Interview

Rennfahr-Legende Niki Lauda: «Filme sind weniger mein Ding»

Rennfahr-Legende Niki Lauda wird im Film von Daniel Brühl gespielt.

Rennfahr-Legende Niki Lauda wird im Film von Daniel Brühl gespielt.

1976 war das spannendste und schichsalhafteste Jahr in der Formel-1-Geschichte. Nun kommt das Drama über die beiden grossen Formel-1-Legenden James Hunt und Niki Lauda ins Kino. Premiere feiert «Rush» am Zürich Film Festival.

Niki Lauda, wie fühlt es sich an, sich in einem Hollywood-Film verewigt zu sehen?

Niki Lauda: Schon etwas seltsam. Wer hätte so was gedacht, als ich crashte und mein Ohr verlor? Ich jedenfalls nicht. Ich verstehe nun auch besser, wieso mich nach dem Unfall alle so schockiert angeschaut haben. Was für ein Anblick!

Finden Sie, Daniel Brühl hat Sie gut eingefangen?

Ja, er hat tolle Arbeit geleistet. Das sagen alle. Er meinte bei unserem ersten Treffen, mich zu spielen sei schwierig, weil ich noch am Leben bin. Die Leute wüssten, wie ich aussehe, wie ich rede und mich bewege. Er hat viel Zeit mit uns in Wien verbracht und einen Coach für den österreichischen Akzent bekommen. Ich habe ihn auch an ein Rennen nach Brasilien mitgenommen. Er hatte vom Rennsport ja nicht viel Ahnung.

Hatten Sie ein Mitsprache-Recht, was das Casting betraf?

Nein, ich hatte keine Ahnung, wer Daniel Brühl ist. Ich musste zuerst meine Frau fragen. Die klärte mich dann sofort auf.

Filme sind sonst also nicht Ihr Ding?

Weniger, aber ich habe den Dokumentarfilm über Ayrton Senna gesehen. Den fand ich sehr gut, da habe ich auch noch das eine oder andere erfahren, das ich nicht wusste.

Waren Sie nicht nervös, dass Hollywood Ihre Geschichte verdrehen könnte?

Schon zwanzig- oder dreissigmal wollten Leute Filme über mich machen, aber mich interessierte das nie – für mich hätte dies Arbeit bedeutet, langweilige noch dazu. Aber als der Drehbuchautor Peter Morgan anfragte und davon sprach, er wolle die Saison von 1976 thematisieren, und ich erfuhr, dass er ein Oscar-Preisträger und Top-Schreiber ist, habe ich ihn angehört und schliesslich auch Regisseur Ron Howard getroffen. Der hat von Formel 1 auch keine Ahnung, aber er hat ja auch «Apollo 13» inszeniert. Er hat mich wie ein Kind mit einer Million Fragen bombardiert und so kam dann alles in die Gänge.

Wie haben Sie die Rivalität mit James Hunt, um die es in «Rush» geht, in Erinnerung?

Er war sehr schnell und schwer zu schlagen. Er erbrach vor dem Rennen, aber er fuhr präzise – wenn man mit 300 Stundenkilometern nebeneinander in die Kurve kommt, musste man sich damals viel mehr als heute auf den anderen verlassen können, dass er keinen Fehler macht. Sonst gab es Tote. Wir respektierten uns gegenseitig. Sein Lebenswandel war bekannt: Was er vor dem Rennen alles machte, erlaubte ich mir höchstens nachher. Das schien mir sicherer (lacht). Es tut mir leid, dass er nicht mehr hier ist. Der Film hätte ihm auch gefallen.

Ein Kollege aus der damaligen Zeit war auch der Schweizer Rennfahrer Clay Regazzoni. Welche Beziehung hatten Sie zu ihm?

Er war ein wirklicher Freund. Als ich zu Ferrari kam, war ich der junge Newcomer und er der grosse Held. Ich habe viel von Clay gelernt. Ich bin ihm auch noch nach seinem Rücktritt und dem Unfall in Long Beach, der ihn in den Rollstuhl brachte, hinterher geweibelt. Ich war sehr traurig, als er bei einem Autounfall starb.

Das wohl spektakulärste Formel-1-Team der Jahre 1974 bis 1976: Clay Regazzoni und der Österreicher Niki Lauda im Ferrari-Stall

Das wohl spektakulärste Formel-1-Team der Jahre 1974 bis 1976: Clay Regazzoni und der Österreicher Niki Lauda im Ferrari-Stall

Hatten Sie auch nach Ihrem schweren Unfall von 1976 nie Angst am Steuer?

Ich habe mir nach dem Unfall schon überlegt, ob ich weiter fahren soll. Aber ich wusste ja von Anfang an, dass Rennen fahren gefährlich ist. So entschied ich mich, weiter zu fahren. Man muss Fehler analysieren und den Kopf bei der Sache haben. Ich habe mir gesagt: Ich bin am Leben, Gott sei Dank kann ich weitermachen. Jetzt rutsch nicht in der Dusche aus und brich dir was aus Unachtsamkeit. Ich habe inzwischen oft geduscht und mir nie was gebrochen (lacht).

Sie haben vier Kinder. Die jüngsten beiden sind vierjährige Zwillinge. Wird es in der nächsten Generation einen Lauda-Rennfahrer geben?

Mein 32-jähriger Sohn Mathias wollte gegen meinen Willen Rennfahrer werden. Ich fand auch, dass er es mit seiner Fahrweise nicht weit bringt, aber er meinte, ich sei die alte Generation und hätte keine Ahnung – wie es halt zwischen Vätern und Söhnen so ist. Inzwischen hat er aufgehört. Die Zwillinge Max und Mia zeigen noch keine Anzeichen, dass sie fahren wollen, aber heute ist es auch etwas anderes: m Vergleich zu früher ist die Gefahr heute gleich null.

Probleme gibts im Rennsport trotzdem. Haben Sie einen Tipp für das Schweizer Sauber-Team wie es aus der Krise rauskommen könnte?

Die haben halt Finanzprobleme. Aber in Monza haben sie den fünften Platz belegt. Sie haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und wir hoffen alle, dass das Team überlebt.

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