FDP-Präsidium
Müller bei Schawinski: «Sie sind ja auch nicht sympathisch»

Philipp Müller bei Roger Schawinski: Der Aargauer FDP-Nationalrat, der Partei-Präsident werden will, war am Montagabend zu Gast beim TV-Talker. Er parierte Schawinskis Angriffe mit Schlagfertigkeit und Humor und ging als Sieger aus dem Ring.

Rüdi Steiner
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Philipp Müller bei Roger Schawinski

Philipp Müller bei Roger Schawinski

Screenshot SF

Roger Schawinski schonte Philipp Müller am Montagabend nicht, er griff an. Müller sei ein einzelgängerisches Irrlicht, ein Extremist, wolle mal der linkeste, dann der grünste und dann wieder der rechteste Politiker sein, warf der TV-Talker der Aargauer FDP-Nationalrat in der Sendung Schawinski an den Kopf. «Man hat immer gemeint, die FDP sei am Tiefpunkt angelangt und jetzt kommt noch der Müller», bilanzierte Schawinski.

Und Müller? Der reagierte auf die Anwürfe gelassen und wahnsinnig souverän. «Das ist aber gut, der sitzt», meinte der FDP-Nationalrat etwa zum Tiefpunkt-Witz. Überhaupt redete Müller nicht wie Pelli, wie Schawinski witzelte, sondern Klartext.

Mal ganz links

Ja, er war einmal ein Linker und hat im Welschland einen Streik von Konditoren organisiert, weil er fand, 120 Franken Lohn für sechs Tage harte Arbeit seien zu wenig. Ja, er sei ein grüner, weil er seit 30 Jahren Häuser saniert. «Das ist wirkungsvoller als alles andere», so Müller.

Die Freude am Autofahren und an der Formel-1 lässt er sich deswegen nicht nehmen. «Ich habe den Motorsport immer sehr gerne und leidenschaftlich gemacht, ich würde auch das Präsidium der FDP so machen, wenn ich es dann mache».

58 Vorstösse zum Thema Ausländer

Ja, und es ist richtig: Müller hat 58 Vorstösse zum Thema Ausländerpolitik eingereicht. Am Schluss aber wurden die meisten Gesetz, er wurde unterstützt von der FDP und fand auch im Parlament Mehrheiten. «Wenn ich kein Teamplayer wäre, hätte ich doch nie Mehrheiten zusammengekriegt», so Müller zum TV-Mann, den Müller in Anspielung an den deutschen TV-Kommissar auch mal Schimanzki nannte - und über diesen Versprecher gleich noch herzhaft lachte.

Und er sei auch kein Irrlicht, machte Müller klar. «Herr Schawinski, das hat man früher von Ihnen auch gesagt und nun sitzen Sie hier, ein etablierter Mann, ein guter Journalist», gab er zurück.

«Das wäre ja saudumm...»

Müller wies mit Nachdruck darauf hin, dass er noch nicht FDP-Präsident ist, ja noch nicht einmal Kandidat. Denn Müller wird das Amt nur dann übernehmen, wenn die FDP sich zu einer konsequenten Weissgeld-Strategie bekennt und Müller bei der Zusammensetzung des Präsidiums mitreden kann. Er wolle auch nicht FDP-Präsident werden, um allen zu zeigen, dass es ein gelernter Gipser weit bringen könne. «Das wäre ja saudumm, wenn ich mein gut situiertes Leben, auch in der Politik, aus falschem Ehrgeiz hergeben würde».

Doch was reizt Müller überhaupt am Amt? Der Aargauer hätte Lust, die lösungsorientierten Ansätze mit viel Leidenschaft unters Volk zu bringen. Klar, verständlich und auch deutlich zu machen, wofür die Partei steht, das intellektuelle Niveau der Partei etwas reduzieren, emotional und sexy zu werden. Und bei den Wahlen 2015 will er stark zulegen.

Nicht anbiedern

Anbiedern oder verbiegen wird Müller sich deswegen nicht. Er wolle und müsse nicht allen gefallen, sagte er. «Sie sind ja auch nicht der, der allen sympathisch ist. Hat Sie das je gekümmert?», fragte er Schawinski und punktete einmal mehr.

Fazit: Müller hat Schawinski mehr als nur Paroli geboten, er hat den TV-Talker phasenweise sehr alt aussehen lassen. Und vor allem klar gemacht, was die FDP an einem wie Müller hätte: Einer, der kämpft, der Klartext redet und auch mal Emotionen ins Spiel bringt. Die Runde am TV geht klar an Müller.

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