Das gibt es nicht alle Tage: Eine Darstellerin aus den Hollywood-Blockbustern «Avengers: Infinity War» (2018) und «Black Panther» (2018) spielt eine deutsche «Tatort»-Kommissarin. Eigentlich ist das die Sensation und nicht die Tatsache, dass Florence Kasumba schwarz ist. Nichtsdestotrotz ist die in Uganda geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Schauspielerin und Mixed-Martial-Arts-Kämpferin tatsächlich die erste schwarze «Tatort»-Kommissarin.

Als «moderne Kriegerin» beschreibt sie Regisseurin Franziska Buch. Das erinnert an ihre Superheldinnen-Rollen und passt auch gut zu den beruflichen Kämpfen, die Kasumba alias Kommissarin Anais Schmitz mit ihrer neuen Kollegin, Kommissarin Charlotte Lindholm, ausfechten muss. Lindholm, von Maria Furtwängler wie immer souverän gespielt, wurde von Hannover nach Göttingen strafversetzt. Dieser Degradierung begegnet sie mit reichlich Arroganz und Unsicherheit.

Es ist ein harter Start für Lindholm in Göttingen, weil sie, kaum angelangt an ihrem ersten Tatort, die schwarze Kollegin für eine Putzfrau hält: «Sie wollen doch hier jetzt nicht putzen?» Ein demütigender Fauxpas. Und auch der Start in die Kriminalhandlung ist hart: Eine 15-Jährige entbindet allein und verzweifelt ein Baby. In der Konsequenz suchen die neuen Kolleginnen sowohl nach dem verschwundenen Teenager als auch nach dem Baby und dem Vater dazu.

Die Folge thematisiert reale Not: Jährlich gibt es in Deutschland 1600 verdrängte Schwangerschaften – mit immer wieder tödlichem Ausgang für die Neugeborenen. 

«Tatort» aus Niedersachsen: «Das verschwundene Kind». Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 1. ★★★★☆