Sommer 1976 an war er fest angestellt beim Schweizer Fernsehen DRS und erlangte national den Ruf eines begnadeten Dokumentarfilmers.

Für seine einfühlsamen und emotionalen Streifen erhielt Paul Riniker zahlreiche Anerkennungspreise, zum Beispiel für sein Werk «Diagnose Krebs» oder für die «Traum Frau» 1992. Allerdings konnte er sich nach der Jahrtausendwende immer weniger mit seiner Arbeit beim Fernsehen identifizieren und machte sich schliesslich 2006 mit seiner Firma Riniker Communications GmbH selbstständig. Sein Lebensmittelpunkt blieb Zürich, doch liess er die Kontakte zur alten Heimat nie ganz abbrechen. Er traf und trifft sich regelmässig mit fünf Klassenkameraden aus der Aarauer Kanti-Zeit zum Stammtisch und zu Städtereisen. Und tauchte plötzlich wieder am Maienzug-Bankett auf der Schanz auf. «Erstaunlich, wie viele bekannte Gesichter man bei dieser Gelegenheit sieht», beschreibt Riniker seine Eindrücke in der alten Heimat.

Einer jener «Jugendträume» war wohl auch der Wunsch, einen abendfüllenden Spielfilm zu drehen. Mit seinem Erstling «Sommervögel» ist ihm der Start als Regisseur gelungen, der Film wurde am 14.August zum Abschluss des diesjährigen Filmfestivals Locarno auf der Piazza Grande uraufgeführt. Die Geschichte spielt auf einem Campingplatz, wobei als Kulisse jener von Erlach am Bielersee diente. «Ich bin jetzt Jungfilmer», scherzt Riniker über sein berufliches Neuland, das zu einem kleinen Teil auch vom Aargauer Kuratorium mitfinanziert worden ist, allerdings auf Stufe Drehbuch.

Es war für ihn ein besonderes Erlebnis, als Regisseur erstmals eine Crew mit Schauspielern, Statisten und Technikern zu führen. Deshalb freut er sich über gute Noten oder kritische Fragen, die er nach der Filmvorführung morgen Montag, 1.November (Beginn um 20Uhr), im Aarauer Kino Ideal beantworten will. «Irgendeinmal versöhnt man sich mit der Heimatstadt und kehrt mit anderen Augen wieder zurück», gibt Paul Riniker schmunzelnd zu Protokoll. Was hat er in nächster Zukunft vor? «Möglichst schnell wieder einen Spielfilm drehen», kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen.

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