Zurich Film Festival

Schöner Dreck: Kollers «Die Schwarzen Brüder» feiert Premiere in Zürich

Bedrohlich wie eine Barilla-Werbung: «Die Schwarzen Brüder».

Bedrohlich wie eine Barilla-Werbung: «Die Schwarzen Brüder».

Xavier Koller feierte die Premiere seiner Kinderbuchverfilmung «Die Schwarzen Brüder» am Zürich Film Festival. Den düsteren Stoff hat der Regisseur fürs Kino hochpoliert.

Xavier Koller sauste die Stufen des Zürcher Arena-Kinos hinunter, als wolle er zum Weitsprung ansetzen. Er lebt ja in Los Angeles, dort macht der 69-jährige Schweizer wohl auch Fitnessübungen, und jedenfalls wurde er auf der Bühne als der Regisseur vorgestellt, der 1991 mit «Reise der Hoffnung» den Oscar gewann.

Die schwarzen Brüder - Trailer

Die schwarzen Brüder - Trailer

Die Kinder im Saal interessierte das wenig. Sie wollten die Uraufführung von «Die Schwarzen Brüder» sehen und damit die Frage klären, ob die Verfilmung etwas geworden ist im Vergleich zum berühmten und historisch abgestützten Jugendroman von Lisa Tetzner und Kurt Held aus dem Jahr 1941. Er erzählt von Tessiner Buben, die im 19. Jahrhundert als Kaminfeger verdingt werden.

Diskretes Elend – weisse Sklaverei

Der Film begann mit dem mythischen Bild vom Adler, der ganz hinten im Verzascatal ein Zicklein angreift. Bis hierhin wars richtig, dann aber nahm sich der Film erste Freiheiten heraus, und nicht alle fanden es gut. Im Grunde aber handelt die Geschichte davon: Der Mann mit der Narbe (Moritz Bleibtreu), ein Bösewicht wie aus einem Charles-Dickens-Roman, kauft für 40 Franken den kleinen Giorgio, weil dessen Bauerneltern im Tessin das Geld brauchen. Er wird ins mondäne Mailand gezerrt, wo er fortan als lebendige Bürste durch Kaminschlote steigt. Giorgio wird geprügelt und gehänselt, aber das Blatt wendet sich, als er von anderen «Spazzacamini» in die Bande der schwarzen Brüder aufgenommen wird.

Das musste also auch noch sein nach dem Musical am Walensee: «Die Schwarzen Brüder» als Familienfilm. In seinem diskreten Elend von weisser Sklaverei, gelben Zähnen und russschwarzen Gesichtern wirkte er wiederum hübsch zurechtgemacht. Wir hielten uns nicht lange mit Feinheiten auf und wurden zügig bedient mit einer erbaulichen Geschichte über die Kraft des Zusammenhalts. Immer wieder passierte etwas, doch zurück blieb der Eindruck einer pragmatisch kalkulierten Strichfassung. Die finstere Stimmung war etwa so bedrohlich wie eine Barilla-Werbung, und auch die Farbpalette erinnerte an italienische Pasta.

«Mein Bruder hat mir das Buch damals im Bett vorgelesen», sagt Xavier Koller. Finanziert wurde der Film als schweizerisch-deutsche Koproduktion – aber münden musste er dann doch ins helvetische Traumbild vom urtümlichen Leben der Väter auf der Alp. Das kannten wir schon und klatschten also.

Die Schwarzen Brüder Ab 19.12. im Kino

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