«La vie en rose»
Liebe Leser – wir nehmen Abschied

Naomi Gregoris
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Finale. Nur noch zwei Männer kämpfen um Adelas Herz.
25 Bilder
David und Cem sind noch im Rennen.
Für die schwierige Entscheidung bittet Adela ihre Freunde Ari und Oli um Hilfe.
Speziell Ari soll ein wenig mit den Kandidaten flirten, um zu schauen, ob sie anbeissen.
Zuerst nimmt sie Cem unter die Lupe.
Der Gentleman trägt Ari zum Longboat.
Im Gespräch prüft Ari ihn auf Herz und Nieren.
Oli geht mit David zum Stand-Up-Paddeln.
Beim Nachboren erfährt er von David, dass dieser bloss verknallt in Adela ist.
Rollentausch am Abend - jetzt fühlt Oli Cem auf den Zahn.
Der sagt, ja, ich bin verliebt in Adela.
David besteht - wie zuvor Cem - den Treuetest bei Ari.
Spielerisch soll nun Adela rausfinden, wer besser zu ihr passt.
Während Cem meistens richtig liegt ...
und mit Adela übereinstimmt ...
greift David immer und immer wieder daneben.
Er und Adela sind sich einfach nicht einig.
Doch jetzt muss sich Adela entscheiden - wer wird der Mann an ihrer Seite?
Adela ist sich sicher. Sie hat sich das erste Mal in ihrem Leben verliebt.
Wer wird der Glückliche?
Und die letzte Rose geht an ...
Cem.
Der Personaltrainer hat Adelas Herz erobert.
David muss gehen.
The End

Finale. Nur noch zwei Männer kämpfen um Adelas Herz.

Screenshot / 3+

Nachdem Sie in der letzten Kolumne das Wort hatten, bin jetzt ich an der Reihe. Gestern Abend ist die letzte «Bachelorette»-Folge über den Bildschirm und ich bin glücklich und traurig. Glücklich, weil ich nie wieder auch nur ein Wort über diese Sendung verlieren muss. Traurig, weil ich verstanden habe, dass wir als Kulturteil einer nationalen Zeitung Worte über diese Sendung verlieren müssen.

«Ist doch lustig!», mögen einige von Ihnen jetzt rufen, aber ich versichere Ihnen: Ist es nicht. Es ist nicht lustig, sich jeden Montagabend eine Sendung reinzuziehen, in der eine Frau beeindruckt, erobert, umkämpft werden muss. In der aufgepumpte Brüste als «einfach weiblicher» gelten und Muskeln als «richtig sexy». Es ist nicht lustig, wenn Kommentare über tiefe Décolletés als kulturell wertvoll eingestuft werden.

Schon klar: Diese Sendung nimmt niemand ernst. Wir machen uns doch alle lustig über Adela und ihre affigen Jungs! Man darf sich ja wohl noch lustig machen! Natürlich. Aber Ironisierung ist auch eine Form von Anerkennung. Und Empörung ist die jämmerlichste aller Reaktionen. Sie führt uns genau dahin, wo wir auch landen, wenn wir die «Bachelorette» schauen: In einen Zustand dumpfer Gereiztheit. Wieso wollen wir Zuschauer und wir Medien diesen Zustand?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch ich mag dummes Fernsehen und die Meinungsbeiträge, die mittlerweile jedes Feuilleton dazu abdruckt. Ich bilde mir ein, dass es irgendwie cool ist, wenn intelligente Menschen sich über Schund auslassen. Was diese Marionetten im TV alles anstellen! David und sein Körperöl! Cem und seine Macarons! Adela und ihre Titten!

Nach neun Folgen kann ich Ihnen versichern: Nichts an solchen Kommentaren ist klug oder anregend. Es ist groteske Unterhaltung, wie die «Bachelorette» auch. Womit wir beim Grund wären, wieso Journalisten das Thema so inbrünstig beackern: Klickzahlen. Je lauter der Content, desto häufiger wird draufgeklickt. Und je mehr draufgeklickt wird, desto höher ist unsere messbare «Relevanz».

Statt jetzt noch lange rumzuheulen, gebe ich Ihnen lieber einen Rat mit auf den Weg: Zerschmettern Sie Ihren Fernseher und klicken Sie nur noch auf Artikel ohne Ausrufezeichen. Ich fang auch gleich damit an. Auf Nimmerwiedersehen!

Ihre Kolumnistin

Die ganze Sendung können Sie hier schauen: 3plus.tv/bachelorette